Smartphone-Ortung: 54% der Deutschen lehnen Standort-Teilen ab
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 07:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das permanente Teilen des eigenen Aufenthaltsorts über das Smartphone wird zunehmend kritisch hinterfragt. Wie unter anderem das Handelsblatt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Berichten vom 23. September 2026 darlegen, diskutieren Experten aus Kriminalprävention, Wissenschaft und Netzpolitik die Frage, ob das ständige Übermitteln von Geodaten für Nutzer tatsächlich einen Sicherheitsgewinn bedeutet oder vielmehr neue Risiken birgt.
Verbreitung in Partnerschaften und Familien
Die Praxis ist in vielen Haushalten und Partnerschaften bereits weit verbreitet, stößt bei der Mehrheit der Bevölkerung jedoch auf Skepsis. Nach einer Befragung des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 1.400 Personen haben 14 Prozent der Befragten in einer Partnerschaft ihren Standort dauerhaft geteilt.
In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen betrifft dies fast jeden Vierten. Gleichzeitig sprechen sich 54 Prozent der Befragten grundsätzlich gegen das Teilen des Standorts aus.
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Ein noch ausgeprägteres Bild zeigt sich bei der digitalen Beaufsichtigung von Heranwachsenden. Einer landesweiten Haushaltsbefragung der Universität Michigan zufolge trackt etwa die Hälfte der Eltern ihre Kinder im Alter von 18 bis 25 Jahren über Smartphones oder entsprechende Endgeräte, der Großteil davon sogar dauerhaft.
Allerdings führt dies nicht zwingend zu Entlastung: Knapp ein Viertel der befragten Eltern gab an, dass die ständige Standortüberwachung sie bisweilen eher beunruhige.
Zweifel an realem Schutz und psychologische Effekte
Sicherheitsexperten und Wissenschaftler betrachten den Nutzen der Technik für den Ernstfall mit Vorbehalt. Martina Plackmann, Sprecherin der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, gab zu bedenken, dass das Teilen von Positionsdaten vor allem die gefühlte Sicherheit steigere, im Ergebnis jedoch auch nur eine gefühlte Sicherheit mit sich bringe.
In dieselbe Richtung argumentiert Christian Schicha, Professor für Medienethik an der Universität Erlangen. Aus seiner Sicht könne die Technik bestehende Sicherheitsprobleme im Kern nicht lösen.
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Technische Risiken bei Apps und Überwachungsszenarien
Neben dem psychologischen Aspekt verweisen Beobachter auf handfeste datenschutzrechtliche Gefahren. Markus Reuter von der Plattform Netzpolitik.org wies darauf hin, dass private Überwachungsmuster letztlich auch staatlichen Kontrollmechanismen in die Hände spielen könnten.
Reuter machte zudem deutlich, dass moderne Mobiltelefone Standortdaten mitunter an 30 Anwendungen übertragen. Bei Smartwatches von Kindern seien Positionsdaten in der Vergangenheit teilweise sogar frei im Internet abrufbar gewesen.
Differenziert beurteilt Stefan Katzenbeisser, Professor für Datenschutz an der Universität Passau, die Lage bei den Technologiekonzernen. Nach seiner Einschätzung gilt eine unkontrollierte Weitergabe der Daten durch marktbeherrschende Plattformbetreiber wie Apple oder Google als unwahrscheinlich. Bei kleineren App-Anbietern stelle sich die Situation hinsichtlich des Schutzes der sensiblen Geodaten jedoch anders dar.
