Schmetterlingsumarmung: 60 Sekunden Klopfen können akute Unruhe lindern
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deAngst ist eine natĂŒrliche emotionale Reaktion auf Situationen, die als bedrohlich oder unsicher wahrgenommen werden. Sie Ă€uĂert sich typischerweise durch körperliche und kognitive Symptome wie Muskelspannung, beschleunigte Atmung, negative Gedanken und Konzentrationsprobleme.
Die klinische Psychologin Laura Pimentel stellte am 5. November 2026 im Rahmen der Sendung âHablando de Saludâ auf El Nuevo Diario TV spezifische Strategien zur emotionalen Selbstregulation vor. Selbstregulation bedeute in diesem Kontext, aufkommende Emotionen, Gedanken und körperliche Reaktionen aktiv zu steuern, statt sie zu unterdrĂŒcken.
Gezielte Techniken zur bilateralen Stimulation
Als konkrete Methode zur BewĂ€ltigung akuter UnruhezustĂ€nde empfahl Pimentel die sogenannte Schmetterlingsumarmung. Bei dieser Form der bilateralen Stimulation werden die Arme ĂŒber der Brust gekreuzt, sodass die HĂ€nde auf den Schultern aufliegen. Mit geschlossenen Augen erfolgen anschlieĂend fĂŒr etwa 60 Sekunden sanfte, abwechselnde Klopfbewegungen. Sollte die innere Anspannung fortbestehen, lasse sich dieser Ablauf zwei- bis fĂŒnfmal wiederholen.
Die Schmetterlingsumarmung (âAbrazo de la mariposaâ) geht historisch auf Luciana Artigas zurĂŒck, die das Verfahren 1998 fĂŒr Ăberlebende des Hurrikans Paulina im mexikanischen Acapulco entwickelte. Im Jahr 2000 wurde der Ansatz mit dem Preis fĂŒr kreative Innovation der EMDR International Association ausgezeichnet.
Laut einem Bericht von eleconomista.es vom 5. November 2026 bestĂ€tigen 55 Studien die Wirksamkeit dieses Protokolls sowie dessen FĂ€higkeit, die AusschĂŒttung von Botenstoffen wie Serotonin anzuregen. Die DurchfĂŒhrung kombiniert sanfte rhythmische Klopfer â entweder abwechselnd oder synchron â mit einer langsamen und tiefen Atmung.
Körperliche Mechanismen und Beruhigung des Nervensystems
Bei anhaltendem Stress oder akuter Angst schĂŒttet das sympathische Nervensystem Hormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Als physiologischer Gegenspieler fungiert der Parasympathikus beziehungsweise der Vagusnerv. Zur DĂ€mpfung dieser Stressreaktion existieren mehrere Methoden, darunter AtemĂŒbungen mit verlĂ€ngerter Ausatmung, Yoga-Asanas, Summen oder das Aufbringen von kaltem Wasser im Gesicht zur Auslösung des Tauchreflexes.
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Einer Untersuchung der Stanford University zufolge reichen bereits fĂŒnf Minuten physiologisches Seufzen â gekennzeichnet durch zweimaliges kurzes Einatmen gefolgt von langem Ausatmen â, um das subjektive Wohlbefinden zu verbessern. Zudem belegen Studien, dass Aufenthalte in der Natur den Cortisolspiegel senken, wĂ€hrend Meditationspraxis Bereiche wie die Amygdala und den prĂ€frontalen Kortex beeinflusst.
Grenzen neurobiologischer Vorhersagen
Zur Funktionsweise der Emotionsregulation liegen aktuelle wissenschaftliche Analysen vor. Carmen Morawetz von der UniversitÀt Innsbruck untersuchte im Rahmen einer internationalen fMRT-Analyse Daten von 2.175 Personen aus 40 Studien.
Das Ergebnis zeigt, dass standardisierte Fragebögen zur kognitiven Neubewertung im Alltag, Labortests und gemessene HirnaktivitĂ€ten kaum miteinander ĂŒberlappen. Morawetz wies darauf hin, dass HirnaktivitĂ€tsmuster daher nicht geeignet seien, um konkrete Probleme bei der Emotionsregulation im Alltag verlĂ€sslich vorherzusagen.
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Gleichzeitig betonte Morawetz, dass die kognitive Neubewertung in der psychotherapeutischen Praxis, insbesondere im Rahmen der Verhaltenstherapie, weiterhin ein sehr wirksames Instrument bleibe. Bildgebende Standardstudien umfassen ĂŒblicherweise 30 bis 60 Probanden, wĂ€hrend ein einzelner Testdurchlauf rund 45 bis 50 Minuten in Anspruch nimmt.
Umgang mit Panikattacken und antizipatorischer Angst
Panikattacken sind durch plötzlich auftretende Symptome wie Herzklopfen, Atemnot, Schwindel und die Furcht vor Kontrollverlust gekennzeichnet. Die IntensitÀt erreicht meist innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt, bevor die Reaktionen wieder abklingen.
Ein wesentlicher Treiber fĂŒr das Fortbestehen von PanikzustĂ€nden ist die antizipatorische Angst vor Folgeattacken. Dieser Kreislauf entsteht hĂ€ufig, wenn Betroffene vermehrt Körpersignale scannen und diese fĂ€lschlicherweise als unmittelbares Alarmsignal deuten.
Zur Unterbrechung dieses Musters eignen sich strukturierte Ăbungen wie das bewusste Zulassen der Empfindungen und gezielte Erdungstechniken. Bei erstmaligem Auftreten starker Symptome oder anhaltenden BeeintrĂ€chtigungen im Alltag ist eine Ă€rztliche AbklĂ€rung ratsam, um organische Ursachen wie Herz-, SchilddrĂŒsen- oder Atemwegserkrankungen auszuschlieĂen. FĂŒr die weiterfĂŒhrende Behandlung gilt die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als empirisch gut untersuchtes Verfahren.
