Secondhand-Boom: Deutschlands Markt erreicht 6,8 Milliarden Euro
31.05.2026 - 06:30:21 | boerse-global.deWas einst als Nischenthema von Umweltaktivisten galt, ist längst zum wirtschaftlichen Schwerpunkt geworden. Der deutsche Secondhand-Markt erreichte 2025 einen Umsatz von rund 6,8 Milliarden Euro – und das Wachstum soll weitergehen.
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Vor allem Junge kaufen gebraucht
Global betrachtet könnte der Markt für Secondhand-Kleidung bis 2030 auf umgerechnet 360 Milliarden Dollar anwachsen. Besonders auffällig: Rund 65 Prozent der 18- bis 29-Jährigen kaufen inzwischen regelmäßig gebrauchte Kleidung. Plattformen wie Vinted, Sellpy und Momox haben den Handel digitalisiert und enorm vereinfacht.
Doch der Boom hat auch Schattenseiten. Verbraucherschützer warnen vor Betrugsrisiken auf den Online-Marktplätzen. Zudem sorgt die Übernahme der nachhaltigen Marke Everlane durch den Fast-Fashion-Riesen Shein für Stirnrunzeln. Branchenbeobachter vermuten dahinter den Versuch, das eigene Image aufzupolieren – ohne das Geschäftsmodell wirklich zu ändern.
Politik zieht nach: Milliarden für die Kreislaufwirtschaft
Die Bundesregierung treibt das Thema mit Nachdruck voran. Ein Entwurf des Kreislaufwirtschafts-Aktionsprogramms vom 21. Mai 2026 definiert zwölf Schwerpunktbereiche. Ziel: Ressourcensouveränität und industrielle Entwicklung. Ein Kabinettsbeschluss ist für den 3. Juni 2026 geplant.
Die finanziellen Mittel sind beträchtlich: 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sind bereits eingeplant, weitere 305 Millionen Euro sollen zwischen 2027 und 2030 folgen. Konkret will die Regierung bis 2030 25 Prozent der kritischen Rohstoffe recyceln.
Vom Domplatz bis zum Supermarkt: Projekte vor Ort
In Münster wird die „kreisl Kiste" auf dem Domplatz zum Treffpunkt für eine Aktionswoche zur Kreislaufwirtschaft. Vom 29. Juni bis 3. Juli 2026 dreht sich dort alles um Abfallvermeidung, Recycling und nachhaltige Mobilität.
In Wien lädt der Mila Mitmach-Supermarkt in Meidling regelmäßig zum Tauschen ein. Der nächste Termin: 12. Juni 2026. Bürger können dort Haushaltsgegenstände ohne Geldwechsel weitergeben. Unterstützt wird das Projekt vom Wiener Klima-Team. Weitere Termine sind bis Oktober geplant.
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Upcycling und soziale Konzepte
In St. Michaelisdonn eröffnete das ehemalige Sozialkaufhaus als „SH Kaufhaus" neu – mit einem Tag der offenen Tür am 30. Mai 2026. Das Projekt, gefördert durch Landes- und EU-Mittel, verkauft gebrauchte Möbel und Kleidung und dient zugleich als außerschulischer Lernort.
Bildungseinrichtungen integrieren das Thema zunehmend in ihre Arbeit. In Bochum bereiteten Schüler kürzlich in Workshops Mahlzeiten aus geretteten Lebensmitteln zu. Die Volkshochschule Rheine bietet am 11. und 18. Juni 2026 Workshops an, in denen aus Altkleidern skulpturale Mode entsteht. Eine Ausstellung folgt am 19. Juni.
Hürden: Müllcontainer und Rebound-Effekt
Nicht überall läuft der Wandel reibungslos. In Müllheim mussten Altkleidercontainer wegen extremer Vermüllung abgebaut werden. Das Rote Kreuz sucht nun nach alternativen Lösungen für Spenden.
Experten warnen zudem vor dem Rebound-Effekt: Günstige Secondhand-Ware könnte den Gesamtkonsum sogar ankurbeln, statt ihn zu senken. Auch Greenwashing bleibt ein Risiko, wenn große Modeketten Nachhaltigkeit nur als Marketinginstrument nutzen, ohne ihre Produktionsweise grundlegend zu ändern.
Dennoch: Der Druck aus der Politik und die hohe Nachfrage vor allem junger Konsumenten treiben die Branche zu längeren Produktlebenszyklen und besseren Recyclingprozessen. Der Wandel ist in vollem Gange.
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