USA, UnfÀlle

Neues Album, mehr UnfÀlle: Taylor Swift als Verkehrsrisiko?

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 05:00 Uhr | dpa.de

Sind Menschen am Steuer stĂ€rker abgelenkt, wenn Taylor Swift ein neues Album herausbringt? Forscher haben Streaming-Zahlen mit Unfallstatistiken in Verbindung gesetzt – mit ĂŒberraschendem Ergebnis.

Taylor Swift taucht in den innerhalb eines Tages meistgestreamten Alben gleich mehrfach auf - ein Sicherheitsrisiko? - Bild: Lev Radin/ZUMA Press Wire/dpa
Taylor Swift taucht in den innerhalb eines Tages meistgestreamten Alben gleich mehrfach auf - ein Sicherheitsrisiko? - Bild: Lev Radin/ZUMA Press Wire/dpa

Sorgen Taylor Swift, Drake und andere Stars indirekt fĂŒr mehr VerkehrsunfĂ€lle, wenn sie neue Alben veröffentlichen? Die These wirkt auf den ersten Blick skurril – wird aber von Forschern unter anderem von der Harvard Medical School in Boston fĂŒr möglich gehalten. Das Team um Vishal R. Patel stellte fest, dass in den USA an Veröffentlichungstagen von Alben populĂ€rer Musikstars mehr Menschen bei AutounfĂ€llen ums Leben kommen. 

Es könne also einen Zusammenhang zwischen Musik-Streaming per Smartphone, Ablenkung beim Fahren und der Zahl der Verkehrstoten geben, heißt es im Fachjournal «Jama Network Open». Ein direkter kausaler Zusammenhang könne allerdings nicht nachgewiesen werden.

So starben zwischen 2017 und 2022 bei VerkehrsunfÀllen in den USA 233.809 Menschen, wie die Autoren im Fachjournal «Jama Network Open» schreiben. Die bereinigte Zahl der Verkehrstoten war an Tagen, an denen wichtige Alben erschienen, rund 15 Prozent höher als in den zehn Tagen davor und danach. So lag sie an den Veröffentlichungstagen bei rund 139 und an den anderen bei rund 121. Das Musik-Streaming generell nahm an den Veröffentlichungstagen um etwa 43 Prozent zu.

Drake und Taylor Swift massenhaft gestreamt

Die Forscher werteten Zahlen aus dem nationalen Unfallregister Fatality Analysis Reporting System aus und setzten diese mit Abrufzahlen des in den USA populÀrsten Musikstreaming-Dienstes Spotify in Beziehung. Dabei fokussierten sie sich auf die zehn Alben aus den betrachteten Jahren, die innerhalb eines einzigen Tages am meisten gehört wurden. Dazu gehören mehrere Alben von Taylor Swift (darunter «Midnights») und Drake (darunter «Certified Lover Boy») sowie von Bad Bunny oder Kendrick Lamar.

Das Team betont, dass sich aus dem Zusammenhang nicht eindeutig belegen lasse, dass tatsÀchlich das Streaming der neuen Alben mit dem höheren Unfallrisiko einhergehe. So bleibt etwa unbekannt, ob die konkreten Unfallopfer die jeweiligen Alben hörten oder nicht.

Es könnten also auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Dennoch sei plausibel, dass die Bedienung von Musikangeboten wĂ€hrend der Fahrt – also etwa das AnwĂ€hlen eines Albums ĂŒbers Handy oder das Bedienen einer auto-internen Steuerung – eine AktivitĂ€t sei, die zu Ablenkung beitrage, betont das Team. Zudem habe andere Forschung bereits gezeigt, dass auch Musikhören selbst fĂŒr Ablenkung sorgen könne. 

Keine Grundlage fĂŒr konkrete Vorhersagen

In einem in der gleichen Ausgabe veröffentlichter Kommentar zu der Studie heißt es, die Ergebnisse seien plausibel und stĂŒtzten Ă€hnliche Forschungsergebnisse. Schon kleinste AufmerksamkeitslĂŒcken könnten bei einer Geschwindigkeit von knapp 100 Kilometern pro Stunde tödliche Folgen haben, schreiben Donald A. Redelmeier und Jonathan Zipursky von der UniversitĂ€t Toronto. 

Allerdings kritisieren sie, dass die Ergebnisse nicht geeignet seien, um vorherzusagen, in welchem Ausmaß ein erwartetes populĂ€res Album das Unfallrisiko erhöhe. So sei etwa nicht einfach zu erklĂ€ren, weshalb die Veröffentlichung von Drakes Album «Her Loss» im Jahr 2022 mit einem Anstieg der zusĂ€tzlichen Verkehrstoten von 67 Prozent einherging, das vorherige Album «Certified Lover Boy» im Jahr zuvor jedoch nur mit einem Anstieg um 8 Prozent. Höre man sich die Alben an, erschließe sich nicht, weshalb beim gleichen KĂŒnstler eine so weite Spanne zwischen beiden Werten liege.

de | wissenschaft | 69961791 |