Sitzzeit-Studie, Minuten

Sitzzeit-Studie: 30 Minuten am StĂŒck erhöhen Krebsrisiko um 10%

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 03:02 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Eine Studie belegt: 30 Minuten ununterbrochenes Sitzen steigern das Krebsrisiko um zehn Prozent. Bereits kurze Bewegungseinheiten wirken prÀventiv.

Studie: Langes Sitzen erhöht Krebsrisiko – Bewegung hilft
Mitarbeiter in einem modernen BĂŒro machen DehnĂŒbungen und bewegen sich, um langes Sitzen zu vermeiden. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Forscher der University of Glasgow haben alarmierende Zahlen vorgelegt: Jede zusĂ€tzliche Stunde ununterbrochenen Sitzens steigert das Krebsrisiko deutlich. Die im Juli in PLOS Medicine veröffentlichte Studie wertete Daten von ĂŒber 91.000 Teilnehmenden der UK-Biobank aus.

Die Probanden trugen sieben Tage lang Bewegungssensoren. Über zwölf Jahre verfolgten die Wissenschaftler ihre Gesundheitsentwicklung. Das Ergebnis: Wer mindestens 30 Minuten am StĂŒck sitzt, erhöht sein Risiko, an Krebs zu sterben, um rund zehn Prozent. Besonders betroffen sind Krebsarten, die mit Übergewicht und Diabetes zusammenhĂ€ngen – darunter Brust-, Darm-, Lungen- und Leberkrebs.

Bewegung als Gegenmittel

Die Studie liefert aber auch konkrete Lösungen. Schon eine Stunde leichte Bewegung pro Tag senkt das Risiko um zwölf Prozent. Bei moderater AktivitĂ€t sind es acht Prozent. Besonders effektiv: Bereits fĂŒnf Minuten intensive Bewegung tĂ€glich reduzieren das Risiko um 22 Prozent.

Hauptautor Frederick Ho betont: „Auch leichte Bewegung sollte nicht ignoriert werden.“ Fachleute aus Cambridge und von der Cochrane-Organisation weisen allerdings darauf hin, dass es sich um statistische Korrelationen handelt. Ein direkter Kausalnachweis stehe noch aus – soziale Faktoren könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

Krankengeld wird zum Kostentreiber

Die gesundheitlichen Folgen langer Sitzzeiten schlagen sich auch in den Kassen der Krankenversicherungen nieder. Ein Bericht des BKK-Dachverbandes vom Juli 2026 zeigt: Das Krankengeld – gezahlt ab dem 43. Krankheitstag – ist der grĂ¶ĂŸte Kostentreiber der gesetzlichen Krankenversicherung. 2025 beliefen sich die Ausgaben auf 21,6 Milliarden Euro.

Die Entwicklung ist dramatisch: In den vergangenen zehn Jahren stiegen die Ausfalltage mit Krankengeldbezug um 24,4 Prozent. Mittlerweile entfĂ€llt mehr als ein Viertel aller Fehltage auf Langzeit-Krankschreibungen. Hauptursachen sind psychische Erkrankungen und Leiden des Muskel-Skelett-Systems. Psychische Diagnosen machen zwar nur 5,4 Prozent aller Krankmeldungen aus – fĂŒhren aber im Schnitt zu ĂŒber fĂŒnf Wochen Abwesenheit.

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Streit um die richtigen Maßnahmen

Trotz eines stabilen Krankenstandes von 6,1 Prozent fordert BKK-VorstÀndin Anne-Kathrin Klemm verstÀrkte PrÀventionsstrategien. Politisch diskutiert werden eine Nachweispflicht ab dem ersten Krankheitstag oder die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.

Ein Wirtschaftswissenschaftler der UniversitĂ€t Bamberg hĂ€lt dagegen: Solche Maßnahmen senkten den Krankenstand kaum, da kurze Fehlzeiten nur einen geringen Teil der Gesamtkosten ausmachten. Stattdessen drohe mehr PrĂ€sentismus – Arbeiten trotz Krankheit.

Viele BeschĂ€ftigte zweifeln an FrĂŒhrente

Die Belastungen im Beruf wirken sich massiv auf die Lebensplanung aus. Der DGB-Index „Gute Arbeit“ zeigt: Rund 40 Prozent der BeschĂ€ftigten glauben nicht, ihren Beruf bis zum Rentenalter ausĂŒben zu können. Befragt wurden dafĂŒr zwischen 2022 und 2026 rund 28.000 Personen.

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Besonders betroffen sind körperlich fordernde Branchen. Im SanitĂ€r- und Heizungsbau rechnen 72 Prozent nicht mit einem Durchhalten bis zur Rente, in der Krankenpflege 71 Prozent, in der Altenpflege 67 Prozent. Auch im Hochbau (66 Prozent) und bei Erziehern (57 Prozent) ist die Skepsis groß.

DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert gesĂŒndere Arbeitsbedingungen. Das steht im Konflikt mit Überlegungen einer Rentenkommission, die eine Anhebung des Renteneintrittsalters und die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach langjĂ€hriger Versicherung vorsieht. Arbeitsmediziner warnen: Ohne bessere PrĂ€vention psychischer und physischer Belastungen werden Langzeit-AusfĂ€lle und frĂŒhzeitige Berufsaufgaben weiter zunehmen.

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