SFU Wien: Erstgespräche für Jugendliche steigen um rund 60 Prozent
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 09:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Förderung der psychischen Widerstandskraft rückt im Bildungswesen vermehrt in den Fokus präventiver Konzepte. Wie schulische Angebote in der Praxis aussehen, zeigt die HTL Pinkafeld: Dort wurden in der vierten Woche des neuen Schuljahres zum zweiten Mal die sogenannten Mental Health Days veranstaltet.
Rund 1.200 Tagesschüler nahmen an jeweils einstündigen Workshops teil, die sich mit Belastungen wie Leistungsdruck, Prüfungsangst, Sucht, Depression, Suizidalität und Ängsten befassten. Laut einem Bericht des Portals meinbezirk.at vom 7. Oktober 2026 bildete die Initiative einen Schwerpunkt der schulischen Präventionsarbeit.
Aufklärung und Einbindung des schulischen Umfelds
Das Programm an der HTL Pinkafeld richtete sich dabei nicht ausschließlich an die Jugendlichen. Im Rahmen der Aktionstage erhielten auch Lehrkräfte sowie Eltern spezifische Informationen zur seelischen Gesundheit junger Menschen.
Ergänzend dazu besuchten die zweiten Klassen der HTL zum zweiten Mal sexualpädagogische Workshops der AIDS-Hilfe Steiermark. Die Einheiten widmeten sich Themen wie sexueller Gesundheit, Verhütungsmitteln und dem Schutz vor Geschlechtskrankheiten.
Hohe Betroffenheit unter Jugendlichen
Die Notwendigkeit strukturierter Aufklärungsangebote verdeutlichen Zahlen aus dem Bereich der Jugendgesundheit. Nach Erhebungen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention sind innerhalb eines Jahres rund 8 bis 15 Prozent aller Jugendlichen von einer Depression betroffen, was statistisch etwa zwei bis drei Schülern pro Schulklasse entspricht. Nach der Todesursachenstatistik 2024 des Statistischen Bundesamts sterben in Deutschland jährlich 216 Jugendliche unter 20 Jahren durch Suizid.
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Um über die Erkrankung zu informieren, initiierte die Stiftung gemeinsam mit dem Außenwerber Wall eine Informationskampagne in deutschen Großstädten, bei der Jugendliche aus dem Stiftungs-Jugendbeirat an der Gestaltung der Plakate mitwirkten.
Digitale Motive wurden unter anderem in Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Bremen und Dresden gezeigt, während analoge Plakate in zehn weiteren Städten zum Einsatz kamen. Für den Unterricht stellt die Stiftung zudem Materialien, Online-Fortbildungen, einen zwölfminütigen Film und eine Schulbox zur Verfügung.
Wachsende Nachfrage nach Beratung und Therapie
Auch andere Träger verzeichnen ein starkes Interesse an entsprechenden Projekten. Beim Jugendrotkreuz Niederösterreich beteiligten sich im Schuljahr 2025/26 insgesamt 66 Schulklassen mit 1.442 Schülern am kostenlosen Projekt „Gemeinsam lösen wir’s“, das sich mit vierstündigen Workshops an Klassen ab der siebten Schulstufe richtet und von 106 ausgebildeten Vortragenden betreut wird.
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Parallel dazu verzeichnet die klinische Versorgung eine gesteigerte Nachfrage. An der Kinder- und Jugendambulanz der Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) Wien wurden von Januar bis August 2026 insgesamt 260 Erstgespräche registriert – ein Zuwachs von rund 60 Prozent gegenüber den 161 Gesprächen im Vorjahreszeitraum.
Während das Erstgespräch für die rund 200 behandelten Jugendlichen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen stattfand, setzte der eigentliche Beginn der therapeutischen Einheiten oftmals erst Monate später ein.

