Sleepio, Krebs

Sleepio bei Krebs: 27 Prozent Remission nach 24 Wochen statt 12 Prozent

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
KVT-I gilt weiterhin als bevorzugte Behandlung; Schlaftracker können Insomnie nicht zuverlÀssig diagnostizieren und bergen Risiken.
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer bei Nacht mit sanftem Mondlicht, das auf ein ungemachtes Bett fÀllt. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland leidet nach Angaben des Robert-Koch-Instituts rund jeder achte Erwachsene unter Schlafstörungen. FĂŒhren Ein- oder Durchschlafprobleme ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum zu spĂŒrbaren Belastungen im Alltag, kann medizinisch eine Insomnie diagnostiziert werden.

Fachleute definieren eine chronische Insomnie ĂŒber Beschwerden, die an mindestens drei NĂ€chten pro Woche ĂŒber einen Zeitraum von mehr als drei Monaten auftreten und von funktionellen BeeintrĂ€chtigungen am Tag begleitet werden.

Auch international ist das Problem verbreitet: Laut der Sociedad Española de NeurologĂ­a schlĂ€ft mehr als die HĂ€lfte der erwachsenen Bevölkerung in Spanien weniger als empfohlen, und 50 Prozent berichten ĂŒber einen nicht erholsamen Schlaf.

Kognitive Verhaltenstherapie als primÀre Behandlungsform

Bei chronischen Ein- und Durchschlafstörungen gilt die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I) als therapeutischer Standard und Referenzbehandlung. Das Standardprogramm umfasst ĂŒblicherweise acht Sitzungen von jeweils 45 Minuten Dauer.

Ein zentraler Baustein ist die Bettzeitreduktion. Dabei wird die Verweildauer im Bett an die tatsĂ€chliche Schlafzeit angepasst: Liegt eine Person beispielsweise acht Stunden im Bett, ist davon aber zwei Stunden wach, werden diese zwei Wachstunden zunĂ€chst gestrichen, sodass die Schlafzeit vorĂŒbergehend auf sechs Stunden begrenzt wird, etwa im Intervall von 1 bis 7 Uhr.

Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit bestehen VersorgungsengpÀsse. An spezialisierten Einrichtungen wie der Schlafambulanz Basel unter der Leitung der Schlaftherapeutin Dr. Christine Blume existieren lange Wartelisten.

Anzeige

Dauerstress und die UnfĂ€higkeit abzuschalten sind hĂ€ufige Ursachen fĂŒr nĂ€chtliche Unruhe. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie mit gezielten Übungen Ihr Nervensystem wieder ins Gleichgewicht bringen und Ihre SchlafqualitĂ€t natĂŒrlich verbessern. Vagus-Therapie: Stress abbauen und besser schlafen

Die Psychologin Roser Gort hebt hervor, dass die Psychotherapie fĂŒr chronische Insomnie zwar am besten wissenschaftlich validiert sei und sechs bis acht Sitzungen erfordere, medikamentöse Verschreibungen in der Praxis jedoch oft bevorzugt wĂŒrden.

Ein Rezept sei in wenigen Minuten ausgestellt, verschiebe das eigentliche Problem jedoch lediglich bis zum Kontrolltermin nach eineinhalb bis drei Monaten.

Risiken von Schlafmitteln und apparative Innovationen

Die Verordnung von Benzodiazepinen und verwandten Schlafmitteln unterliegt strengen BeschrĂ€nkungen. Die Rezeptdauer ist auf maximal vier Wochen limitiert, an die sich eine Ă€rztliche Neubewertung anschließen muss. Zu den bekannten Risiken dieser Wirkstoffe gehören TagesmĂŒdigkeit, Störungen der Vigilanz, die Entwicklung von AbhĂ€ngigkeiten sowie eine Rebound-Insomnie nach dem Absetzen.

Parallel zur klassischen Psychotherapie werden digitale und neurobiologische Interventionen erforscht. Eine auf dem ESMO-Kongress in Madrid vorgestellte Untersuchung des University College Dublin zur digitalen Plattform „Sleepio“ an 308 Krebspatientinnen mit signifikanter Insomnie zeigte nach 24 Wochen eine Remissionsrate von 27 Prozent im Vergleich zu 12 Prozent bei reiner Schlafhygiene-Edukation. Die mittlere Differenz der SchlafqualitĂ€t betrug 6,36 Punkte.

Zudem zeigte eine randomisierte, scheinkontrollierte Studie mit 72 Erwachsenen zur kontinuierlichen Theta-Burst-Stimulation (cTBS) auf das Kleinhirn bei 75 Prozent der aktiv behandelten Gruppe eine Verbesserung von mindestens 3 Punkten im Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI), verglichen mit 33,3 Prozent in der Scheingruppe. Trotz solcher apparativen AnsÀtze bleibt die KVT-I die unangefochtene Erstbehandlung.

Alltagsbelastungen und Grenzen digitaler MessgerÀte

HĂ€ufige Auslöser fĂŒr Schlafprobleme sind alltĂ€glicher Natur. Eine bundesweite Umfrage des Bettenherstellers Swiss Sense ergab, dass fĂŒr 85 Prozent der Menschen in Deutschland SchlafqualitĂ€t extrem wichtig ist, Sorgen mit 55,7 Prozent jedoch den Hauptstörfaktor darstellen. Zudem gaben 63,9 Prozent der befragten Frauen und 47,4 Prozent der MĂ€nner gravierende Einschlafprobleme durch beruflichen Stress und private Pflichten an.

Anzeige

Wer im Hamsterrad aus beruflichem Stress und privaten Verpflichtungen feststeckt, findet oft nachts keine Ruhe. Erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book, welche Sofortmaßnahmen Ihnen helfen, den Kopf frei zu bekommen und eine gesunde Balance zu finden. 5 Strategien fĂŒr mehr Gelassenheit und besseren Schlaf entdecken

Auf Schlaftracker und Wearables, die laut der Umfrage von 36 Prozent der Befragten genutzt werden, ist aus medizinischer Sicht jedoch nur bedingt Verlass. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Schlafforschung und Schlafmedizin betont, dass Wearables das Schlafverhalten nur unzureichend abbilden und sich nicht zur Diagnose von Insomnie oder Schlafapnoe eignen.

Eine Vergleichsstudie belegte zwar eine verlĂ€ssliche Unterscheidung zwischen Wach- und Schlafphasen, wies jedoch deutliche Abweichungen von der Polysomnographie bei einzelnen Schlafstadien nach. Zudem birgt die stĂ€ndige SchlafĂŒberwachung das Risiko einer Orthosomnie – einer ungesunden Fixierung auf Schlafdaten, deren PrĂ€valenz in Studien zwischen 3,0 und 14,0 Prozent liegt.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70418803 |