Sinneserfahrung, Botanische

Sinneserfahrung: Botanische Gärten und Museen öffnen neue Wahrnehmungswege

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 12:41 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Kultureinrichtungen setzen 2026 verstärkt auf Duft-, Tast- und Klangerlebnisse für mehr Inklusion und neue Perspektiven.

Multisensorische Erlebnisse: Botanik, Kunst und Stadt neu entdecken
Eine Hand berührt sanft Pflanzen in einem abgedunkelten botanischen Garten. Der Fokus liegt auf haptischen und olfaktorischen Erfahrungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Botanische Gärten, Museen und Stadtführungen setzen zunehmend auf Konzepte, die über das reine Sehen hinausgehen. Dunkelheit, haptische Elemente und Düfte sollen Inklusion fördern und neue Perspektiven auf Kunst und Natur eröffnen.

Botanische Gärten als Wegbereiter

Ein Vorreiter feiert Jubiläum: Der Botanische Blindengarten in Radeberg besteht seit 30 Jahren. Die 1996 von Ruth Zacharias initiierte 22.000 Quadratmeter große Anlage nutzt Düfte als Orientierungshilfe.

Rund 1.300 Pflanzenarten wachsen dort, darunter etwa 700 Duftpflanzen. 25 Hochbeete bringen die Gewächse in Griff- und Riechhöhe. Ein 1,5 Kilometer langes Wegenetz mit Handläufen und Brailleschrift ermöglicht eigenständige Erkundungen.

Ähnliche Konzepte gibt es anderswo: Der Lübecker Schulgarten bietet im Juli Führungen an, bei denen Besucher Aroma- und Nutzpflanzen schmecken, riechen und betasten können.

Medienkunst für alle Sinne

Das ZKM Karlsruhe hat im Juli die Ausstellung „Die Sinnlichkeit der Medienkunst“ eröffnet. Rund 50 Werke verbinden Technologie mit menschlicher Wahrnehmung.

Die Künstler Lancel und Maat visualisieren etwa einen Kuss mittels EEG-Daten. Priest und Pynor zeigen Körperlautsprecher. Eine Klanglandschaft gesunder Korallenriffe von Barotti macht ferne Umgebungen hörbar.

Großformatige Lichtinstallationen ergänzen das Angebot. Im dänischen Aarhus eröffnete Mitte Juni James Turrells 100. Skyspace-Projekt „As Seen Below – The Dome“. Eine 16 Meter hohe Kuppel mit 40 Metern Durchmesser fordert durch verschiedene Lichtmodi die visuelle Wahrnehmung heraus.

Tastmodelle und Klangführungen in der Stadt

In Perleberg gibt es im Juli Stadtführungen mit tastbaren Objekten. Stadtreliefs und Büsten historischer Persönlichkeiten kommen zum Einsatz. Der Blinden- und Sehbehindertenverband Prignitz organisiert die Touren in Tandem-Formaten.

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Auch historische Stätten machen mit: Der Naumburger Dom bot Anfang Juli Führungen für Kinder an, bei denen Hören statt Sehen im Mittelpunkt stand. Ziel war es, die Akustik sakraler Räume erfahrbar zu machen.

Das Projekt „SinnReich“ in Chemnitz geht noch weiter. Besucher erkunden dort Erlebnisräume in vollständiger Dunkelheit, um ihre verbleibenden Sinne zu schärfen.

Digitalisierung der Achtsamkeit

Ein neuer Trend verbindet moderne Technik mit Entspannung. Bei der Burg Windeck in Baden-Württemberg entstand 2026 ein Pfad mit sechs Stationen. QR-Codes leiten dort zu Wahrnehmungsübungen an und verknüpfen die historische Ruine mit Methoden der kognitiven Entspannung.

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Die Naturerfahrung kommt nicht zu kurz: Am Herthasee bei Teterow findet im Juli kontrollierter Lichtfang von Nachtfaltern statt. Die Aktion macht ökologische Zusammenhänge jenseits reiner Beobachtung greifbar.

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