Sensing Art in Mailand: Smart-Brillen beschreiben acht Gemälde akustisch
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Mailänder Pinacoteca di Brera hat die Initiative „Sensing Art – Capolavori oltre lo sguardo“ gestartet, bei der Besucher ausgewählte Kunstwerke mithilfe von Smart-Brillen akustisch erfahren können. Der Impuls für das Vorhaben geht auf einen privaten Besuch von Meta-Gründer und Konzernchef Mark Zuckerberg in dem Museum vor rund acht Monaten zurück.
Das Vorhaben wurde gemeinsam von Meta und EssilorLuxottica umgesetzt, in enger Kooperation mit der Associazione Nazionale Subvedenti (ANS), der Unione Italiana dei Ciechi e degli Ipovedenti (UICI) sowie der Fondazione Istituto dei Ciechi di Milano.
Akustische Kunsterfassung für acht Meisterwerke
Zum Auftakt stehen in dem Museum an der Via Brera 28 rund zehn vernetzte Brillen zur Verfügung, die sich auch für Gruppen eignen. Interessierte können die Geräte von Dienstag bis Freitag zwischen 10.00 und 16.30 Uhr nach vorheriger E-Mail-Reservierung kostenfrei am Informationspunkt ausleihen.
Das System deckt acht zentrale Gemälde der Sammlung ab: Mantegnas „Cristo morto“, Tintorettos „Ritrovamento del corpo di San Marco“, Piero della Francescas „Madonna col bambino“, Raffaels „Sposalizio della Vergine“, Caravaggios „Cena in Emmaus“, Annibale Carraccis „Cristo e la samaritana“, Cerutis „Portarolo seduto“ sowie „Il bacio“ von Hayez.
Zu jedem Werk sind drei Vertiefungsebenen abrufbar: eine morphologische Bildbeschreibung, eine historisch-künstlerische Einordnung und biografische Angaben zu den Kunstschaffenden. Die Vermittlung folgt den Vorgaben der DescriVedendo-Methode.
Technische Ausstattung und Barrierefreiheit
Die Audioinhalte werden über Bügellautsprecher im Open-Ear-Format übertragen, sodass Umgebungsgeräusche wahrnehmbar bleiben. Die Brille erfasst die Bilder über die Blickrichtung des Nutzers und liefert ergänzend kurze Hinweise zur räumlichen Orientierung in den Museumsräumen.
Während die integrierte Meta-KI als Raumführer dient und Fragen zur Umgebung beantwortet, beschreibt sie die Kunstwerke nicht eigenständig. Ergänzend ermöglicht die Funktion „Be My Eyes“ eine Live-Schaltung zu menschlichen Ansprechpartnern und sehenden Freiwilligen, die bei Bedarf Hilfestellung leisten.
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Nach Angaben von Maxine Williams, Vice President Accessibility bei Meta, sei die Technologie kein reines Spielzeug, sondern ein Hilfsmittel für mehr Eigenständigkeit. Menschen mit Behinderungen nutzten KI-Funktionen in solchen Brillen deutlich intensiver als Personen ohne Beeinträchtigung. Zwar seien Akkulaufzeit, Latenz und Präzision weiterentwickelt worden, aber noch nicht fehlerfrei.
Eine LED-Anzeige signalisiere aktive Aufnahmen; wird das Licht verdeckt, schaltet sich die Funktion ab. Davide Schinetti, COO und Group R&D Officer bei EssilorLuxottica, hob hervor, dass moderne Brillen inzwischen die Autonomie sehbeeinträchtigter Menschen stärken und über reine Sehkorrekturen hinausgehen.
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Zum Start äußerten sich zudem Mailands Museumsdirektor Angelo Crespi, Luca Colombo von Meta sowie Mario Barbuto für die UICI. Italiens Ministerin für Behinderungen, Alessandra Locatelli, begrüßte das Projekt in einer Videobotschaft als Vorbild für künftige Vorhaben.
Hintergrund und internationale Einsätze
Nach Erhebungen der ANS leben in Italien mehr als eine Million Menschen mit Sehbehinderungen, mit steigender Tendenz infolge der demografischen Alterung. Einem Bericht des italienischen Gesundheitsministeriums auf Basis von Daten der Statistikbehörde ISTAT zufolge weisen 18,6 Prozent der italienischen Bevölkerung moderate oder schwere Sehbeeinträchtigungen auf.
Der Einsatz gilt als eine der ersten Museumserprobungen dieser Art weltweit und als der erste Einsatz von Meta-KI-Brillen in einem öffentlichen Museum. Zuvor setzte das Smithsonian im Jahr 2019 das System Aira ein. Im Juli 2026 stattete das National WWII Museum in New Orleans rund 20 blinde Veteranen mit Ray-Ban-Meta-Brillen aus, bevor Meta im August 2026 insgesamt 15.000 Einheiten an die Organisation Vision Ireland übergab.
