Schrittzahl-Mythos: 5.000 Schritte senken Sterblichkeit um 43%
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 13:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein umfassender Ăberblick ĂŒber das Bewegungsverhalten in der EuropĂ€ischen Union verdeutlicht eine positive Entwicklung bei der sportlichen BetĂ€tigung, zeigt jedoch auch deutliche regionale und soziale Unterschiede auf. Laut dem am 22. September 2026 veröffentlichten 6. Eurobarometer Sport der EU-Kommission ist der Anteil der Menschen, die regelmĂ€Ăig körperlich aktiv sind, spĂŒrbar gestiegen.
Steigende Beteiligung und verÀnderte Bewegungsgewohnheiten
Die Daten der EU-Kommission belegen, dass 38 % der Befragten mehrmals pro Woche Sport treiben, was einem Zuwachs von 6 Prozentpunkten gegenĂŒber dem Jahr 2022 entspricht. Fast tĂ€glich sind 9 % der BĂŒrger aktiv (+3 Prozentpunkte).
Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die niemals Sport treiben, von 45 % im Jahr 2022 auf aktuell 39 %. Als primÀre Motive nennen 44 % der Befragten ihre körperliche Gesundheit, gefolgt von Entspannung (39 %) und psychischer Gesundheit (26 %).
Bei den genutzten Orten fĂŒr sportliche AktivitĂ€ten liegen Parks und FreiflĂ€chen mit 47 % stabil an der Spitze. Einen deutlichen Zuwachs verzeichnen Gesundheits- und Fitnesseinrichtungen, deren Nutzung von 33 % auf 39 % stieg.
Den stĂ€rksten Anstieg gab es beim aktiven Pendeln, also dem Einbau von Bewegung in den Arbeitsweg: Hier kletterte der Wert von 24 % auf 37 %. Zudem geben 72 % der Befragten an, an mindestens vier bis sieben Tagen pro Woche fĂŒr mindestens 10 Minuten zu gehen, verglichen mit lediglich 16 % im Jahr 2022.
Regionale Unterschiede und demografische EinflĂŒsse
Die AktivitĂ€t hĂ€ngt stark von Alter, Bildung und Wohnort ab. WĂ€hrend bei den 15- bis 24-JĂ€hrigen 73 % mehrmals pro Woche aktiv sind, sinkt dieser Wert bei den ĂŒber 75-JĂ€hrigen auf 25 %.
Auch der Bildungsstand spielt eine Rolle: 59 % der Personen, die ihre Ausbildung erst mit mindestens 20 Jahren abgeschlossen haben, sind regelmĂ€Ăig aktiv, gegenĂŒber 23 % bei jenen, die die Schule mit 15 Jahren oder frĂŒher verlieĂen.
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Im LĂ€ndervergleich weisen Finnland (21 %) und DĂ€nemark (20 %) die höchsten Quoten fĂŒr tĂ€gliche Bewegung auf. In beiden LĂ€ndern treiben zudem jeweils 59 % mehrmals pro Woche Sport. Am unteren Ende der Skala stehen Portugal (68 % nie Sport), Griechenland (66 %) und RumĂ€nien (66 %).
In RumĂ€nien gaben 78 % an, an mindestens vier Tagen pro Woche fĂŒr 10 Minuten zu gehen â ein Plus von 20 Prozentpunkten. Dennoch kritisieren dort 61 % der BĂŒrger, dass die Kommunen zu wenig fĂŒr die Bewegungsförderung tun.
Barrieren und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Schritttempo
Trotz der positiven Trends bleiben Hindernisse bestehen. Zeitmangel wird von 37 % der Befragten als Hauptgrund fĂŒr InaktivitĂ€t genannt (?4 Prozentpunkte). Weitere Faktoren sind fehlende Motivation (26 %) sowie gesundheitliche EinschrĂ€nkungen oder Verletzungen (15 %).
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Die Kostenbelastung wird von 12 % (+2 Prozentpunkte) als Barriere angefĂŒhrt, wobei 52 % der EuropĂ€er weniger als 20 Euro pro Monat fĂŒr Sport ausgeben.
ErgĂ€nzend zur allgemeinen AktivitĂ€t liefert die Forschung neue Erkenntnisse zur EffektivitĂ€t von Alltagsbewegung. Eine in einem Fachmagazin fĂŒr Sportmedizin veröffentlichte Studie der Monash University und der University of Sydney, die auf Daten von 64.743 Teilnehmern basiert, relativiert das verbreitete Ziel von 10.000 Schritten pro Tag. Laut Nicholas Koemel von der Monash University gehe diese Marke auf eine japanische Marketingkampagne der 1960er Jahre zurĂŒck.
Die Forscher Emmanuel Stamatakis und Koemel stellten fest, dass bereits eine geringere Schrittzahl bei höherem Tempo oder eine moderate Schrittzahl (5.000 bis 7.500) bei geringerem Tempo das Risiko eines vorzeitigen Todes um bis zu 43 % senken kann. Eine Physiotherapeutin betonte zudem, dass BestÀndigkeit wichtiger sei als eine pauschale Zielvorgabe.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt fĂŒr Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive AktivitĂ€t, ergĂ€nzt um zwei Tage Krafttraining.
Im Rahmen der EuropĂ€ischen Woche des Sports, die vom 23. bis 30. September 2026 unter dem Motto â#BeActive Your Wayâ stattfindet, sollen diese Empfehlungen weiter in das öffentliche Bewusstsein gerĂŒckt werden. Die Eröffnung der Aktionswoche ist fĂŒr den 23. September in Dublin vorgesehen.
