Secondhand-Boom: Umsatz springt auf 10,5 Milliarden Euro
Veröffentlicht: 19.06.2026 um 09:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Wirtschaftliche Unsicherheiten und gestiegene Lebenshaltungskosten zwingen private Haushalte zu einer radikalen Neuausrichtung ihrer Ausgaben. Aktuelle Umfragen zeigen: Konsum wird zunehmend durch Preisvergleiche und Verzicht gesteuert.
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Rotstift bei Kleidung und Gastronomie
Eine reprÀsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar vom heutigen Freitag im Auftrag von Idealo zeigt, wo Verbraucher den Rotstift ansetzen. 52 Prozent der Befragten zwischen 18 und 64 Jahren sparen bei Kleidung und Accessoires. Genauso viele reduzieren ihre Ausgaben in der Gastronomie.
Auch das Freizeitverhalten bleibt nicht verschont. 46 Prozent der Teilnehmer geben weniger Geld fĂŒr Kinobesuche aus, 45 Prozent kĂŒrzen bei Konzerten, Festivals oder Clubbesuchen. Weitere Einsparungen betreffen Hobbys (42 Prozent), Elektronik (41 Prozent) und den Wohnbereich (36 Prozent).
Wohin flieĂt das gesparte Geld? Vorrangig in RĂŒcklagen oder die Urlaubsplanung (je 41 Prozent) sowie in die Altersvorsorge (37 Prozent).
Preisbewusstsein wird zum Dauerzustand
Die Tendenz zum preisoptimierten Einkauf hat sich verfestigt. Eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) vom April 2026 zeigte: Bis zu 74 Prozent der Kaufentscheidungen werden maĂgeblich von Rabatten beeinflusst. Das passt zu einer weiteren Kantar-Umfrage, nach der 81 Prozent der Menschen verstĂ€rkt auf ihre Ausgaben achten. 44 Prozent haben ihren Konsum insgesamt eingeschrĂ€nkt.
Die Strategien sind vielfĂ€ltig: Der Preisvergleich steht mit 62 Prozent an erster Stelle, gefolgt von der gezielten Suche nach Sonderangeboten (56 Prozent) und der Nutzung von Rabattcoupons (48 Prozent). Eigenmarken des Handels gewinnen an Bedeutung â 44 Prozent bevorzugen sie gegenĂŒber Markenprodukten.
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Ein deutlicher Trend zeigt sich zudem im Gebrauchtwarenmarkt: Der Umsatz mit Secondhand-GĂŒtern stieg 2025 auf 10,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 84 Prozent gegenĂŒber 2019.
Einzelhandel unter Druck
Der stationĂ€re Einzelhandel leidet massiv unter dieser Entwicklung. Die Preise fĂŒr Nahrungsmittel sind seit 2020 um 37 Prozent gestiegen â das schmĂ€lert den finanziellen Spielraum fĂŒr andere KĂ€ufe. Laut Berechnungen von IW Consult und dem Handelsverband Deutschland (HDE) entziehen asiatische Online-Plattformen wie Temu und Shein dem hiesigen Einzelhandel jĂ€hrlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz.
Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe ist angespannt. Laut einer Analyse des Ifo-Instituts sieht jeder sechste EinzelhĂ€ndler seine Existenz bedroht. Daten von Allianz Trade untermauern dies: Sie verzeichnen ein Zehn-Jahres-Hoch bei Firmeninsolvenzen. Zwar zeigt die allgemeine Konsumstimmung laut HDE und NĂŒrnberg Institut fĂŒr Marktentscheidungen eine leichte Verbesserung, doch bewerten weiterhin 64 Prozent der Befragten die allgemeine Wirtschaftslage als negativ.
Konjunktur lahmt â Inflation bleibt Risiko
Die gesamtwirtschaftliche Erholung verlĂ€uft schleppend. Die Bundesbank prognostizierte in ihrem Monatsbericht vom Juni 2026 fĂŒr das zweite Quartal eine Stagnation des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im ersten Quartal war noch ein leichtes Plus von 0,3 Prozent verzeichnet worden. FĂŒr das dritte Quartal wird lediglich ein marginales Wachstum von 0,1 Prozent erwartet.
Belastend wirken zudem geopolitische Spannungen wie der Iran-Konflikt. Das Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung senkte seine Wachstumsprognose fĂŒr 2026 auf 0,6 Prozent.
Ein wesentlicher Faktor bleibt die Inflation. Die Teuerungsrate lag im Mai bei 2,7 Prozent. Die Bundesbank rechnet jedoch mit einem erneuten Anstieg auf ĂŒber 3 Prozent â unter anderem bedingt durch das Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni.
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