Singapur-Schlupfloch, Alibaba

Singapur-Schlupfloch: Alibaba, Baidu und Tencent umgehen KI-Embargo

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 05:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de

OpenAI und Google versorgen sanktionierte chinesische Firmen über Singapur legal mit KI-Diensten. Washington diskutiert schärfere Exportkontrollen.

KI-Schlupfloch: US-Firmen beliefern sanktionierte Chinesen via Singapur
KI-Datenfluss zwischen USA und China, Singapur-Skyline im Hintergrund, regulatorische Lücke. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

OpenAI und Google haben fortschrittliche KI-Modelle an sanktionierte chinesische Unternehmen geliefert – über deren Singapur-Tochtergesellschaften. Die Transaktionen betrafen die Auslandsableger von Alibaba, Baidu und Tencent, die vom Pentagon auf die schwarze Liste gesetzt wurden.

Geografische Lücke erlaubt legalen Zugriff

Die Bereitstellung der KI-Dienste ist nach US-Exportkontrollrecht legal. Der Grund: Die Regeln richten sich nach dem Standort, nicht nach der Eigentümerstruktur. Weil die Leistungen an Einheiten in Singapur gingen, verstoßen sie nicht gegen die Bundesvorschriften, die eigentlich die technologischen Fähigkeiten bestimmter chinesischer Firmen beschränken sollen.

Das Pentagon hatte Alibaba, Baidu und Tencent bereits auf die schwarze Liste gesetzt. Doch ihre Auslandsstandorte blieben ein gangbarer Weg, um amerikanische KI-Software zu beziehen. Branchenbeobachter sprenen vom „Singapur-Schlupfloch" – einer Möglichkeit, Beschränkungen zu umgehen, die für die Festland-China-Operationen strikt gelten.

Missbrauchsvorwürfe führen zu Kontosperrungen

Die Entdeckung dieser Service-Pipelines wird von Missbrauchsvorwürfen begleitet. OpenAI bestätigte, mehrere Konten von Alibaba wegen mutmaßlicher Destillation gesperrt oder gekündigt zu haben. Dabei werden die Ergebnisse eines KI-Modells genutzt, um ein anderes – oft firmeneigenes – Modell zu trainieren oder zu verbessern.

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Noch strikter agiert Anthropic: Das Unternehmen hat chinesische Firmen und ihre Tochtergesellschaften komplett von seinen Diensten ausgeschlossen. Alibaba soll demnach rund 25.000 gefälschte Konten angelegt haben, um 28,8 Millionen Interaktionen mit dem Claude-Modell zu ermöglichen – angeblich, um die eigenen KI-Systeme mit den Ergebnissen des amerikanischen Modells zu trainieren.

Druck auf Washington wächst

Die Nutzung von Auslandsablegern durch gesperrte Firmen hat in Washington eine Debatte über die Zukunft der KI-Handelspolitik ausgelöst. Google räumte ein, dass standortbezogene Beschränkungen derzeit nicht ausreichen, um sanktionierte Unternehmen vom Zugang zu Spitzentechnologie abzuhalten.

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Politiker erwägen nun, die Exportkontrollen auf KI-Software auszuweiten – ähnlich den Regelungen für hochmoderne Halbleiter. Während die aktuellen Vorschriften auf den physischen Standort abzielen, könnten künftige Regeln die Eigentümerstruktur erfassen, unabhängig vom Registrierungsort einer Tochtergesellschaft. Bereits Anfang der Woche begannen einige Technologiefirmen, ihre internen Richtlinien anzupassen: Anthropic verweigerte chinesischen Tochtergesellschaften den Dienst – in Erwartung strengerer Bundesvorschriften.

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