Senioren-PrÀvention: 40% aller KrebsfÀlle wÀren vermeidbar
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 13:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer gemeinsamen Stellungnahme anlĂ€sslich eines parlamentarischen Abends am 8. September 2026 in Berlin haben die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Wissenschaftsrat, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebshilfe eine ressortĂŒbergreifende PrĂ€ventionsstrategie gefordert.
Die Organisationen begrĂŒnden diesen VorstoĂ mit der demografischen Entwicklung, einer zunehmenden Belastung des Gesundheitssystems sowie der wissenschaftlich belegten Wirksamkeit prĂ€ventiver MaĂnahmen.
Strategische Verankerung der Gesundheitsvorsorge
Die Forderungen der Wissenschaftsorganisationen zielen auf eine dauerhafte Etablierung der PrĂ€vention in sĂ€mtlichen Politikfeldern ab. Neben der Schaffung gesunder Lebenswelten und der StĂ€rkung der individuellen Gesundheitskompetenz plĂ€dieren die Unterzeichner fĂŒr eine stĂ€rker vernetzte Forschung.
Der Chef des DKFZ, Michael Baumann, verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass nach aktuellem Kenntnisstand rund 40 % aller Krebsneuerkrankungen durch gezielte PrÀvention vermeidbar wÀren.
Auch das Robert Koch-Institut (RKI) unterstreicht die Notwendigkeit verbesserter Rahmenbedingungen. In einer Erhebung, die den Zeitraum vom FrĂŒhjahr 2021 bis zum FrĂŒhjahr 2023 umfasst, stellten Forscher fest, dass sich 78 % der ĂŒber 65-jĂ€hrigen Befragten in Deutschland zu wenig bewegen.
Zudem ernĂ€hren sich demnach 72 % dieser Altersgruppe unzureichend von Obst und GemĂŒse. Die Analyse der Risikofaktoren ergab, dass 83 % der ĂŒber 65-JĂ€hrigen mindestens zwei gesundheitliche Risikofaktoren aufweisen, wĂ€hrend lediglich 2 % völlig ohne Risikofaktor leben. Das RKI fordert vor diesem Hintergrund den Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten.
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Finanzielle und strukturelle Herausforderungen
Trotz der Evidenz fĂŒr prĂ€ventive MaĂnahmen stehen der Umsetzung oft strukturelle Hindernisse entgegen. Eine Studie des PKV-Verbands und der TU Dresden zu kommunalen Angeboten fĂŒr Ă€ltere Menschen zeigt auf, dass erfolgreiche Projekte hĂ€ufig an unklaren ZustĂ€ndigkeiten und begrenzten finanziellen Mitteln scheitern.
Parallel dazu verschĂ€rft sich die Debatte um die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Chef der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, forderte angesichts eines erwarteten GKV-Defizits von ĂŒber 10 Milliarden Euro im Jahr 2026 die Streichung freiwilliger Satzungsleistungen wie Gesundheitskurse oder Fitnesstracker. Dies könne ein Einsparvolumen von knapp 1 Milliarde Euro jĂ€hrlich generieren. Dem widersprach Ates GĂŒrpinar (Die Linke) mit dem Hinweis, dass die Wirksamkeit das entscheidende Kriterium fĂŒr Leistungen bleiben mĂŒsse.
Die wirtschaftliche Lage der Pflegekassen wird ebenfalls kritisch bewertet. Die VorstĂ€ndin der SBK, Gertrud Demmler, forderte nach der Sommerpause zĂŒgige Entscheidungen zur PrimĂ€r- und Notfallversorgung. Laut SBK schulde der Bund der Pflegekasse rund 5 Milliarden Euro fĂŒr pandemiebedingte Ausgaben sowie 5,3 Milliarden Euro fĂŒr RentenbeitrĂ€ge pflegender Angehöriger.
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PrÀvention als Instrument der Krisenintervention
Neben der körperlichen Gesundheit rĂŒckt die psychische Verfassung Ă€lterer Menschen in den Fokus. Die PrĂ€sidentin des Pensionistenverbandes Ăsterreichs (PVĂ), Birgit Gerstorfer, forderte anlĂ€sslich des Welttags der SuizidprĂ€vention am 10. September verstĂ€rkte niederschwellige Hilfsangebote.
Daten des PVĂ zeigen fĂŒr das Jahr 2024 insgesamt 1.219 Suizide in Ăsterreich auf, wobei das Risiko bei den 75- bis 79-JĂ€hrigen doppelt so hoch liegt wie im Bevölkerungsdurchschnitt; ab 85 Jahren steigt es auf das FĂŒnffache.
Auch im Bereich der stationĂ€ren Pflege werden Reformen angemahnt. Die saarlĂ€ndische MinisterprĂ€sidentin Anke Rehlinger forderte eine Deckelung der Eigenanteile auf 1.500 Euro pro Monat. Laut Verband der Ersatzkassen lag der durchschnittliche Eigenanteil im ersten Heimjahr zum 1. Juli bundesweit bei 3.364 Euro pro Monat, was einem Anstieg von 256 Euro gegenĂŒber dem Vorjahresmonat entspricht.
Ein weiterer Austausch ĂŒber die Potenziale der PrĂ€vention ist fĂŒr den 16. September 2026 im Rahmen einer Diskussionsrunde des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) geplant. Unter dem Titel âPrĂ€vention als Chance fĂŒr unser Gesundheitssystemâ werden Vertreter aus Politik, Krankenkassen und der Apothekerschaft ĂŒber die kĂŒnftige Ausrichtung der Vorsorge beraten.
