Shamonda-Virus: Milchleistung bei Rindern sinkt um bis zu 20 Prozent
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 00:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Deutschland breitet sich das Shamonda-Virus (SHAV) bei Nutztieren wie Rindern und Schafen aus. Der Erreger wird durch blutsaugende Insekten, sogenannte Gnitzen, übertragen.
Wie der Virologe Martin Beer darlegt, bringt das Virus spezifische Konsequenzen für Tierbestände, landwirtschaftliche Betriebe und Verbraucher mit sich. Für den Menschen besteht nach vorliegenden Erkenntnissen kein relevantes Infektionsrisiko, und eine direkte Übertragung von Tier zu Tier spielt keine signifikante Rolle.
Symptome bei Nutztieren und Folgen für die Milchproduktion
Das Shamonda-Virus gehört zur Gruppe des Schmallenberg-Virus. Bei erwachsenen Rindern führt die Infektion überwiegend zu milden und vorübergehenden Verläufen. Zu den typischen Symptomen zählen Fieber, Durchfall, Lethargie sowie ein Rückgang der Milchleistung.
Nach Angaben der portugiesischen Veterinärbehörde DGAV sind dem Virus keine direkten Todesfälle zuzurechnen. Der Milchrückgang liegt demnach typischerweise bei 10 bis 20 Prozent über einen Zeitraum von 7 bis 10 Tagen.
Größere Risiken drohen bei Infektionen während der Trächtigkeit. Es wurden bereits Aborte dokumentiert. Bei tragenden Tieren und Kälbern sind die genauen Auswirkungen noch unklar, doch besteht Besorgnis hinsichtlich kongenitaler Fehlbildungen, falls Muttertiere in empfindlichen Trächtigkeitsphasen infiziert werden.
Befall weiterer Tierarten und gesundheitliche Differenzierung
Neben Rindern sind auch andere Tierarten für den Erreger empfänglich. Schafe und Ziegen zeigen sich suszeptibel und bleiben häufig zunächst ohne sichtbare Symptome. Dennoch sind spätere Trächtigkeitsabbrüche und Missbildungen möglich.
In zehn westeuropäischen Staaten ist das Shamonda-Virus inzwischen nachgewiesen, übertragen durch Gnitzen. Bei Milchkühen sinkt die Leistung typischerweise um 10 bis 20 Prozent über 7 bis 10 Tage — und bei tragenden Tieren drohen Aborte. Unser kostenloser Praxis-Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie Gnitzen überwachen, Symptome früh erkennen und Ihren Bestand schützen. Kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern
Die Plattform Épidémiosurveillance en santé animale (ESA) meldete mit Stand vom 22. September 2026 den ersten Fall bei Schafen in Frankreich im Département Oise, bei dem Lämmer mit Gelenksteifheit und verkürztem Kiefer geboren wurden. Ähnliche Fälle bei Schafen traten Anfang September auch in Belgien auf.
Zudem wurde das Virus bei Alpakas und Pferden nachgewiesen. In Deutschland und der Schweiz erkrankten Pferde mit neurologischen Symptomen, was eine differenzialdiagnostische Abgrenzung zum West-Nil-Fieber erforderlich macht.
Verbreitung und genetische Linien in Europa
Das Shamonda-Virus wurde ursprünglich in den 1960er-Jahren in Nigeria identifiziert. Eine neue Variante trat erstmals Ende Juli 2026 in der Schweiz auf. Seit dem Sommer 2026 verbreitet sich der Erreger in Europa und wurde in zehn westeuropäischen Staaten nachgewiesen: Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien.
Fachleute unterscheiden zwei Varianten:
- SHAV-EU1: nachgewiesen in Süddeutschland, Ostfrankreich und der Schweiz
- SHAV-EU2: nachgewiesen in Norddeutschland, Westfrankreich und den Niederlanden
Tragende Kühe und Kälber sind die eigentliche Schwachstelle: Aborte wurden bereits dokumentiert, die Auswirkungen auf kongenitale Fehlbildungen sind noch unklar. Wer jetzt vorbeugt, statt abzuwarten, hat im Frühjahr weniger Verluste. Unser kostenloser Leitfaden liefert Ihnen einen konkreten Bestands-Schutzplan für empfindliche Trächtigkeitsphasen — Schritt für Schritt zum Umsetzen. Bestands-Schutzplan jetzt herunterladen
In Frankreich stieg die Zahl der betroffenen Departements von 37 Anfang September auf 46 Departements an, wobei zuletzt sechs Gebiete neu hinzukamen, darunter Moselle, Marne und Haute-Saône. Auf der Iberischen Halbinsel meldete das Laboratório Central de Veterinária de Algete Infektionen in sieben Rinderbetrieben in den spanischen Regionen Córdoba und Toledo.
In einer Notiz vom 23. September 2026 forderte die DGAV eine verstärkte Überwachung der Überträgerinsekten. Auch auf den Britischen Inseln ist das Virus präsent: Die britische Tiergesundheitsbehörde APHA bestätigte im August 2026 Nachweise bei Rindern auf der Kanalinsel Jersey. Im Vereinigten Königreich besteht derzeit keine Meldepflicht, jedoch stehen diagnostische Tests zur Verfügung.
