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Smart Glasses: EU-Datenschutzausschuss warnt vor heimlichen Aufnahmen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 21:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Datenschutzausschuss empfiehlt technische Schutzmaßnahmen und betont die DSGVO-Pflichten bei Aufnahmen mit Smart Glasses.

EDPB warnt vor heimlichen Aufnahmen mit vernetzten Brillen
Eine belebte, verschwommene Menschenmenge auf einem öffentlichen Stadtplatz in der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) hat in einer offiziellen Stellungnahme vor den Gefahren heimlicher Bild- und Tonaufnahmen durch vernetzte Brillen gewarnt.

Nach Angaben der Behörde sehen viele sogenannte Smart Glasses gewöhnlichen Sehhilfen täuschend ähnlich, verfügen jedoch über integrierte Kameras, Mikrofone und einen Internetzugang. Dadurch bestehe das Risiko, dass Personen im öffentlichen Raum ohne ihr Wissen gefilmt oder abgehört werden. Die Vorsitzende des Gremiums, Anu Talus, verwies in diesem Zusammenhang auf schwerwiegende Bedenken für die Privatsphäre und den Datenschutz.

Klare Signale und technische Vorgaben gefordert

Um den Schutz unbeteiligter Personen zu gewährleisten, verlangt der Datenschutzausschuss verlässliche und schwer zu ignorierende Warnsignale während eines Aufnahmevorgangs.

Neben optischen Indikatoren wie blinkenden Lichtern empfiehlt das Gremium akustische Alarmsignale, wahrnehmbare Sprachbefehle zur Aktivierung der Aufnahmefunktion sowie Benachrichtigungen auf Smartphones in unmittelbarer Umgebung.

Zudem wird ein auffälligeres Design der Geräte sowie die Begrenzung von Daueraufnahmen und Livestreams vorgeschlagen. Weitere empfohlene Schutzmaßnahmen umfassen das automatische Verpixeln von Passanten, Geofencing und technische Barrieren gegen unbedachte Aufnahmen.

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Hersteller und Anbieter verbundener Dienste, einschließlich KI-Anwendungen, dürfen die Transparenzpflichten nach Ansicht der Behörde nicht einfach auf die Nutzenden abwälzen. Der Ausschuss mahnt die Umsetzung von Datenschutz durch Technikgestaltung (Privacy by Design) und Datenschutz-Folgenabschätzungen vor der Markteinführung an.

Rechtliche Pflichten nach der DSGVO

Für die Verarbeitung personenbezogener Daten verweist der EDPB auf die Vorgaben von Artikel 6 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Aufnahmen bedürfen einer konkreten Rechtsgrundlage, etwa einer informierten Einwilligung der Betroffenen oder eines berechtigten Interesses, das gegen deren Rechte abzuwägen ist. Die Einhaltung dieser Vorgaben stelle in der Praxis eine erhebliche Herausforderung dar.

Werden Aufnahmen öffentlich geteilt oder im Rahmen beruflicher sowie politischer Aktivitäten genutzt, gelten Nutzer selbst als datenschutzrechtlich Verantwortliche.

Die sogenannte Haushaltsausnahme greife laut dem Ausschuss nur bei rein privaten Anwendungen wie der Nutzung im Freundes- oder Familienkreis und müsse eng ausgelegt werden. Das Teilen von Aufnahmen über ein öffentlich zugängliches Social-Media-Konto an eine unbestimmte Zahl von Personen sei von dieser Ausnahme nicht gedeckt.

Besondere Risiken sieht die Behörde an sensiblen Orten wie Schulen, medizinischen Einrichtungen, Umkleidekabinen, Schwimmbädern, Stränden oder Toiletten sowie bei der Überwachung von Arbeitsplätzen. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Gesichts- und Stimmerkennung entstünden grundlegende Fragen für die Freiheit im öffentlichen Raum.

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Wachsender Markt und erste Verbote

Die Empfehlung ist rechtlich nicht bindend, dient jedoch den Aufsichtsbehörden der 27 EU-Mitgliedstaaten als Richtschnur für Prüfungen und Bußgelder; in Deutschland ist unter anderem die Bundesnetzagentur mit der Durchsetzung befasst. Die Stellungnahme stützt sich unter anderem auf eine Untersuchung des Soziologen Yann Bruna von der Universität Paris-Nanterre, die im September 2026 fertiggestellt wurde.

Die Warnung erfolgt vor dem Hintergrund rasant steigender Absatzzahlen: Die Ray-Ban-Brille von Meta verkaufte sich im Jahr 2025 weltweit 7 Millionen Mal. Zwar verfügt das Gerät über eine Aufnahme-LED, die nach Unternehmensangaben nicht abschaltbar und gegen Manipulation geschützt ist, Kritiker verweisen jedoch auf einfache Möglichkeiten zur Abdeckung.

Zudem bereiten Google und Snap eigene KI-Modelle vor, Samsung und Google kündigten ein Gemeinschaftsprojekt für später in diesem Jahr an, und Apple plant Berichten zufolge ein eigenes Gerät bis Ende 2027. Erste Reaktionen zeigen sich bereits: Norwegen kündigte in der Vorwoche Verbote für Kamera-Brillen an ausgewählten Orten wie Schulen, Stränden und Museen an, während in Großbritannien und Irland eine Petition gegen Smart Glasses bereits über 10.000 Unterschriften verzeichnet.

Mehr zum Thema bei n-tv: „Müsste klare Warnung an Andere geben: EU-Datenschutzbehörde warnt vor heimlichen Filmaufnahmen durch Smart …“

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