Shrinkflation, Kaffee

Shrinkflation: Kaffee um 27% teurer pro Gramm, Weichspüler +79%

05.07.2026 - 01:51:08 | boerse-global.de

Österreich führt Gesetz gegen versteckte Preiserhöhungen durch Schrumpfpackungen ein. Neue Daten zeigen drastische Verteuerungen bei Alltagsprodukten.

Shrinkflation: Österreichs neues Gesetz gegen versteckte Preiserhöhungen
Shrinkflation - Eine Hand greift in einem Supermarktregal nach einer kleineren Produktverpackung, die geringfügig höhere Preise pro Mengeneinheit aufweist. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr Hersteller reduzieren die Füllmengen ihrer Produkte, lassen aber die Preise stabil oder erhöhen sie sogar. Das Phänomen heißt Shrinkflation – und ist vollkommen legal.

Solange die Gewichtsangaben korrekt deklariert sind, dürfen Unternehmen diese Strategie nutzen. Ihr Ziel: gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie und Transport ausgleichen. Für Verbraucher bedeutet das: Augen auf beim Preis pro Kilogramm oder Liter.

Monitoring zeigt drastische Preissteigerungen

Aktuelle Erhebungen von Organisationen wie Federconsumatori und dem O.N.F. belegen das Ausmaß der verdeckten Preiserhöhungen. Besonders betroffen sind Produkte des täglichen Bedarfs und Genussmittel.

Ein Vergleich bei Kaffee zeigt die Entwicklung: 2020 kostete eine 250-Gramm-Packung 3,50 Euro. Heute werden für 220 Gramm oft 3,90 Euro fällig. Das entspricht einer effektiven Kostensteigerung von 27 Prozent pro Gramm.

Die im Juli 2026 veröffentlichten Daten listen weitere Beispiele auf:

Haushaltsprodukte: Bei Weichspülern sank die Menge um 12,5 Prozent – der Preis stieg um 78,85 Prozent. Spülmittel schrumpfte um 5,56 Prozent, wurde aber 50,31 Prozent teurer. Duschgel verlor 16,67 Prozent Volumen bei einem Preisanstieg von 26,85 Prozent.

Lebensmittel und Getränke: Bierflaschen wurden im Schnitt um 6,06 Prozent verkleinert, der Preis sprang um 20,16 Prozent. Limonaden verloren 10 Prozent ihres Inhalts bei einem Plus von 7,5 Prozent. Bei Joghurt stieg der Kilogrammpreis von 9,35 auf 10,60 Euro, während die Füllmenge um 11,76 Prozent sank.

Eiswaren: Gelato am Stiel verlor 16,67 Prozent Volumen (von 120 ml auf 100 ml), der Preis zog um 14 Prozent an. Bei Eistüten reduzierte sich die Menge um 8 Prozent, der Preis stieg um 15 Prozent.

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Österreich zieht gegen die Täuschung vor Gericht

Der österreichische Nationalrat hat im Februar 2026 ein spezifisches Gesetz gegen Shrinkflation verabschiedet. Seit April 2026 ist es in Kraft. Die Regelung verpflichtet Einzelhändler mit mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche oder mehr als fünf Filialen dazu, Füllmengenreduktionen deutlich zu kennzeichnen.

Die Hinweispflicht gilt für bis zu 60 Tage nach der Verkleinerung. Verstöße können mit Strafen von bis zu 15.000 Euro geahndet werden. Das Gesetz ist vorerst bis Mitte 2030 befristet.

Kritik kommt von der FPÖ, die gegen das Gesetz stimmte. Verbraucherschützer bemängeln zudem fehlende Mindeststandards für Schriftgröße und Platzierung der Hinweisschilder am Regal.

Steuersenkung und Ernteeinbruch als weitere Faktoren

Flankierend zur Bekämpfung der Teuerung senkte Österreich zum 1. Juli 2026 die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent. Experten rechnen mit einer Entlastung von rund 100 Euro pro Haushalt und Jahr. Das kostet den Staat jährlich etwa 400 Millionen Euro.

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Die Umsetzung ist bürokratisch komplex: Für Weizenbrot gilt die Ermäßigung, für Roggenbrot kommen differenzierte Sätze zur Anwendung.

Zusätzlichen Druck auf die Lebensmittelpreise könnte die diesjährige Getreideernte ausüben. Vorläufige Zahlen für 2026 deuten auf einen Einbruch der Erntemenge in Österreich um fast 15 Prozent auf 2,66 Millionen Tonnen hin. Besonders im Osten des Landes fiel die Winterweizenernte bis zu 20 Prozent geringer aus. Auch die Anbaufläche für Getreide sank erstmals seit Langem auf unter 500.000 Hektar.

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