Schmerzstudie: Bei 6,1 Millionen Menschen steigt die Belastung vor 55 am stärksten
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Körperliche Schmerzen gelten in der öffentlichen Wahrnehmung oft als unausweichliche Begleiterscheinung des hohen Alters. Eine in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Untersuchung zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild.
Die Analyse von selbstberichteten Schmerzen von über 6 Millionen Menschen aus 118 Ländern und mehr als 900 Datenquellen aus den Jahren 1990 bis 2025 belegt, dass die Schmerzbelastung weltweit am stärksten vor dem 55. Lebensjahr zunimmt. Nach diesem Wendepunkt flacht die Belastung je nach Schmerzform ab oder sinkt sogar wieder.
Grundlage der Untersuchung sind Angaben von 6.125.459 Menschen im Alter von 5 bis über 100 Jahren. Anhand dieser Datenbasis erstellten die Forschenden Referenzkurven für elf Schmerzlokalisationen. In sämtlichen elf untersuchten Körperregionen zeigte sich der steilste Zuwachs vor dem 55. Lebensjahr.
In dieser Altersgruppe gaben über 40 % der Männer und fast 60 % der Frauen an, unter Schmerzen zu leiden. Chronische Ganzkörperschmerzen betreffen global etwa jeden Zehnten und werden im hohen Alter seltener gemeldet. Manche Schmerzformen nehmen mit fortschreitenden Lebensjahren generell ab.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Kopf- und Rückenschmerzen
Frauen berichteten in allen elf Körperregionen häufiger über Schmerzen als Männer. Besonders deutlich fielen die Differenzen bei Kopf- und Bauchschmerzen aus: Die Wahrscheinlichkeit lag für Frauen bei Kopfschmerzen um 74 % und bei Bauchschmerzen um 60 % höher.
Zudem unterscheiden sich die Alterszeitpunkte, an denen Beschwerden ihren Höchststand erreichen:
- Kopfschmerzen treten am häufigsten bei Frauen mit 34 Jahren (rund 40 %) sowie bei Männern mit 38 Jahren (rund 20 %) auf.
- Nacken- und Schulterschmerzen erreichen ihre Spitzenwerte bei Frauen mit 61 Jahren (knapp 30 %) und bei Männern mit 63 Jahren (über 20 %).
- Rückenschmerzen weisen eine globale Prävalenz von 40 % auf, wobei einzelne Auswertungen eine Quote von 45,0 % verzeichnen.
- Gesichtsschmerzen betrafen laut den Auswertungen 2 % beziehungsweise 2,5 % der Teilnehmenden.
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Regionale Verläufe und sozioökonomische Faktoren
Der zeitliche Verlauf der Schmerzbelastung variiert je nach Weltregion. Während in Westeuropa der Höchststand im Schnitt mit 56 Jahren erreicht wird und die Belastung anschließend zurückgeht, klettert die Kurve in Nordamerika bis zum Alter von 72 Jahren, bevor sie sinkt.
Ein wesentlicher Teil der weltweiten Schmerzen lässt sich auf veränderbare Faktoren zurückführen: Rauchen, starkes Übergewicht und ein geringes Einkommen erklären weltweit 18,3 % der Schmerzbelastung. Der Einfluss dieser Faktoren unterscheidet sich geografisch stark.
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In West- und Osteuropa sowie Nord- und Lateinamerika erklären Rauchen, Adipositas und niedriges Einkommen 22 bis 27 % der Belastung, wobei Osteuropa mit 27 % den oberen Wert markiert. In Subsahara-Afrika liegt der Anteil bei 13 %, und auch in Südasien spielen diese drei Faktoren eine vergleichsweise geringere Rolle.
Zudem stiegen Schmerzen ab dem 40. Lebensjahr in Ländern mit einem niedrigeren Human Development Index (HDI) schneller an. In diesen Regionen traten Kreuzschmerzen fast doppelt so häufig auf. Die Autoren der Studie folgern daraus, dass gesundheitliche Prävention früher ansetzen und regionale Gegebenheiten berücksichtigen sollte.
Methodische Einschränkungen der Erhebung
Die Aussagekraft der Ergebnisse unterliegt methodischen Begrenzungen. Die zugrunde liegenden Erhebungen beruhen auf Selbstauskünften der Befragten und nicht auf standardisierten ärztlichen Diagnosen. Zudem bilden die Datensätze keine individuellen Lebensverläufe über die Zeit ab.
Akute Schmerzzustände lassen sich in den vorliegenden Daten nicht zuverlässig von chronischen Schmerzen trennen, und die methodische sowie regionale Vergleichbarkeit über verschiedene Studien hinweg bleibt eingeschränkt.
