Senioren-Digitalisierung, Bankfilialen-Sterben

Senioren-Digitalisierung: Bankfilialen-Sterben um 18 Prozent verschärft Kluft

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 07:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehrere Städte starten Beratungsprogramme, um Senioren den digitalen Zugang zu erleichtern. Bankfilialrückgang und Umfragen zeigen wachsenden Bedarf.

Digitale Seniorenhilfe: Neue Projekte gegen Altersdiskriminierung gestartet
Ein Freiwilliger erklärt einem Senior die Tablet-Bedienung in heller, freundlicher Wohnung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Mehrere regionale Initiativen starten neue Beratungsprogramme, um älteren Menschen den Zugang zur digitalen Welt zu erleichtern. Am 5. August 2026 fielen in Saarland, Bad Säckingen und Baunatal die Startschüsse für spezialisierte Angebote, die Senioren bei Online-Anträgen und digitaler Hardware unterstützen sollen.

„Digitale Engel" und „Digitallotsen" im Einsatz

Im Saarland hat das Projekt „Digitale Engel" seine Arbeit aufgenommen. Es richtet sich gezielt an Menschen, die Unterstützung bei Online-Anträgen benötigen. Die genauen Standorte und Termine werden derzeit noch finalisiert – das Ziel ist klar: Die Hemmschwelle für digitale Teilhabe im Alter soll deutlich sinken.

Parallel dazu hat der Seniorenbeirat in Bad Säckingen das Projekt „Digitallotsen" ins Leben gerufen. Ehrenamtliche Helfer besuchen Senioren zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen und unterstützen sie direkt bei der Bedienung digitaler Geräte. Das Angebot steht aktuell an drei Tagen pro Woche zur Verfügung. Geplant ist zudem, künftig Leihgeräte für Senioren mit begrenzten finanziellen Mitteln bereitzustellen. Das Projekt nimmt außerdem am Wettbewerb um den Crescere Futurumpreis teil – die Online-Abstimmung läuft vom 7. September bis 9. Oktober 2026.

Kampagne gegen digitale Ausgrenzung in Baunatal

In Baunatal hat die Senioren-Arbeitsgemeinschaft die Kampagne „Senioren-ABC gegen Altersdiskriminierung" gestartet. Unter dem Motto „Das kann ich, aber Oma Elli aus Baunatal nicht" macht sich die Initiative für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters stark.

Uta Lewien-Schmidt, Sprecherin des Vorstands, betont: Viele ältere Bürger fühlen sich von der rasanten Digitalisierung abgehängt. Besonders deutlich werde das im Bankensektor, wo der Rückbau traditioneller Angebote wie Kontoauszugsdrucker erhebliche Hürden schaffe. Um die Zielgruppe und ihre Angehörigen zu erreichen, setzt die Kampagne auf soziale Medien wie Instagram und Facebook.

Filialsterben verschärft das Problem

Der Vorstoß für lokale digitale Unterstützung kommt nicht von ungefähr: Die Zahl der Bankfilialen in Deutschland ist zwischen Ende 2022 und Ende 2025 um 18 Prozent von 20.446 auf 16.799 Standorte gesunken. Für viele Senioren bedeutet das: Der persönliche Ansprechpartner vor Ort verschwindet, digitale Alternativen bleiben jedoch ungenutzt.

Eine Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2025 zeigt eine wachsende digitale Kluft innerhalb der älteren Generation. Während 83 Prozent der 65- bis 74-Jährigen Online-Banking nutzen, sind es bei den über 75-Jährigen nur 43 Prozent. Von den Über-65-Jährigen, die keine Online-Banking-Dienste nutzen, gaben 52 Prozent an, dies auch künftig nicht tun zu wollen. Immerhin 24 Prozent planen den Einstieg. Carolin Favretto, Vorstandsmitglied einer Seniorenorganisation, fordert deshalb gezielte Schulungsangebote und den verstärkten Einsatz von Bankvollmachten, um den Übergang zu erleichtern.

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Wissenschaftliche Erkenntnisse und kommunale Lösungen

Die Bedeutung digitaler Werkzeuge für Selbstständigkeit und Gesundheit im Alter unterstreicht die SIM-Studie (2021/2024): Demnach nutzen inzwischen 59 Prozent der über 80-Jährigen ein Smartphone. Doch Prof. Dr. Michael Doh, Gerontologe an der Katholischen Hochschule Freiburg, weist auf ein Problem hin: 25 Prozent der über 60-Jährigen haben niemanden in ihrem persönlichen Umfeld, der ihnen bei Technikfragen helfen kann. Dabei können digitale Erlebnisse – etwa virtuelle Reisen mit Google Earth oder Musik auf YouTube – gerade für Menschen mit Demenz wertvoll sein, indem sie Erinnerungen wecken.

Andere Städte erweitern ihre Angebote ebenfalls:

  • Wiesbaden: Ab dem 13. August 2026 bietet die Ausstellung „Belle Wi" jeden zweiten Donnerstag im Monat kostenlose Beratungen an. Digitallotsen helfen bei Smartphones, Tablets, Laptops und sozialen Medien.
  • Saarbrücken: Das Sozialamt hat einen Videosprechstunden-Service für Erstanträge auf Grundsicherung eingeführt. Die Behörde betreut rund 7.800 Haushalte und verzeichnet monatlich etwa 140 Neuanträge.
  • Wien: Bereits im Frühsommer veranstalteten der Seniorenverband Österreichs und das Bundeskanzleramt Aktionstage zur digitalen Identität „ID Austria". Die Termine am 11., 18. und 25. Juni 2026 waren restlos ausgebucht – ein deutliches Zeichen für den hohen Bedarf an Unterstützung bei behördlichen Online-Diensten.
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Organisationen wie der Digital-Kompass und der Verein „Wege aus der Einsamkeit" bieten darüber hinaus fortlaufende Unterstützung für alle, die den Schritt in die digitale Welt wagen möchten.

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