Sepsis bei Mäusen: Zusätzliches L-Carnitin erhöht die Sterblichkeit
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deL-Carnitin ist vor allem als natürlicher Bestandteil von rotem Fleisch sowie als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln und Sportnahrung bekannt. Eine im Fachjournal Cell veröffentlichte Forschungsarbeit der Yale-Universität beleuchtet nun jedoch eine bislang wenig beachtete Facette der Substanz: Unter bestimmten pathologischen Bedingungen kann L-Carnitin Entzündungsprozesse im Körper offenbar verstärken. Dies betrifft schwere Akutzustände wie eine Sepsis oder die Rhabdomyolyse, bei denen das Immunsystem bereits stark gefordert ist.
Erhöhte Sterblichkeit im Tiermodell
Die Wissenschaftler der Yale-Universität analysierten das Verhalten des Stoffes im Rahmen von Tiermodellen. Bei Mäusen mit einer Sepsis sank der L-Carnitin-Spiegel im Blut zunächst ab. Wurde den Tieren in diesem Zustand jedoch zusätzlich L-Carnitin verabreicht, verschlechterte sich ihr Zustand deutlich. Die damit einhergehende schwere Immunreaktion war bei den Mäusen mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden.
Vergleichbare Prozesse traten bei der Rhabdomyolyse auf – einem schweren Zerfall von Muskelgewebe, der typischerweise mit der Gefahr akuter Nierenschäden einhergeht. Auch in diesem Modell trugen die Aufnahme und Weiterverarbeitung des Carnitins dazu bei, die Entzündungsreaktionen nach der Muskelschädigung weiter voranzutreiben.
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Zelluläre Mechanismen der Immunreaktion
Hinter dem beobachteten Effekt steht nach Erkenntnissen der Forscher ein spezifischer molekularer Signalweg. Makrophagen nehmen das extrazellulär vorliegende L-Carnitin über den Transporter OCTN2 auf. Im Inneren der Immunzellen wird daraufhin über den Botenstoff Interleukin-17 das sogenannte Pyrin-Inflammasom aktiviert – ein Proteinkomplex, der Entzündungsreaktionen auslöst und steuert.
Aus diesen Daten leitet das Team der Yale-Universität die Hypothese ab, dass L-Carnitin, welches im Zuge von Verletzungen aus geschädigten Muskelzellen freigesetzt wird, als ein endogenes Gewebeschädigungssignal wirken könnte. Der Körper interpretiert das freie Carnitin demnach als Hinweis auf ein schweres Gewebetrauma.
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Einordnung für Ernährung und Supplementierung
Trotz der deutlichen Befunde im Labor mahnen die Autoren der Studie zur Zurückhaltung bei der Interpretation für den Alltag. Die Ergebnisse seien keineswegs ein Beleg dafür, dass der Verzehr von rotem Fleisch oder die Einnahme von L-Carnitin-Präparaten grundsätzlich schädlich seien. Die entzündungsfördernde Wirkung habe sich ausschließlich bei bereits bestehenden, schweren Entzündungszuständen gezeigt.
Bislang gebe es keine Belege für eine schädliche Dosis beim Menschen und keine Hinweise darauf, dass L-Carnitin im normalen Zustand chronische Entzündungen hervorruft. Zudem sei die klinische Relevanz für den Menschen noch unklar. Gegenwärtig bleibt offen, ob der beschriebene OCTN2-Pyrin-Mechanismus in menschlichen Immunzellen in identischer Weise abläuft wie in den untersuchten Modellsystemen.
