Sjögren-Krankheit, Forscher

Sjögren-Krankheit: Forscher identifizieren zwei unterschiedliche Typen

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien identifizieren zwei Sjögren-Typen, entzündungshemmende Vitamin-E-Metaboliten und einen neuen Asthmawirkstoff. Auch Blinddarm und Darmbakterien rücken in den Fokus.

Forschung zu Entzündungen: Neue Therapieansätze und Biomarker
Nahaufnahme einer medizinischen Laborumgebung mit einer mikroskopischen Zellprobe in einer Petrischale. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Chronische Entzündungen gelten als heimliche Treiber vieler schwerer Erkrankungen. Jetzt liefern Forscher neue Einblicke in die zugrundeliegenden Mechanismen – und vielversprechende Ansätze für Therapien.

Sjögren-Krankheit: Zwei Typen entdeckt

Ein internationales Team mit Beteiligung des Universitätsklinikums Bonn (UKB) hat einen Durchbruch bei der Erforschung der Sjögren-Krankheit erzielt. Die am 20. Juli im Lancet Rheumatology veröffentlichte Studie identifiziert das Protein Interferon-Alpha als zentralen Auslöser. Bei rund 60 Prozent der über 170 untersuchten Patienten war der Spiegel dieses Proteins erhöht. Bei 40 Prozent fehlte zudem das Protein TRIM21.

Besonders brisant: Spezifische Proteinsignaturen sind bereits mehr als zehn Jahre vor der Diagnose nachweisbar. Die Forscher konnten erstmals zwei unterschiedliche Typen der Erkrankung identifizieren. Das ermöglicht künftig gezieltere klinische Studien und individuelle Behandlungsstrategien.

Vitamin-E-Metaboliten: Neue Waffe gegen Entzündungen

Ein Team der Universität Graz um Andreas Koeberle hat einen bisher unbekannten Effekt von Vitamin E entdeckt. Bestimmte langkettige Vitamin-E-Metaboliten (LCM) wirken entzündungshemmend, wie die Forscher am 21. Juli in Acta Pharmaceutica Sinica B berichten. Die Stoffe fördern die Heilung und verbessern die Beseitigung abgestorbener Zellen durch Makrophagen. Strukturell ähneln sie Inhaltsstoffen der Bitterkola-Pflanze.

Asthmatherapie: Synthetisches Peptid zeigt Wirkung

Wissenschaftler der Universität Bonn und des Forschungszentrums Borstel präsentieren einen neuen Wirkmechanismus gegen Asthma. Das synthetische Peptid Pep19-2.5 bindet an Membranlipide von Immunzellen und hemmt das NLRP3-Inflammasom – einen zentralen Schalter für Entzündungsreaktionen. Im Modellversuch mit Hausstaubmilben-Asthma verbesserte sich die Lungenfunktion, die Entzündungswerte sanken.

Der Blinddarm als Krankheitstreiber

Bei Colitis ulcerosa rückt ein oft unterschätztes Organ in den Fokus: der Blinddarm. Eine im Juli im World Journal of Gastroenterology veröffentlichte Studie zeigt, dass die Appendix als Produktionsstätte für krankmachende IgG-Antikörper fungiert. Eine operative Entfernung könnte die Anzahl dieser Zellen im Dickdarm reduzieren. Zudem identifizierten Forscher mithilfe eines „Colon Chips“ Fibroblasten als Entzündungstreiber und das Protein REG3? als potenziellen Biomarker.

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Die neue Sjögren-Studie zeigt: Proteinsignaturen sind bereits mehr als zehn Jahre vor der Diagnose nachweisbar. Wer früh handelt, kann die Weichen für eine gezielte Behandlung stellen. Dieser Report fasst die wichtigsten Früherkennungs-Schritte zusammen – inklusive Symptom-Checkliste und Zugang zum Online-Tool. Jetzt kostenlosen Report anfordern

Multiple Sklerose: Bakterien im Dünndarm als Auslöser

Auch bei Multipler Sklerose (MS) verdichten sich die Hinweise auf Ursachen im Verdauungstrakt. Eine im Juli veröffentlichte Übersicht der Mayo Clinic bestätigt Beobachtungen einer früheren LMU-Studie: Bestimmte Bakterien im Dünndarm, insbesondere Eisenbergiella tayi, könnten MS-typische Symptome auslösen.

Osteoporose: Viele Knochenbrüche bleiben unerkannt

Trotz wissenschaftlicher Fortschritte klafft eine Lücke zwischen Forschung und Praxis. Eine im Journal Bone publizierte Studie des Ludwig Boltzmann Instituts für Osteologie und des Complexity Science Hub (CSH) wertete Daten von über 1,7 Millionen Patienten in Österreich aus. Ergebnis: Viele Knochenbrüche, die auf Osteoporose hindeuten, werden nicht entsprechend dokumentiert. Besonders bei Männern und Patienten zwischen 50 und 69 Jahren bleibt die Erkrankung oft unerkannt. Dr. Tilman Eßlinger warnt: Unspezifische Rückenschmerzen können verkannte Warnzeichen für Ermüdungsbrüche der Wirbelkörper sein.

Online-Tool soll Früherkennung verbessern

Das EU-Projekt SPIDeRR hat ein neues Online-Tool entwickelt, das Betroffenen hilft, Symptome systematisch zu erfassen und wissenschaftlich fundiert bewerten zu lassen. Beteiligt sind unter anderem das Uniklinikum Erlangen und die Medizinische Hochschule Brandenburg.

Krankenstand: Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Die DAK-Gesundheit analysierte Daten von rund 2,2 Millionen Versicherten für das erste Halbjahr 2026. Der Krankenstand bleibt stabil bei 5,3 Prozent. Doch die Ursachen verschieben sich: Atemwegserkrankungen gingen um 21 Prozent zurück, während psychische Erkrankungen um 9 Prozent auf 184 Fehltage pro 100 Versicherte stiegen. Die durchschnittliche Krankschreibungsdauer erhöhte sich leicht auf 9,7 Tage.

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Chronische Entzündungen bleiben oft jahrelang unerkannt – mit Folgen für Knochen, Gelenke und Lebensqualität. Die neue Forschung zu Sjögren-Typen und Vitamin-E-Metaboliten eröffnet Wege, die Leidenszeit zu verkürzen. Erfahren Sie, wie Sie mit der richtigen Ernährungsstrategie und einem Online-Symptomtagebuch aktiv werden können. Früherkennungs-Report jetzt sichern

Überraschender Zusammenhang: Augenkrankheit und Krebsrisiko

Eine koreanische Studie mit über 330.000 Probanden zeigt einen unerwarteten Zusammenhang: Patienten mit neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration (AMD) haben ein moderat erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere Schilddrüsenkrebs. Das unterstreicht: Entzündungsprozesse müssen als ganzheitliches medizinisches Problem betrachtet werden.

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