SCRATCH-HTN-Studie: Ohrstimulation senkt Blutdruck nicht stÀrker als Scheintherapie
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deNicht-invasive Methoden zur Regulierung des Blutdrucks rĂŒcken zunehmend in das Blickfeld der kardiologischen Forschung. Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses steht dabei auch die transkutane autonome Neuromodulation (tAN), eine Form der gezielten Ohrakupressur mittels elektrischer Impulse.
Eine am 24. Oktober 2026 im Fachjournal Hypertension der American Heart Association veröffentlichte Untersuchung, die sogenannte SCRATCH-HTN-Studie (DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.126.27847, Registrierungsnummer: NCT05179343), liefert nun differenzierte Daten zur klinischen Wirksamkeit dieses Ansatzes bei unkontrollierter Hypertonie.
Studiendesign und Funktionsweise der Heimtherapie
Die von der Queen Mary University of London durchgefĂŒhrte und vom britischen National Institute for Health and Care Research (NIHR) finanzierte Untersuchung stand unter der Leitung von Ajay Gupta von der Queen Mary University of London und dem Barts Hospital.
An der klinischen PrĂŒfung nahmen 63 Patienten mit unkontrollierter Hypertonie teil, deren ambulante Tageswerte trotz der Einnahme von mindestens einem Medikament bei mindestens 135/85 mm Hg lagen.
Im Durchschnitt wiesen die Probanden â davon 71 Prozent MĂ€nner bei einem Altersdurchschnitt von 47 Jahren â einen Ausgangsblutdruck von 150/95 mm Hg auf und nahmen im Mittel zwei Blutdruckmedikamente ein.
Die Einteilung erfolgte im VerhĂ€ltnis 2:1: 41 Teilnehmende erhielten ein aktives StimulationsgerĂ€t, wĂ€hrend 22 Probanden einer Scheinbehandlung (Sham) zugeteilt wurden. Das eingesetzte System von Afferent Medical Solutions sendet schwache elektrische Impulse ĂŒber zwei am Tragus des Ohrs angebrachte Clips aus und ist fĂŒr die Heimanwendung ohne operativen Eingriff konzipiert. Das vorgesehene Anwendungsschema umfasste zunĂ€chst eine tĂ€gliche Nutzungsdauer von 30 Minuten ĂŒber einen Zeitraum von zwei Wochen, gefolgt von einer wöchentlichen Anwendung ĂŒber weitere zehn Wochen, was einer Gesamtdauer von zwölf Wochen entsprach.
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Fehlende Signifikanz beim PrimÀrziel
Beim primĂ€ren Endpunkt der Studie â der VerĂ€nderung des ambulanten systolischen Blutdrucks am Tag nach drei Monaten â zeigte sich kein statistisch signifikanter Vorteil der aktiven Stimulation gegenĂŒber der Kontrollgruppe. WĂ€hrend der Wert in der Interventionsgruppe um 3,15 mm Hg sank, betrug der RĂŒckgang in der Sham-Gruppe 5,50 mm Hg.
Auch bei den erfassten SekundÀrzielen stellte das Forschungsteam der Queen Mary University of London keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen fest. Dies betraf unter anderem Parameter wie die Herzfrequenz und die gesundheitsbezogene LebensqualitÀt der Probanden.
Eine vorab geplante Subgruppenanalyse wies jedoch darauf hin, dass Patienten mit einem besonders hohen Ausgangswert von mindestens 160 mm Hg systolisch unter der aktiven Neurostimulation eine stĂ€rkere Blutdrucksenkung erfuhren als unter der Scheinbehandlung. Dieser Effekt bedarf jedoch der ĂberprĂŒfung in gröĂeren Erhebungen.
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Sicherheitsprofil und medizinische Einordnung
Hinsichtlich der Sicherheit erwies sich das Verfahren im Studienverlauf als gut vertrÀglich. Schwere Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem GerÀt traten laut Studienbericht nicht auf. Auch die Therapietreue der Probanden lag mit einem Median von 100 Prozent der geplanten Tage auf einem sehr hohen Niveau.
Gleichzeitig verweist die Queen Mary University of London darauf, dass die Untersuchung keine Aussagen zu harten klinischen Endpunkten wie dem Risiko fĂŒr SchlaganfĂ€lle oder Herzinfarkte erlaubt. Die transkutane Neuromodulation am Ohr bleibe ein experimentelles Verfahren und stelle keinen Ersatz fĂŒr etablierte Blutdruckmedikamente dar.
KĂŒnftige, umfangreichere klinische Studien seien erforderlich, um die Eignung der Methode, die tatsĂ€chliche EffektgröĂe sowie die langfristige Dauer einer potenziellen Wirkung genauer zu bestimmen.
