Schulstress, Schüler

Schulstress: 65 Prozent der Schüler wöchentlich erschöpft

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen hohe Erschöpfung und psychische Belastungen bei Schülern. Verbände, Kassen und Initiativen fordern mehr Prävention und Hilfen.

Psychische Belastung bei Kindern wächst – Prävention wird ausgebaut
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit ordentlich aufgereihten Holztischen und einem bunten Teppich. Illustration mit AI erstellt.

Die psychische Gesundheit und der Schutz von Kindern stehen zunehmend im Mittelpunkt fachlicher und gesellschaftlicher Debatten. Aktuelle Erhebungen und Berichte aus dem Bildungs- und Gesundheitsbereich verdeutlichen, dass Belastungen im Schulalltag zunehmen, während gleichzeitig Initiativen in Kitas und Kommunen versuchen, präventiv gegenzusteuern.

Neben Projekten zur Selbstbehauptung wie der „Starke Kinder Kiste“, die durch die Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel im Landkreis Merzig-Wadern an vier Kindertagesstätten vergeben wurde, fordern Berufsverbände und Krankenkassen einen strukturellen Ausbau von Hilfsangeboten.

Studien belegen wachsende Belastungen im Schulalltag

Hinweise auf die Situation junger Menschen liefern bundesweite Untersuchungen. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) verwies im Vorfeld des Weltkindertags am 20. September 2026 auf Befunde der COPSY-Studie und des Deutschen Schulbarometers 2025/26, die eine zunehmende psychische Belastung von Kindern dokumentieren.

Zudem zeige die PISA-Studie die schwächsten Ergebnisse für deutsche Schülerinnen und Schüler seit Beginn der Erhebungen. BDP-Präsidentin Bethlehem forderte vor diesem Hintergrund einen Ausbau niedrigschwelliger psychologischer Angebote sowie eine Stärkung schulpsychologischer Strukturen.

Eindringliche Daten liefert auch das Präventionsradar der DAK-Gesundheit, das vom IFT-Nord in Kiel für das Schuljahr 2024/2025 unter 26.586 Schülerinnen und Schülern in 14 Bundesländern erhoben wurde. Demnach weisen 84 Prozent der Befragten in den Klassenstufen 5 bis 10 eine niedrige oder moderate Gesundheitskompetenz auf.

Rund 65 Prozent gaben an, mindestens wöchentlich erschöpft zu sein. Bei Mädchen traten depressive Symptome mit 27 Prozent deutlich häufiger auf als bei Jungen mit 7 Prozent. Gefühle von Einsamkeit betrafen 41 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Jungen. Als Konsequenz sprach sich die Krankenkasse für die Einführung eines Schulfachs Gesundheit aus.

Gleichzeitig bedarf es im digitalen Raum gezielter Aufklärung: An einer Schulstunde der Initiative klicksafe gegen Cybermobbing, die in Kooperation mit der Aktion Mensch und der Nummer gegen Kummer erstmals auch in Gebärdensprache stattfand, nahmen 65.820 Schülerinnen und Schüler aus 2.194 Schulklassen der Jahrgänge 5 bis 8 teil. Eine begleitende, nicht repräsentative Umfrage ergab, dass nur knapp die Hälfte der Jugendlichen weiß, wie Betroffenen konkret geholfen werden kann.

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Prävention und Kinderschutz von der Kita an

Um Gefährdungen frühzeitig zu begegnen, setzen Fachorganisationen vermehrt auf frühe Interventionen im Elementarbereich. Die von der Organisation Herzenssache (getragen von SWR, SR und Sparda-Bank) geförderte Initiative der Deutschen Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel sieht vor, über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 150 „Starke Kinder Kisten“ in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu verteilen.

Davon entfallen 35 Kisten auf das Saarland, wo sie rund 122 Kitas erreichen sollen. Begleitet wird die Maßnahme von den Beratungsstellen PHOENIX und NELE.

Auch auf kommunaler und klinischer Ebene sind spezialisierte Einrichtungen gefordert. Das seit 15 Jahren bestehende Zentrum für Kinderschutz und Frühe Hilfen (KiZ) am Universitätsklinikum Freiburg begleitete im Jahr 2025 insgesamt 886 Kinder und Familien.

In der dortigen Kinderschutzambulanz lag der Verdacht bei 36 Prozent der Fälle auf körperlicher Gewalt, bei 23 Prozent auf sexualisierter Gewalt und bei 19 Prozent auf Vernachlässigung; für den 25. September 2026 kündigte das Zentrum ein Fachsymposium an.

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Auf lokaler Ebene ergänzen Projekte freier Träger diese Bemühungen. Die 2008 gegründete Hannah-Stiftung Königswinter, geführt von Linda und Jana Wiedeck, startete mit Mitteln der Bürgerstiftung Königswinter und der Kreissparkassenstiftung Rhein-Sieg ein Pilotprojekt: In 30 Kitas, beginnend mit dem Drachenkindergarten Thomasberg, thematisiert das 45-minütige Theaterstück „Die große Nein-Tonne“ das Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl.

Ergänzt wird die Maßnahme durch Fortbildungen für pädagogische Teams und Elternabende, um Schutzmechanismen nachhaltig im Umfeld der Kinder zu verankern.

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