Schwangerschaftsernährung, Fisch

Schwangerschaftsernährung: Fisch pro Woche mit 25 Prozent geringerem Risiko verbunden

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Harvard-Auswertung verbindet mediterrane Kost und Fischverzehr mit selteneren kombinierten Beschwerden, kann aber keine Ursache belegen.
Ein hölzerner Tisch mit frischen mediterranen Zutaten wie Tomaten, Oliven, Walnüssen und Basilikum in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Eine ausgewogene Ernährungsweise während der Schwangerschaft steht seit Langem im Fokus der pädiatrischen Forschung. Eine am 12. Oktober 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Untersuchung der Harvard T.H. Chan School of Public Health, des Boston Children's Hospital und des Harvard Pilgrim Health Care Institute analysierte den Zusammenhang zwischen dem Speiseplan werdender Mütter und dem Auftreten von Koliken sowie Ekzemen bei ihren Kindern. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, wie spezifische Ernährungsmuster mit kombinierten frühkindlichen Beschwerden zusammenhängen.

Datenbasis und Häufigkeiten im Säuglingsalter

Die Harvard-Studie stützt sich auf Daten von 1.324 Mutter-Kind-Paaren aus der Langzeitstudie Project Viva in Ost-Massachusetts, deren Rekrutierung zwischen April 1999 und November 2002 stattfand. Das mittlere Alter der Mütter lag bei 32,6 Jahren; 75,2 Prozent der Studienteilnehmerinnen waren weiß.

Die Untersuchung wurde von den National Institutes of Health (NIH) und durch eine anonyme Spende finanziert. Als korrespondierende Autorin fungiert Jenifer R. Lightdale vom Boston Children's Hospital.

In der untersuchten Kohorte litten 273 Babys (20,6 Prozent) ausschließlich an Koliken, während 152 Säuglinge (11,5 Prozent) nur von einem Ekzem betroffen waren.

Bei 61 Kindern (4,6 Prozent) traten beide Erkrankungen gemeinsam auf, wohingegen 838 Kinder keine der beiden Beschwerden entwickelten. Eine parallele Auswertung wies aus, dass 26 Prozent der Säuglinge Koliken hatten und 5 Prozent von der Kombination aus Koliken und Ekzem betroffen waren.

Schützende Effekte mediterraner Kostkomponenten

Die Analyse ergab, dass eine Annäherung an die traditionelle Mittelmeerküche mit Vorteilen für das Kind einhergehen kann. Jeder zusätzliche Punkt im Mediterranean Diet Score (MDS) war mit einem um 15 Prozent geringeren Risiko für das gleichzeitige Auftreten von Koliken und atopischer Dermatitis verbunden (Odds Ratio 0,85; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,74–0,98).

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Die Harvard-Studie zeigt: Jede wöchentliche Portion Fisch oder Meeresfrüchte ist mit einem um 25 Prozent geringeren Risiko für Koliken und Ekzeme beim Baby verbunden. Doch nur ein Drittel der Schwangeren isst die empfohlenen zwei bis drei Portionen pro Woche. Jetzt kostenlosen Ernährungsplan für die Schwangerschaft anfordern

Ein entgegengesetzter Effekt zeigte sich bei entzündungsfördernder Kost: Jeder höhere Punkt im Dietary Inflammatory Index (DII) ging mit einem um 34 Prozent höheren Risiko für das gleichzeitige Auftreten beider Krankheitsbilder einher.

Besonders der Verzehr maritimer Lebensmittel stach heraus: Jede wöchentliche Portion Fisch oder Meeresfrüchte war mit einem um 25 Prozent geringeren Risiko für die kombinierte Diagnose assoziiert (Odds Ratio 0,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,54–0,93). Gleichzeitig dokumentierten die Forschenden, dass lediglich ein Drittel der befragten Schwangeren die empfohlenen zwei bis drei Portionen Fisch pro Woche konsumierte.

Selektive Zusammenhänge und methodische Grenzen

Auffällig war, dass sich die ermittelten Zusammenhänge primär beim gleichzeitigen Auftreten von Koliken und atopischer Dermatitis zeigten, nicht jedoch bei der isolierten Betrachtung einzelner Symptome.

Zudem fielen die Assoziationen bei Müttern mit einer allergischen Vorerkrankung in der eigenen Krankengeschichte am stärksten aus. Andere Lebensmittelgruppen zeigten hingegen kein klares Bild: Für Milchprodukte, Eier und Nüsse ließ sich kein signifikanter statistischer Zusammenhang mit Koliken oder Ekzemen nachweisen.

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Die Autoren betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die rein statistische Zusammenhänge aufzeigt und keine Kausalität belegen kann.

Dass gezielte Ernährungsumstellungen während der Schwangerschaft nicht automatisch Allergien verhindern, belegen auch andere Untersuchungen. So zeigte eine im New England Journal of Medicine publizierte randomisierte Studie mit mehr als 2.000 Schwangeren in Australien, bei denen mindestens zwei Familienmitglieder allergische Erkrankungen aufwiesen, ein ernüchterndes Resultat: Der gezielt hohe wöchentliche Konsum von mindestens sechs Eiern und 60 Erdnüssen im Vergleich zu einem Standardkonsum von maximal drei Eiern und 30 Erdnüssen – begonnen vor der 23. Schwangerschaftswoche bis vier Monate in die Stillzeit – führte nach zwölf Monaten zu einer ähnlichen Inzidenz IgE-vermittelter Erdnuss- oder Ei-Allergien in beiden Gruppen.

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