Schneeräumen, Winter

Schneeräumen im Winter: Jährlich sterben 40 bis 60 Menschen am Herzinfarkt

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Niedrige Temperaturen erhöhen den Blutdruck; Schneeräumen, Sport im Freien und Infekte können das Herz zusätzlich beanspruchen.
Verschneite, frostige Parklandschaft bei tiefstehender Morgensonne im Winter mit gefrorenen Oberflächen. Illustration mit AI erstellt.

Sinkende Temperaturen verengen die Blutgefäße und lassen den Blutdruck steigen. In Kombination mit körperlicher Anstrengung erhöht dieser kältebedingte Mechanismus das Risiko für Angina Pectoris und akute Herzinfarkte erheblich. Medizinische Fachgesellschaften und Kardiologen weisen darauf hin, dass die kalte Jahreszeit für das Herz-Kreislauf-System eine messbare Mehrbelastung darstellt.

Physiologische Mechanismen und saisonale Blutdruckschwankungen

Bei niedrigen Außentemperaturen zieht sich das Gefäßsystem zusammen, wodurch das Herz gegen einen höheren Widerstand anpumpen muss. Wie die American Heart Association (AHA) hervorhebt, können sich auch die Koronararterien verengen.

Eine systematische Übersichtsarbeit von Kollias et al. aus dem Jahr 2020, die 47 Studien auswertete, zeigte, dass der Blutdruck im Sommer im Mittel um 5/3 mmHg niedriger lag als im Winter. Dieser Effekt trat bei älteren Personen und Patienten mit Hypertonie noch deutlicher zutage.

Dass Kälte eine erhebliche gesundheitliche Belastung darstellt, belegt auch eine internationale Analyse unter der Leitung von Gasparrini et al. aus dem Jahr 2015. Bei der Untersuchung von mehr als 74 Millionen Todesfällen in 13 Ländern waren 7,29 Prozent aller Todesfälle mit Kälte assoziiert, während lediglich 0,42 Prozent auf Hitze zurückgeführt wurden. In den USA liegt das Herzinfarktrisiko in den Wintermonaten doppelt so hoch wie im Sommer.

Kardiologe Prof. Dr. Bar?? K?l?çaslan erläutert, dass bei bestehenden Gefäßverengungen oder Vorerkrankungen das Risiko für einen Infarkt unter Kälteeinfluss sprunghaft ansteigt.

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Der Kardiologe Prof. Juri Serebrjanski mahnt insbesondere Personen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) zur Vorsicht bei sportlicher Betätigung im Freien: Kälte gepaart mit plötzlicher körperlicher Belastung könne Angina-pectoris-Anfälle und Herzinfarkte auslösen.

Betroffene sollten vor einem Training ärztlichen Rat einholen und bei Symptomen wie Schmerzen, Atemnot oder Herzrhythmusstörungen umgehend eine Untersuchung veranlassen.

Hohe Belastung durch Schneeräumen und Infektionen

Eine besonders gefährliche Kombination aus Kälte und abrupter körperlicher Anstrengung stellt das Schneeschaufeln dar. Nach Angaben der AHA erreicht der Puls dabei bereits nach zwei Minuten mehr als 85 Prozent des Maximalwerts.

Eine kanadische Untersuchung von Auger et al. aus dem Jahr 2017 (Quebec, Daten von 1981 bis 2014) ergab, dass nach Schneefällen von 20 Zentimetern am Folgetag 16 Prozent mehr Krankenhauseinweisungen wegen Herzinfarkts und 34 Prozent mehr Todesfälle bei Männern verzeichnet wurden; bei Frauen zeigte sich dieser Zusammenhang nicht.

Für Deutschland liegen Angaben vor, wonach jährlich rund 40 bis 60 Menschen infolge eines Herzinfarkts beim Schneeräumen sterben, wobei Ältere, Raucher sowie Personen mit Bluthochdruck oder KHK besonders gefährdet sind.

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Zusätzlich belasten saisonale Atemwegsinfekte das Herz. Eine kanadische Studie von Kwong et al. aus dem Jahr 2018 wies nach, dass in der ersten Woche nach einer Grippeinfektion etwa sechsmal mehr Krankenhauseinweisungen wegen eines Herzinfarkts auftraten.

Infektionen wie Grippe, Lungenentzündung oder COVID-19 können Entzündungsreaktionen hervorrufen und das Aufbrechen instabiler Gefäßablagerungen begünstigen. Kardiologen empfehlen Risikogruppen daher rechtzeitige Schutzimpfungen.

Einfluss der Raumtemperatur und Verhaltensregeln

Nicht nur die Außentemperatur, sondern auch das Raumklima beeinflusst das Kreislaufsystem. Eine englische Studie mit 4.659 Teilnehmern dokumentierte auf Gruppenebene pro 1 °C niedrigerer Raumtemperatur einen Anstieg des systolischen Blutdrucks um 0,48 mmHg und des diastolischen um 0,45 mmHg.

Eine randomisierte Untersuchung aus Japan mit 146 Erwachsenen zeigte bei 24,2 °C Raumtemperatur im Vergleich zu 13,9 °C einen um 5,8 mmHg niedrigeren systolischen Morgenblutdruck.

Eine weitere Untersuchung bei 359 älteren Menschen (Durchschnittsalter 72 Jahre) ergab bei 2,09 °C wärmeren Räumen eine Senkung um systolisch 4,43 mmHg und diastolisch 2,33 mmHg. Die Weltgesundheitsorganisation nennt 18 °C als Orientierungswert für die Allgemeinbevölkerung; der britische Gesundheitsdienst NHS empfiehlt für Wohnräume mindestens 18 °C.

Fachleute raten Herzpatienten in den kalten Monaten, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren, verordnete Medikamente keinesfalls eigenmächtig abzusetzen und intensive Frühsport-Einheiten im Freien zu vermeiden. Plötzliche Beschwerden wie Brustschmerzen mit Ausstrahlung, kalter Schweiß oder akuter Schwindel erfordern eine sofortige notfallmedizinische Abklärung.

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