Schulstress: Ein Drittel der Schüler ohne sichere Basiskompetenzen
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein breites Bündnis aus über 200 Organisationen hat unter dem Motto „25 Jahre PISA: Schluss mit Ausreden. Bildungswende JETZT!“ bundesweit zu Aktionen aufgerufen. Rund ein Vierteljahrhundert nach dem ersten Schock der PISA-Studie beklagen Initiativen kaum spürbare Verbesserungen und organisieren Kundgebungen in Städten wie Berlin, Potsdam, München und Köln.
Unter anderem mobilisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen für den 19. September 2026 zu einer Demonstration vom Friesenplatz zum Heumarkt in Köln.
Die Landesvorsitzende Ayla Çelik erklärte, Bildung sei die wichtigste Zukunftsinvestition und verlangte ausreichend Personal sowie eine bedarfsgerechte Finanzierung. Auch die GEW-Vorsitzende Finnern mahnte ein radikales Umdenken im gesamten Bildungswesen an.
Wachsender Notendruck und Belastungen bei Schülern
Hinter den Protesten stehen zunehmende Sorgen über die mentale Gesundheit und Leistungsanforderungen im Schulalltag. Laut Berichten fühlt sich in Hamburg fast jeder dritte Schüler stark belastet. Vor diesem Hintergrund schlägt auch der Landesschülerrat Brandenburg Alarm: Die Schülervertretung verweist auf Probleme rund um Smartphone-Nutzung, Unterrichtsqualität, Notendruck und psychisches Wohlbefinden.
In einem Zehn-Punkte-Plan fordert das Gremium unter anderem die Abschaffung unangekündigter Tests, eine Personaldichte in der Schulsozialarbeit von einer Stelle pro 150 Lernende, Politische Bildung ab Klasse 5, Medienbildung ab Klasse 3 sowie ein Streikrecht und das Deutschlandticket. Der brandenburgische Bildungsminister Hoffmann kündigte eine Prüfung der Punkte an, verwies jedoch zugleich auf bestehende finanzielle Obergrenzen.
Auf die gesundheitlichen Aspekte des Schulalltags blickt der BKK-Dachverband. Der Verband fordert den flächendeckenden Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften, eine verlässliche Finanzierung sowie einen Pakt Gesunde Schule in Anlehnung an den bisherigen Digitalpakt.
Nach Angaben des BKK-Dachverbands sind mehr als 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig. Unterstützung erhält der Vorstoß vom Verband der Privaten Krankenversicherung. Andreas Philippi, Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz, betonte, dass gesundheitliche Prävention künftig in allen politischen Bereichen mitgedacht werden müsse.
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Belastungsspitzen an Hochschulen und verschärfte Rahmenbedingungen
Ähnliche Stressfaktoren prägen den Hochschulbereich. Eine Analyse der Plattform Jurafuchs, die über 100 Millionen Lerneinheiten von 11.127 Jurastudierenden an 37 Universitäten untersuchte, belegt deutliche Belastungsspitzen im Vorfeld von Klausuren: Im Schnitt steigt die Lernintensität drei Wochen vor den Prüfungen um 33,2 Prozent.
Spitzenwerte verzeichneten Studierende in Jena mit einem Zuwachs von 74,4 Prozent, gefolgt von Münster mit 67,4 Prozent, Freiburg mit 56,3 Prozent und Marburg mit 35,1 Prozent.
Den höchsten Gesamtwert pro Nutzer erzielten Lernende in Trier mit durchschnittlich 11.379 Einheiten. Parallel dazu steigen die finanziellen Lasten: In einigen Bundesländern klettert der Semesterbeitrag, der unter anderem Ticketangebote und Veranstaltungen finanziert, auf über 400 Euro mit einer Tendenz zu 500 Euro.
Strukturelle Defizite und Ergebnisse der PISA-Erhebung
Die Proteste spiegeln zugleich fundamentale Leistungsprobleme des Bildungssystems wider. Bei der PISA-Erhebung 2025 erzielte Deutschland historische Tiefstwerte mit 486 Punkten in den Naturwissenschaften, 465 Punkten im Lesen und 464 Punkten in der Mathematik.
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Ein Drittel der 15-Jährigen erreicht keine sicheren Basiskompetenzen im Lesen und Rechnen, in den Naturwissenschaften ist es ein Viertel. Zudem sind Herkunftseffekte so stark ausgeprägt wie noch nie seit dem Jahr 2000: Die Kompetenzlücke zwischen sozial privilegierten und benachteiligten Jugendlichen liegt in Deutschland bei 125 Punkten, während der OECD-Schnitt 85 Punkte beträgt.
Gleichzeitig lernen 52 Prozent der Schüler an Einrichtungen mit akutem Lehrermangel, verglichen mit 39 Prozent im OECD-Durchschnitt. Beim modellbasierten Problemlösen liegt der deutsche Wert mit 498 Punkten exakt im internationalen Mittelmaß.
