Siemens-Chef, EU-Regulierung

Siemens-Chef warnt: EU-Regulierung bremst KI-Innovation aus

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 20:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Roland Busch verlagert Siemens’ KI-Forschung nach Seattle, kritisiert langsame EU-Verfahren und lehnt pauschale China-Zölle ab.

Siemens-Chef Busch kritisiert EU-KI-Regeln und fordert schnelleres Handeln
Moderne Serverräume in einem industriellen Forschungszentrum mit diskreter Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Roland Busch, hat deutliche Kritik an der aktuellen Regulierungspolitik der Europäischen Union im Bereich der Künstlichen Intelligenz geäußert. Er warnt davor, dass bürokratische Hürden und langsame Gesetzgebungsprozesse die technologische Innovationskraft in Europa schwächen könnten.

In einer öffentlichen Stellungnahme mahnte Roland Busch ein deutlich höheres Tempo bei den Zulassungsverfahren für KI-Anwendungen an. Der Siemens-Chef kritisierte insbesondere die zeitliche Diskrepanz zwischen der politischen Rahmensetzung und der technologischen Realität.

Während die Verabschiedung zentraler europäischer Regelwerke wie dem „AI Act“ oder dem „Data Act“ in der Regel etwa zwei Jahre in Anspruch nehme, entwickle sich die Technologie im gleichen Zeitraum massiv weiter. Busch verwies darauf, dass sich KI-Modelle in einem solchen Zweijahresfenster etwa sechs- bis achtmal schneller weiterentwickeln, als es der Gesetzgebungsprozess widerspiegle.

Forschungsverlagerung als Folge langsamer Prozesse

Die schleppende Regulierung in Europa hat für den Industriekonzern bereits konkrete Konsequenzen. Laut Busch hat Siemens den Kern seiner Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz nach Seattle verlagert.

Dieser Schritt unterstreicht die Sorge des Managements, dass der europäische Standort durch übermäßige Regulierung den Anschluss an das globale Entwicklungstempo verlieren könnte. Der 61-jährige Manager forderte Brüssel daher auf, die Zulassungsprozesse zu beschleunigen, um den technologischen Anschluss nicht zu gefährden.

Anzeige

Wer sich mit der im Artikel kritisierten EU-Gesetzgebung befasst, benötigt eine klare Orientierungshilfe zu den neuen Compliance-Anforderungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Fristen und Pflichten der EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Keine Anzeichen für eine KI-Spekulationsblase

Trotz der rasanten Marktentwicklung und massiver Investitionen sieht Busch derzeit keine Anzeichen für eine Spekulationsblase im KI-Sektor. Er bezeichnete die aktuellen Entwicklungen zwar als die größte technologische Wette der Geschichte, betonte jedoch einen wesentlichen Unterschied zu früheren Marktkrisen: Die Investitionen in Künstliche Intelligenz würden derzeit primär aus dem vorhandenen Cashflow der Unternehmen finanziert und basierten nicht auf geliehenem Kapital.

Für Siemens selbst stellt die Technologie ein wichtiges Wachstumsfeld dar. Der Konzern profitiere derzeit insbesondere von der weltweit steigenden Nachfrage nach Infrastruktur für KI-Rechenzentren. Ein Schwerpunkt dieser Aktivitäten liege dabei momentan auf dem US-amerikanischen Markt.

Anzeige

Während die politische Debatte über den AI Act anhält, müssen Unternehmen bereits jetzt klären, welche ihrer Systeme als Hochrisiko eingestuft werden. Dieser kostenlose Report hilft Verantwortlichen dabei, die rechtlichen Vorgaben für KI-Systeme rechtzeitig und sicher umzusetzen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern

Kritik an pauschalen Handelsbarrieren

Neben der Digitalpolitik äußerte sich Busch auch zur internationalen Handelspolitik und dem Verhältnis zu China. Er sprach sich gegen die Einführung umfassender, pauschaler EU-Zölle auf chinesische Produkte aus.

Der Siemens-Chef warnte davor, dass solche Maßnahmen lediglich dazu dienen könnten, eine mangelnde eigene Wettbewerbsfähigkeit zu schützen. Statt flächendeckender Zölle plädierte er für gezielte handelspolitische Maßnahmen, um die globale Konkurrenzfähigkeit europäischer Unternehmen zu fördern, ohne sich vom Weltmarkt abzuschotten.

Siemens gehört mit weltweit rund 320.000 Beschäftigten zu den größten Technologiekonzernen und ist maßgeblich an der industriellen Anwendung von KI-Lösungen beteiligt. Die Warnungen des Vorstandsvorsitzenden spiegeln die wachsende Besorgnis innerhalb der europäischen Industrie wider, dass der Kontinent im globalen Wettbewerb mit den USA und China durch zu komplexe administrative Rahmenbedingungen zurückfallen könnte.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Künstliche Intelligenz: Siemens-Chef warnt vor zu viel Regulierung bei KI“

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70021574 |