Smartphone-Zahlungen, Deutschen

Smartphone-Zahlungen: 55% der Deutschen trauen digitalen Transaktionen

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

92 Prozent der Eurozonen-Unternehmen akzeptieren weiterhin Bargeld. Die EZB treibt den digitalen Euro voran, ohne das physische Geld zu verdrängen.

EZB-Studie: Bargeld bleibt im Euroraum trotz Digitalisierung dominierend
Eine Hand reicht an einer modernen Ladenkasse Euro-Banknoten, während daneben ein digitales Kartenterminal bereitsteht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle Untersuchung der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Zahlungsmittelakzeptanz im Euroraum belegt eine weiterhin starke Position des Bargelds im Geschäftsalltag. Trotz der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung am Point of Sale akzeptieren derzeit 92 Prozent der Unternehmen in den 21 Mitgliedstaaten der Eurozone physisches Geld.

Die Erhebung, die im Zeitraum vom 23. Februar bis zum 10. April 2026 unter 8.205 Betrieben durchgeführt wurde, verdeutlicht jedoch auch die wachsenden Herausforderungen für die Bargeldnutzung durch technische Neuerungen.

Die EZB mahnte in diesem Zusammenhang, dass die zunehmende Automatisierung im Einzelhandel Bargeld nicht verdrängen dürfe. Den Daten zufolge haben bereits 25 Prozent der befragten Unternehmen in bargeldlose Kassensysteme investiert. Etwa 13 Prozent der Betriebe setzen auf Selbstbedienungskassen (SB-Kassen), wobei 48 Prozent dieser Systeme ausschließlich digitale Zahlungen unterstützen und keine Annahme von Scheinen oder Münzen ermöglichen.

Regionale Unterschiede und langfristige Planung

Die Bereitschaft, auch in Zukunft an der Bargeldakzeptanz festzuhalten, ist bei den Unternehmen hoch. Rund 92 Prozent der befragten Betriebe planen, Bargeld auch in den kommenden fünf Jahren als Zahlungsmittel zuzulassen. Dennoch zeigen sich deutliche regionale Divergenzen innerhalb der Eurozone.

Während in Deutschland weniger als 10 Prozent der Unternehmen eine Abkehr vom Bargeld in Erwägung ziehen, ist die Skepsis im Südosten Europas teils höher. In Zypern gaben 51 Prozent der befragten Unternehmen an, die Bargeldakzeptanz eventuell nicht fortzuführen; in Griechenland sind es 23 Prozent und in Bulgarien 18 Prozent.

Parallel dazu wächst die Akzeptanz digitaler Lösungen stetig. Die Kartenakzeptanz im Euroraum lag bereits im Jahr 2024 bei 88 Prozent. Ein deutlicher Sprung ist bei mobilen Zahlungen zu verzeichnen: Während 2024 erst 36 Prozent der Unternehmen solche Transaktionen ermöglichten, stieg dieser Anteil bis Mitte 2026 auf 68 Prozent.

Der digitale Euro als strategische Ergänzung

Angesichts der Dominanz außereuropäischer Zahlungsdienstleister treibt die EZB die Pläne für eine eigene digitale Währung voran. Derzeit decken die US-Anbieter Visa und Mastercard rund 61 Prozent der Kartenzahlungen im Euroraum ab. Etwa zwei Drittel aller Transaktionen laufen über Dienstleister aus den Vereinigten Staaten.

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Der EZB-Vorstand Burkhard Balz verwies darauf, dass eine Entscheidung über den digitalen Euro noch im Jahr 2026 fallen soll. Er beschrieb die geplante Digitalwährung als digitalen Zwilling des Bargelds, der die bestehenden Zahlungsmittel ergänzen, aber keinesfalls ersetzen solle.

Der aktuelle Zeitplan sieht Verhandlungen bis zum Jahresende und einen Pilotbetrieb im Jahr 2027 mit 36 beteiligten Dienstleistern vor. Mit einer offiziellen Einführung des digitalen Euro wird für das Jahr 2029 gerechnet. Flankierend dazu vernetzen Initiativen wie EuroPA oder die European Payments Initiative (EPI) bereits Systeme für rund 380 Millionen Nutzer in 15 Ländern, um die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr zu stärken.

Sicherheit und regulatorische Rahmenbedingungen

Die Akzeptanz digitaler Zahlungsverfahren korreliert mit einem steigenden Sicherheitsvertrauen der Verbraucher. Laut einer Forsa-Umfrage unter 1.010 Erwachsenen halten 55 Prozent der Befragten Zahlungen per Smartphone für sicher, was einem Zuwachs von sechs Prozentpunkten innerhalb der letzten zwei Jahre entspricht. Dabei nutzen 73 Prozent der Befragten eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) und 55 Prozent biometrische Verfahren zur Absicherung ihrer Konten.

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Auf politischer Ebene zeichnen sich ebenfalls Änderungen ab. Die Bundesregierung plant, die Papierbonpflicht zum 1. Januar 2028 abzuschaffen und durch digitale Belege zu ersetzen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisierte dieses Vorhaben jedoch als unzureichend und forderte unter Berufung auf den Koalitionsvertrag die vollständige Aufhebung jeglicher Belegpflicht.

Experten mahnen zudem die verfassungsrechtliche Absicherung des Bargelds an, um die Anonymität im Zahlungsverkehr zu wahren. Ein Ökonom warnte davor, dass die Kombination von Zahlungs- und Bewegungsdaten zur Entstehung eines gläsernen Bürgers führen könnte.

Bargeld stelle in diesem Kontext die letzte verbleibende Möglichkeit für anonyme Transaktionen dar. Zur Sicherung der Währungsstabilität verteidigte die EZB zudem die Lagerung von Goldreserven an internationalen Handelsplätzen wie New York und London, da die physische Verfügbarkeit dort für die Handlungsfähigkeit am Markt essenziell sei.

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