Schockanrufe, FĂ€lle

Schockanrufe: Drei FĂ€lle bei Ingolstadt kosten Opfer insgesamt 58.500 Euro

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 07:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Drei FĂ€lle im Raum Ingolstadt verursachten 58.500 Euro Schaden; Kliniken und Polizei warnen vor falschen Notfallforderungen.
Eine menschenleere, abendlich beleuchtete Wohnstraße in einer deutschen Kleinstadt mit traditioneller Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Kriminelle setzen Àltere Menschen bundesweit mit sogenannten Schockanrufen unter Druck, um hohe GeldbetrÀge zu erbeuten. Die TÀter tÀuschen am Telefon schwere Notlagen, lebensbedrohliche Erkrankungen oder angebliche VerkehrsunfÀlle naher Verwandter vor. Mit gezielter emotionaler Manipulation bringen sie Betroffene dazu, erhebliche Summen an Bargeld oder Wertsachen an Unbekannte auszuhÀndigen.

Hohe SchÀden bei VorfÀllen in Bayern

Allein im Raum Ingolstadt ermittelt die Kriminalpolizei aktuell in drei FĂ€llen mit einer Gesamtschadenssumme von 58.500 Euro. Die BetrĂŒger spiegelten den Opfern vor, ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht und mĂŒsse zur Abwendung einer Haftstrafe eine Kaution hinterlegen.

Am 4. November 2026 hĂ€ndigte eine 78-jĂ€hrige Frau in Reichertshofen am Dienstagnachmittag 9.500 Euro aus. In derselben Gemeinde wurde eine 76-JĂ€hrige in der Nacht auf Mittwoch zur Übergabe von 37.000 Euro bewegt. Im Nordosten von Ingolstadt ĂŒbergab eine 77-jĂ€hrige Frau am Mittwoch gegen 16 Uhr Bargeld in Höhe von 12.000 Euro.

Ebenfalls am 4. November 2026 wurde eine Seniorin in Rothenstadt Opfer einer NotfalllĂŒge. Ein Anrufer gab sich als Professor der Intensivstation des Klinikums Nordoberpfalz aus und behauptete, die Tochter der Frau leide an einer lebensbedrohlichen Erkrankung.

Anzeige

Ein einziger Anruf oder eine Nachricht kann ausreichen, um Menschen unter massiven Zeitdruck zu setzen und finanzielle SchĂ€den zu verursachen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie die gĂ€ngigsten Tricks rechtzeitig durchschauen und sich wirksam schĂŒtzen. 5 Schutzregeln gegen Betrugsmaschen jetzt kostenlos entdecken

FĂŒr ein angeblich erforderliches Medikament aus der Schweiz forderte der Anrufer 90.000 Euro. Letztlich erbeuteten die Kriminellen Bargeld und Schmuck im Wert von mehreren tausend Euro. Die Wertsachen wurden zwischen 16:30 und 17 Uhr in der Gartenstraße an einen unbekannten Abholer ĂŒbergeben.

Die Kriminalpolizei Weiden sucht Zeugen und beschreibt den Mann als etwa 40 bis 45 Jahre alt, circa 165 Zentimeter groß, sehr schlank, mit sĂŒdlĂ€ndischem Erscheinungsbild, dunkler Stoffjacke und dunkelbraunen gegelten Haaren.

Warnungen der Kliniken vor falschen Behandlungsforderungen

Aus Anlass der anhaltenden VorfĂ€lle warnen die Arberlandkliniken im Landkreis Regen gemeinsam mit dem Bayerischen Landeskriminalamt und der Bayerischen Krankenhausgesellschaft vor dieser Masche. Die Kriminellen geben sich oft als Klinikmitarbeiter aus und verlangen Geld fĂŒr unmittelbare medizinische Eingriffe nach UnfĂ€llen oder Erkrankungen.

Die Kliniken stellen klar, dass KrankenhĂ€user niemals telefonisch finanzielle Forderungen fĂŒr Notfallbehandlungen stellen. Lebensrettende Maßnahmen seien in keinem Fall von einer vorherigen Zahlung abhĂ€ngig.

Zudem holen Angestellte von Gesundheitseinrichtungen weder Bargeld noch Schmuck ab. Betroffene sollten solche Telefonate unmittelbar abbrechen und die Polizei verstĂ€ndigen. Auch das Klinikum Großhadern betonte, dass Klinikpersonal keine BehandlungsgebĂŒhren telefonisch einfordert.

Dass Wachsamkeit vor Schaden schĂŒtzen kann, zeigte ein Vorfall in Biberach. Ein angeblicher Arzt behauptete gegenĂŒber einem 79-jĂ€hrigen Mann, dessen Tochter sei mit einem schweren Magenleiden oder Krebs hospitalisiert und benötige ein Schweizer PrĂ€parat. Im Hintergrund wurden Schmerzenslaute einer weiblichen Stimme eingespielt.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Sicherheit befasst, sollte auch die Warnzeichen bei gefÀlschten Nachrichten oder Anrufen genau kennen. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie die 10 hÀufigsten Methoden der Kriminellen entlarven und Ihre Angehörigen absichern. Kostenlosen Ratgeber gegen Betrugsmaschen herunterladen

Der Senior wollte das Krankenhaus persönlich aufsuchen, wurde jedoch unter Verweisen auf angebliche QuarantĂ€nevorschriften und den Impfstatus hingehalten. Zu einer Zahlungsaufforderung kam es nicht, da der Anrufer auflegte, als der Senior ankĂŒndigte, sich mit einem befreundeten Arzt abzusprechen.

Überregionales Ausmaß und organisierte Strukturen

Die Ermittler registrieren ein hohes Aufkommen solcher Taten. Joachim Schulz vom PolizeiprĂ€sidium Ulm erklĂ€rte, dass entsprechende TĂ€uschungsversuche in der Region tagtĂ€glich und in großer Zahl erfolgen, vielfach gesteuert von organisierten Gruppierungen aus dem Ausland.

Nach Angaben von Polizeisprecherin Yvonne Winter gehen in Nordhessen monatlich Meldungen im dreistelligen Bereich ein. Die BetrĂŒger nutzen das sogenannte Call-ID-Spoofing, um Behörden- oder Institutsnummern vorzutĂ€uschen, und geben sich als Polizisten, StaatsanwĂ€lte oder Mediziner aus.

In Guxhagen ĂŒbergab eine Seniorin nach dem Anruf eines falschen Staatsanwalts Bargeld und Goldbarren im Wert eines sechsstelligen Betrags, wĂ€hrend eine weitere Betroffene im Ort die Übergabe im letzten Moment verhinderte. In Trendelburg entwendeten Kriminelle mit einer Unfalllegende mehrere Zehntausend Euro, in Kassel brachten falsche Ärzte eine Frau um ihren Goldschmuck.

Die Taten haben auch juristische Konsequenzen: Vor Gericht in MĂŒnchen stellte die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen I die besondere Verwerflichkeit durch die gezielte Auswahl Ă€lterer Opfer heraus; das Urteil in dem Verfahren soll am 8. Dezember gesprochen werden.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70467908 |