Schweiz sperrt Spoofing-Anrufe ab Juli: Neue Abwehr gegen Enkeltrick
Veröffentlicht: 02.07.2026 um 15:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Voice-Cloning macht Schockanrufe perfider
Kriminelle Netzwerke setzen verstĂ€rkt auf technologische Hilfsmittel, um klassische Betrugsmaschen wie den Enkeltrick oder Schockanrufe glaubwĂŒrdiger zu gestalten. Durch Voice-Cloning ist es möglich, die Stimmen von Angehörigen tĂ€uschend echt nachzuahmen.
Ein dokumentierter Fall betrifft eine Mutter, die einen Anruf mit der geklonten Stimme ihres Sohnes erhielt. Der Anrufer gab vor, in einen schweren Unfall verwickelt zu sein.
Die Skalierung dieser Angriffe wird durch KI-Modelle wie ChatGPT oder Gemini ermöglicht. In Myanmar nutzten Akteure solche Technologien, um monatlich bis zu 50.000 potenzielle Opfer zu kontaktieren. Dabei griffen die TĂ€ter auf Starlink-Verbindungen zurĂŒck, um ihre AktivitĂ€ten technologisch abzusichern.
Branchenanalysten zufolge stiegen die FĂ€lle von Deepfake-Betrug in den vergangenen drei Jahren um ĂŒber 2.000 Prozent. Besonders betroffen sind derzeit Deutschland, die Schweiz und die USA. Die Dunkelziffer bleibt laut Experten weiterhin hoch.
Jeder zehnte BĂŒrger bereits Opfer
Der Cybersicherheitsmonitor 2026 des Bundesamtes fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verdeutlicht das AusmaĂ der Bedrohung in Deutschland. Demnach ist mittlerweile jeder zehnte BĂŒrger Opfer von CyberkriminalitĂ€t geworden.
Eine Umfrage des Zahlungsdienstleisters Adyen ergÀnzt dieses Bild: Jeder vierte Befragte war bereits von Zahlungsbetrug beim Online-Shopping betroffen. Der durchschnittliche Schaden pro Vorfall lag bei 395 Euro.
International summieren sich die SchĂ€den auf MilliardenbetrĂ€ge. FĂŒr das Jahr 2025 wurden die Verluste durch Betrug in den USA auf rund 68 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Das entspricht einer tĂ€glichen Schadenssumme von etwa 186 Millionen Euro.
KI-Stimmenklone machen den Enkeltrick perfider â jeder zehnte BĂŒrger ist bereits Opfer von CyberkriminalitĂ€t. Mit der neuen Spoofing-Kennzeichnung in der Schweiz und einfachen Familien-Regeln können Sie sich schĂŒtzen. Jetzt kostenlose Schutz-Anleitung anfordern
Auch Unternehmen stehen im Fokus: Der sogenannte CEO-Fraud, bei dem IdentitĂ€ten von FĂŒhrungskrĂ€ften vorgetĂ€uscht werden, verursachte im selben Jahr Verluste in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Knapp 59 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, bereits mit KI-basiertem Social Engineering konfrontiert worden zu sein.
Polizei gelingen trotzdem Festnahmen
Trotz der technologischen AufrĂŒstung gelingen den Behörden regelmĂ€Ăig Festnahmen. In MĂŒnchen-Neuhausen erkannte eine ĂŒber 80-jĂ€hrige Frau Ende Juni einen versuchten Schockanruf. Die TĂ€ter forderten eine Kaution fĂŒr einen angeblich tödlichen Unfall.
Durch ihre Kooperation mit der Polizei konnte ein 48-jĂ€hriger TatverdĂ€chtiger bei der geplanten GeldĂŒbergabe festgenommen werden.
Ăhnliche Wellen von Betrugsversuchen meldete die Polizei in Neubrandenburg und im Kreis Warendorf. Hier traten die TĂ€ter unter verschiedenen IdentitĂ€ten auf â als Polizisten, Bankmitarbeiter oder Verwandte. Die Behörden raten in solchen FĂ€llen dringend dazu, sofort aufzulegen und die Polizei ĂŒber den offiziellen Notruf 110 selbst zu kontaktieren.
Schweiz fĂŒhrt Spoofing-Kennzeichnung ein
Um der Flut an manipulierten Anrufen entgegenzuwirken, werden vermehrt technische SchutzmaĂnahmen implementiert. In der Schweiz wird Anfang Juli 2026 eine Kennzeichnung fĂŒr Spoofing-Anrufe eingefĂŒhrt. Sie soll den EmpfĂ€ngern signalisieren, wenn eine Telefonnummer manipuliert wurde.
Schockanrufe mit geklonten Stimmen nehmen rasant zu â allein in den USA entstand 2025 ein Schaden von 68 Milliarden Euro. SchĂŒtzen Sie sich mit einer Codewort-Vereinbarung und unserer Notfall-Checkliste. Sofort-Schutz jetzt kostenlos sichern
ZusÀtzlich zu technischen Lösungen empfehlen Sicherheitsexperten prÀventive Absprachen innerhalb der Familie. Dazu gehören etwa die Vereinbarung von Codewörtern oder Passworten, um die IdentitÀt des Anrufers in Notsituationen zweifelsfrei verifizieren zu können.
Die Bundesnetzagentur hat bereits reagiert und im vergangenen Jahr rund 8.000 Telefonnummern abgeschaltet, die nachweislich fĂŒr Betrugszwecke genutzt wurden. Darunter waren 6.000 Nummern im Zusammenhang mit Enkeltrick-Versuchen.
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