Sensorik-Debatte: Waymo hat 354 Mio. km, Tesla nur 612.000 km
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Co-CEO von Waymo, Dmitri Dolgov, hat Mitte August im Rahmen der Y Combinator Startup School 2026 deutliche Kritik an der technologischen Strategie des Konkurrenten Tesla geäußert.
Dolgov bezeichnete den Ansatz, ausschließlich auf Kameras zu setzen, als eine Form der schwachen Sensorik, die eine niedrigere Leistungsgrenze aufweise als Systeme mit kombinierter Sensortechnologie. Damit verschärft sich die Debatte um den sichersten Weg zur vollautonomen Mobilität.
Die Debatte um die Sensorfusion
Laut Dolgov ist ein autonomes Fahrzeug zwingend auf ein Zusammenspiel aus Kameras, Radarsensoren und LiDAR angewiesen, um ein Sicherheitsniveau zu erreichen, das die Fähigkeiten eines menschlichen Fahrers übertrifft. Er argumentierte, dass Waymo durch den Einsatz dieser drei Sensortypen eine überlegene Wahrnehmung der Umgebung erziele.
Die zunehmende Schwierigkeit, die Zuverlässigkeit solcher Systeme weiter zu steigern, beschrieb der Waymo-Chef anhand einer exponentiellen Treppe, bei der jeder weitere Schritt nach oben deutlich komplexere technologische Anforderungen stelle.
Im Gegensatz dazu verfolgt Tesla unter der Leitung von Elon Musk eine reine Kamera-Strategie. Die Führung des Elektroautoherstellers vertritt den Standpunkt, dass das vorhandene Straßensystem primär für die visuelle Wahrnehmung ausgelegt sei und daher keine zusätzlichen Sensoren wie LiDAR benötige. Tesla setzt bei seiner Software Full Self-Driving (FSD) in der Version V12 auf eine sogenannte End-to-End-Architektur.
Kilometerleistung und Hardware-Herausforderungen
Die unterschiedlichen Ansätze spiegeln sich auch in den bisherigen Leistungsdaten der unbemannten Flotten wider. Den vorliegenden Daten zufolge hat Waymo bereits über 354 Millionen Kilometer im unbemannten Fahrbetrieb absolviert. Tesla kommt in diesem Bereich auf eine Distanz von rund 612.000 Kilometern.
Trotz der geringeren Kilometerleistung im vollautonomen Betrieb spielt das autonome Fahren eine zentrale Rolle für die Bewertung von Tesla. Adam Jonas, Analyst bei Morgan Stanley, gewichtet das Robotaxi-Geschäft mit einem Anteil von 41 % an der Gesamtbewertung des Unternehmens. Das Kerngeschäft mit Automobilen und Energie macht demnach 34 % aus, während der Bereich Optimus mit 25 % veranschlagt wird.
Allerdings steht Tesla vor logistischen Hürden bei der Bestandsflotte. Das Unternehmen muss Schätzungen zufolge die Hardware 3 in etwa 4 Millionen Fahrzeugen ersetzen oder die betroffenen Besitzer entschädigen, um die versprochenen Funktionen künftig gewährleisten zu können.
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Sicherheitsbedenken und globale Marktprognosen
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA meldete unterdessen über 1.000 Unfälle im Zusammenhang mit Teslas AutoPilot. Dabei wurde beobachtet, dass reine Kamerasysteme insbesondere bei der Erkennung statischer Objekte Defizite aufweisen können.
Ein Senior-Vizepräsident von Huawei, Jin Yuzhi, schlug vor diesem Hintergrund einen direkten technischen Vergleich zwischen Teslas FSD und Systemen vor, die auf Fusionswahrnehmung basieren. Dieser Test solle idealerweise unter den komplexen Bedingungen chinesischer Straßen stattfinden.
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Huawei prognostiziert, dass das Jahr 2026 den weltweiten, großflächigen Einsatz von intelligenten Fahrsystemen markieren wird. Für den chinesischen Markt erwarten Experten, dass die Penetrationsrate von Assistenzsystemen der Stufe L2 oder höher bei Pkw in der Preisklasse über 100.000 Yuan bereits im Laufe des nächsten Jahres die Marke von 90 % überschreiten wird.
Innerhalb der Branche bleibt die Entscheidung zwischen dem reinen Kamera-Ansatz und der Sensorfusion weiterhin offen, wobei die Sicherheit der Systeme als zentrales Kriterium für die Marktdurchsetzung gilt.
