Schrittzahl und Gehirn: Ab 8.875 Schritten schneiden Erwachsene besser ab
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 22:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmĂ€Ăige körperliche Bewegung steht in einem messbaren Zusammenhang mit der geistigen LeistungsfĂ€higkeit von Erwachsenen. Wie eine am 11. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung des Baylor College of Medicine darlegt, schneiden Menschen mit einem aktiveren Lebensstil bei kognitiven Tests systematisch besser ab als Personen mit geringem Bewegungsumfang.
Schrittzahl und kognitive Funktionen
FĂŒr die Untersuchung analysierte das Team des Baylor College of Medicine Daten aus dem Programm All of Us der National Institutes of Health aus dem Zeitraum von 2009 bis 2023. An der Stichprobe nahmen 3093 Erwachsene im Alter von 18 bis 93 Jahren teil, das Durchschnittsalter lag bei 58 Jahren. Die körperliche AktivitĂ€t wurde objektiv mithilfe von Fitbit-Sensoren erfasst.
Die Teilnehmenden wurden anhand ihres tĂ€glichen Bewegungsvolumens verglichen. Die beiden aktiveren Gruppen, die durchschnittlich 8875 beziehungsweise 14.161 Schritte am Tag zurĂŒcklegten, erzielten bessere Resultate in den Bereichen Aufmerksamkeit, Ablenkungskontrolle und Belohnungswahl als die wenig aktive Vergleichsgruppe mit durchschnittlich 5108 Schritten tĂ€glich.
Beim Testwert fĂŒr die Aufmerksamkeit erreichte die mittlere Gruppe ein Plus von 1,76 Punkten, wĂ€hrend die aktivste Gruppe um 2,17 Punkte besser abschnitt. Laut den Autoren seien die Unterschiede insgesamt klein.
Zudem zeigte die Auswertung, dass jeweils 1000 zusÀtzliche Schritte mit höheren kognitiven Werten einhergingen. Dabei erwiesen sich bereits 8875 Schritte pro Tag als vorteilhaft; die weiteren Unterschiede zwischen den moderat und den hoch aktiven Gruppen fielen dagegen minimal aus.
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Blutdruck als ErklÀrungsfaktor und methodische Grenzen
Die Forscher des Baylor College of Medicine untersuchten auch physiologische Begleitfaktoren. Ein höherer systolischer Blutdruck ging dabei mit einer etwas schlechteren Leistung bei der Belohnungswahl einher. Nach Berechnungen der Wissenschaftler erklÀrt der Blutdruck etwa 5 Prozent des Zusammenhangs zwischen körperlicher Bewegung und Kognition.
Hauptautor Olaoluwa Okusaga vom Baylor College of Medicine hielt fest, dass die Ergebnisse zwar einen Zusammenhang bestÀtigten, ein kausaler Nachweis damit jedoch nicht erbracht sei. Die Untersuchung sei zudem nicht darauf ausgelegt gewesen, eine spezifische optimale Schrittzahl festzulegen.
Als methodische EinschrĂ€nkungen nannten die Autoren, dass die Kognition lediglich zu einem einzelnen Zeitpunkt gemessen wurde. Zudem bestand das Teilnehmerfeld ĂŒberwiegend aus weiĂen und gebildeten Personen, und zwei Drittel der Probanden waren Frauen.
ErgÀnzende Erkenntnisse zur neurobiologischen Wirkung
Die Resultate fĂŒgen sich in eine Reihe weiterer wissenschaftlicher Arbeiten ein. Eine im August in der Fachzeitschrift Imaging Neuroscience publizierte Untersuchung der UniversitĂ€t Tsukuba untersuchte gesunde junge Erwachsene, die zehn Minuten lang im Tempo zĂŒgigen Gehens auf einem Laufband liefen. Dies entsprach etwa einem Drittel der maximalen aeroben KapazitĂ€t.
Im Anschluss wiesen die Teilnehmenden verbesserte Stimmungswerte sowie eine schnellere BewĂ€ltigung von Aufmerksamkeitstests auf. Messungen zeigten eine stĂ€rkere Aktivierung in zwei Arealen des linken prĂ€frontalen Kortex, der fĂŒr Aufmerksamkeit, Planung und Emotionsregulation zustĂ€ndig ist.
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Ăber die akute Steigerung hinaus deuten langfristige Erhebungen auf prĂ€ventive Effekte hin. Eine systematische Ăbersichtsarbeit von Natan Feter und Kollegen in The Lancet Public Health, die 74 Studien mit ĂŒber 4,2 Millionen Teilnehmenden aus 30 LĂ€ndern und einer mittleren Beobachtungsdauer von zehn Jahren umfasste, brachte eine hohe körperliche AktivitĂ€t mit einem um 20 Prozent niedrigeren Demenzrisiko in Verbindung.
Das Risiko fĂŒr Alzheimer-Demenz lag um etwa 21 Prozent, jenes fĂŒr vaskulĂ€re Demenz um 29 Prozent niedriger, wobei die Evidenzsicherheit von den Autoren als niedrig bis sehr niedrig eingestuft wurde.
