Schwangerschaftsvitamine: Öko-Test bewertet nur 2 von 19 Präparaten mit „gut“
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Überprüfung von Nahrungsergänzungsmitteln für werdende Mütter zeichnet ein kritisches Bild der aktuellen Produktangebote. Laut einem Bericht vom 14. Oktober 2026 ergab eine Untersuchung von Öko-Test bei 19 Schwangerschaftspräparaten, dass lediglich zwei Produkte mit dem Gesamturteil „gut“ bewertet werden konnten.
Mehr als 50 Prozent der geprüften Mittel fielen dagegen mit der Bewertung „ungenügend“ durch. Die Analyse verdeutlicht damit eine erhebliche Diskrepanz zwischen den ernährungsphysiologischen Bedürfnissen und der realen Zusammensetzung handelsüblicher Präparate.
Mängel bei Dosierungen und Nichteinhaltung von Richtwerten
Im Zentrum der Kritik von Öko-Test steht vor allem die Überdosierung von Vitaminen und Mineralstoffen. Konkret bemängelten die Tester bei 14 der 19 Präparate einen zu hohen Gehalt an Vitamin B6. Zudem überschritten mehr als 50 Prozent der Produkte beim Mineralstoff Eisen die festgelegte Höchstmenge von 6 mg pro Tag.
Insgesamt stellten die Prüfer fest, dass lediglich 25 Prozent der untersuchten Schwangerschaftspräparate die Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) einhalten.
Fachliche Orientierungshilfen definieren den tatsächlichen Bedarf für diesen Lebensabschnitt deutlich präziser. Nach Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der Initiative Gesund ins Leben beträgt die empfohlene Folsäure-Zufuhr 400 Mikrogramm pro Tag bei Kinderwunsch bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche.
Sofern vor der Schwangerschaft keine Einnahme erfolgte, liegt der empfohlene Wert bei 800 Mikrogramm pro Tag. Für die gesamte Dauer der Schwangerschaft wird eine tägliche Jod-Zufuhr von 100 bis 150 Mikrogramm empfohlen.
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Informationsdefizite und abweichende Praxis bei Mikronährstoffen
Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP), die den Zeitraum von April bis November 2024 erfasste, verweist zudem auf erhebliche Informationsdefizite unter werdenden Müttern.
Demnach kennen 53 Prozent der Schwangeren die Auswirkungen von Vitamin B12 auf das Kind nicht. Dennoch greifen 70 Prozent der Schwangeren zu einer entsprechenden B12-Supplementierung, während lediglich 3,8 Prozent der Fachkräfte eine solche Einnahme empfehlen.
Fachratgeber weisen darauf hin, dass die empfohlene Tagesdosis (RDA) je nach Lebensphase variiert: Für Kinder im Alter von 1 bis 18 Jahren liegt sie bei 50 bis 100 Prozent der RDA, für Erwachsene bei 100 Prozent und für Schwangere oder Stillende bei 150 bis 200 Prozent für Stoffe wie Folsäure und Eisen.
Zudem verbessern Mahlzeiten bei der Einnahme von Multivitaminen die Absorption. Gleichzeitig können Überdosierungen jedoch Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Müdigkeit nach sich ziehen, weshalb Experten vor einer unbedachten Einnahme zu einer vorherigen ärztlichen Beratung raten, um Toxizitäten zu vermeiden.
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Datenlage zu Vitamin D und Wechselwirkungen weiterer Substanzen
Auch bei anderen Nährstoffen bestehen teils unklare Versorgungsverhältnisse. Daten der Nationalen Verzehrsstudie 2008 belegen, dass 0 Prozent der Erwachsenen die DGE-Empfehlung von 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag über die Ernährung erreichen, was einem durchschnittlichen Defizit von 19,2 Mikrogramm pro Tag entspricht. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen demgegenüber, dass 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gut mit Vitamin D versorgt sind.
Die DGE legte ihren Referenzwert für Vitamin D bei fehlender körpereigener Bildung auf 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationale Einheiten (I.E.) pro Tag fest, wobei ein Mangel als Serumkonzentration unter 30 Nanomol pro Liter definiert wird. Das BfR empfiehlt für die maximale Zufuhr von Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel ebenfalls 20 Mikrogramm (800 I.E.) pro Tag.
Überdies erfordert die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel besondere Vorsicht. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnt vor einer Supplementierung bei einer Schilddrüsenunterfunktion, da Inhaltsstoffe wie Silychristin aus der Mariendistel Transporter für Schilddrüsenhormone hemmen können.
Die allgemeine Studienlage zeigt ferner gemischte Effekte verschiedener Einzelstoffe: Während Vitamin C die Dauer von Erkältungen bei Erwachsenen um 8 Prozent und bei Kindern um 14 Prozent verkürzen kann, sind Calcium-Präparate bei einer Zufuhr von über 1.000 Milligramm pro Tag statistisch mit einem erhöhten Risiko für Krebssterblichkeit assoziiert.
Stark überdosiertes Biotin – bis hin zur 650-fachen Tagesdosis – kann darüber hinaus wichtige diagnostische Laborwerte wie die Troponin-Messung verfälschen.
