Schmerztherapie: IQWiG findet keine Belege für EMS bei Beingeschwüren
10.06.2026 - 16:07:09 | boerse-global.de
Besonders Reizstrom-Methoden wie TENS und EMS stehen im Fokus. Doch die wissenschaftliche Bewertung fällt unterschiedlich aus.
TENS: Wirksamkeit bleibt umstritten
Die Studienlage zur Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation (TENS) ist uneinheitlich. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2019 fand keine eindeutigen Belege bei chronischen Schmerzen. Eine Metaanalyse von 2022 mit 381 Studien zeichnete ein positiveres Bild: Sie lieferte Hinweise auf eine Schmerzreduktion während und direkt nach der Anwendung.
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Der britische NHS beschreibt TENS als Methode zur vorübergehenden Linderung. Allerdings wirkt das Verfahren nicht bei jedem Patienten. Die schwachen elektrischen Impulse sollen die Schmerzsignale ans Gehirn beeinflussen und die Produktion körpereigener Endorphine anregen.
IQWiG sieht keine Belege für EMS bei Beingeschwüren
Kritischer fällt die Bewertung für die neuromuskuläre Elektrostimulation (EMS) aus. In einem Vorbericht vom 8. Juni 2026 prüfte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Stimulation des Nervus peroneus communis bei venösen Beingeschwüren.
Das Ergebnis: Nutzen oder Schaden sind unklar. Die Analyse stützte sich auf eine einzige randomisierte Studie. Deren Daten waren laut IQWiG unvollständig und widersprüchlich. Der Hersteller lieferte keine weiteren Unterlagen. Eine abschließende Stellungnahme ist bis zum 6. Juli möglich.
Elektromagnetische Felder: Forschung noch am Anfang
Neben klassischem Reizstrom rücken niederfrequente pulsierende elektromagnetische Felder (PEMF) in den Fokus. Die BEMER Int. AG verwies am 9. Juni 2026 auf Potenziale bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen.
Diskutierte Wirkmechanismen: verbesserte Mikrozirkulation, erhöhte Stickstoffmonoxid-Verfügbarkeit und entzündungshemmende Effekte. Die Forschung zu Schlaganfällen, Demenz oder Depressionen steckt laut Unternehmen aber noch in frühen Stadien. Wichtige Kontraindikationen bleiben Herzschrittmacher, Insulinpumpen und Epilepsie.
Cannabis-Medikament zugelassen – aber klinisch kaum relevant?
Parallel entwickeln sich neue medikamentöse Alternativen. Am 9. Juni 2026 wurde Exilby zugelassen – ein cannabisbasiertes Medikament gegen chronische Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente. In einer Phase-3-Studie erreichte es eine Schmerzreduktion von 1,9 Punkten auf einer 11-Punkte-Skala. Die Placebogruppe lag bei 1,4 Punkten.
Fachleute wie Ulrike Bingel von der Uniklinik Essen relativieren: Eine Differenz von 0,5 Punkten sei klinisch kaum relevant. Das zeigt die Komplexität der Erfolgsmessung in der Schmerztherapie.
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Gesundheitsausgaben steigen rasant
Der Bedarf an Schmerztherapien spiegelt sich in den Kosten. Laut Heilmittel-Report des AOK-Wissenschaftszentrums WIdO vom 9. Juni 2026 stiegen die GKV-Ausgaben von 6,1 Milliarden Euro (2015) auf 13,3 Milliarden Euro (2024). Für 2026 zeichnet sich eine Fortsetzung ab: Allein im ersten Quartal gab es ein Plus von 8,7 Prozent.
Reizstromgeräte werden zunehmend für den Heimanwender erschwinglich. Am 10. Juni 2026 war etwa das Beurer EM 56 im Handel stark reduziert. Die fachliche Einordnung durch Mediziner bleibt aber essenziell – nur so lässt sich der individuelle Nutzen sicherstellen.
