Schmerzmittel-Sucht: Rund drei Millionen Menschen in Deutschland betroffen
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deRezeptfreie und verschreibungspflichtige Schmerzmedikamente sind weit verbreitet, doch ihr Gefahrenpotenzial wird häufig unterschätzt. Warnungen von Fachbehörden und Gesundheitsorganisationen verdeutlichen, dass neben organischen Folgeschäden auch handfeste Abhängigkeitsrisiken bestehen.
Wie Chinas Nationale Drogenkontrollkommission in einer Veröffentlichung hervorhob, bergen selbst frei erhältliche Schmerzpräparate Risiken für eine Suchtentwicklung.
Zu den typischen Anzeichen eines problematischen Konsums zählen die Entwicklung einer Toleranz mit nachlassender Wirkung und anschließender Dosiserhöhung, psychisches Verlangen sowie klassische Entzugssymptome wie Herzklopfen, Schlaflosigkeit und eine verstärkte Rückkehr von Schmerzen.
Problematische Wirkstoffe und verbreitete Fehleinschätzungen
Chinas Nationale Drogenkontrollkommission stuft insbesondere Codein-Kombinationspräparate wie Paracetamol-Codein und Ibuprofen-Codein sowie Tramadol, Pregabalin und Gabapentin – bei denen steigende Missbrauchszahlen verzeichnet werden – als risikobehaftet ein.
Ebenfalls genannt werden Schmerztabletten, die Phenobarbital und Koffein enthalten. Ähnliche Einschätzungen teilen Fachberichte von Jiangxi Anti-Drug, der Initiative Healthy China und dem Magazin „Popular Health“, die zudem auf das strikte Verordnungsregime bei Betäubungsmitteln wie Morphin, Pethidin, Oxycodon und Fentanyl verweisen.
Im Rahmen ihrer Aufklärung trat die Nationale Drogenkontrollkommission fünf weitverbreiteten Irrtümern entgegen:
- Die Annahme, eine freie VerfĂĽgbarkeit bĂĽrge fĂĽr Harmlosigkeit, trifft nicht zu.
- Eine regelkonforme Einzeldosis garantiert bei unkontrollierter Langzeiteinnahme keine Sicherheit.
- Das eigenmächtige Kombinieren mehrerer Schmerzmittel führt nicht zu einer verbesserten Wirkung, sondern steigert die Belastung von Leber und Nieren und begünstigt eine gefährliche Atemdepression.
- Schmerzen sollten nicht dauerhaft ohne medizinische Abklärung der eigentlichen Ursachen betäubt werden.
- Auftretende Entzugssymptome werden von Betroffenen häufig fälschlicherweise als Wiederaufflammen der ursprünglichen Erkrankung fehlgedeutet.
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Risiken bei Nichtsteroidalen Antirheumatika
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac, Celecoxib oder Etoricoxib weisen zwar laut der chinesischen Drogenkontrollkommission keine primär suchtauslösenden Inhaltsstoffe auf, können bei längerer Anwendung jedoch an Wirksamkeit einbüßen und Betroffene zu gefährlichen Dosissteigerungen verleiten.
Gesundheitsanalysen verweisen zudem auf erhebliche körperliche Begleitrisiken dieser Wirkstoffgruppe. Berichte des Fachportals Rynek Zdrowia heben hervor, dass NSAR bei unkritischer Selbstmedikation Schädigungen von Magen, Darm, Nieren, Leber und Herz verursachen können.
Selektive COX-2-Hemmer wie Celecoxib gehen mit einem gesteigerten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko einher; frĂĽhere Vertreter dieser Klasse wie Rofecoxib und Valdecoxib wurden bereits in den Jahren 2004 und 2005 vom Markt genommen.
Besondere Vorsicht gilt bei älteren Personen über 60 Jahren, Vorerkrankungen, gleichzeitiger Einnahme von Glukokortikoiden oder Blutgerinnungshemmern sowie im dritten Schwangerschaftstrimester.
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Internationale Befunde und Initiativen
Auch internationale Fachgremien schlagen Alarm. Einem Memorandum zufolge ermittelte die irische HSE-Codein-Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Prof. Eamon Keenan Hinweise auf Gesundheitsschäden durch den übermäßigen oder langfristigen Gebrauch niedrig dosierter Codein-Produkte.
Da der menschliche Körper Codein in Morphin umwandelt, drohen physische Abhängigkeit, Angstgefühle und Schlafprobleme beim Absetzen. Zudem seien Kombinationspräparate aus Codein und Ibuprofen oder Paracetamol nicht wirksamer als die jeweiligen Einzelsubstanzen.
In Deutschland widmen sich Medienberichte und Rechercheprojekte der Thematik. Eine Umfrage des „Mannheimer Morgen“ im Rahmen des Projekts „Zwischen Rausch und Rezept“ mit dem „Spiegel“ und „Correctiv“ untersucht den Missbrauch von Opioiden wie Tilidin, Fentanyl und Oxycodon sowie die Rolle von Verordnungsmustern und Schwarzmärkten.
Schätzungen aus dem Fachpodcast „Medikamentenabhängigkeit — Wenn die Therapie zur Falle wird“ beziffern die Zahl der von Medikamentenabhängigkeit betroffenen Menschen in Deutschland auf rund drei Millionen.
Fachleute mahnen vor diesem Hintergrund zur Vorsicht: Bei chronischen Beschwerden sollte der Ausstieg stets ärztlich begleitet und eine unkontrollierte Selbstmedikation konsequent vermieden werden.
