Smartphones, Visier

Smartphones im Visier: 78 Prozent aller Bedrohungen sind Scams

Veröffentlicht: 05.07.2026 um 07:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Betrüger erbeuten mit KI-Fakes und manipulierten Rechnungen Millionen. Smartphones sind Hauptziel, Apple plant neue Schutzmechanismen.

Cyberbetrug auf Rekordniveau: Deepfakes und IBAN-Tricks bedrohen Verbraucher
Nahaufnahme einer Hand, die ein Smartphone mit einer manipulierten digitalen Rechnung und geänderten Bankdaten hält. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kriminelle kombinieren technische Tricks mit psychologischer Manipulation. Aktuelle Fälle aus Kommunen und dem Privatsektor zeigen das ganze Ausmaß.

68.000 Euro weg: So einfach tricksten Betrüger die Stadt Kiel aus

Ein aktueller Fall aus Schleswig-Holstein macht sprachlos. Die Stadt Kiel überwies Ende Mai 68.000 Euro an Kriminelle. Die Täter hatten eine Dienstleister-Rechnung abgefangen und die IBAN ausgetauscht.

Solche „IBAN-Tausch“-Fälle häufen sich bundesweit. Die Schadenssummen variieren stark: von 2.200 Euro in kleinen Gemeinden bis zu 400.000 Euro in Nordrhein-Westfalen im Frühjahr 2025.

Die rechtliche Lage ist für Betroffene brutal. Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein entschied bereits 2024: Wer auf ein manipuliertes Konto zahlt, tilgt seine Schuld nicht. Unternehmen und Behörden haften zudem nach DSGVO-Artikel 82, wenn die E-Mail-Kommunikation nicht ausreichend verschlüsselt war.

Experten raten: Kontoverbindungen bei Erstkontakten oder plötzlichen Änderungen immer telefonisch über bekannte Nummern prüfen.

212 Millionen Euro Schaden: Deepfakes werden zur Gefahr

Die Kriminellen setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg verzeichnete für 2025 einen Rekordschaden von 212 Millionen Euro durch Deepfake-Betrug. Die Dunkelziffer? Ermittler schätzen sie auf rund eine Milliarde Euro.

Besonders perfide: KI-generierte Videos mit angeblichen Investmenttipps von Prominenten. Ein 51-Jähriger aus dem Pongau verlor so 40.000 Euro. Er klickte auf ein gefälschtes Video, investierte – und bekam sein Geld nie zurück. Auf der Plattform sah er zwar einen scheinbaren Gewinn von 170.000 Euro, doch die Auszahlung wurde verweigert. Stattdessen forderten die Täter weitere Zahlungen.

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Auch TV-Arzt Eckart von Hirschhausen wurde schon Opfer solcher Identitätsdiebstähle. Sein KI-generiertes Abbild verkaufte angebliche Wundermittel.

Smartphones im Visier: 78 Prozent aller Bedrohungen sind Scams

Die Gefahr verlagert sich zunehmend auf Mobilgeräte. Laut Sicherheitsunternehmen Norton waren zwischen Januar und April 2026 über 78 Prozent der blockierten Bedrohungen auf deutschen Smartphones Scams.

In Dänemark registrierte die Polizei im Juni 2026 mit 1.367 Anzeigen einen Rekordwert bei betrügerischen SMS. Die Täter geben sich als Parkplatzbetreiber oder medizinische Dienste aus.

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Ein besonders dreister Fall aus Osttirol: Das Opfer landete auf einer gefälschten Website, dann folgte ein Schockanruf eines angeblichen Bankmitarbeiters. Der Druck war so groß, dass das Opfer Transaktionen freigab.

Apple plant Gegenwehr – und Behörden warnen vor neuen Fallen

Apple reagiert auf die steigenden Social-Engineering-Zahlen. Das neue Framework „Trust Insights“ soll auf dem Gerät lokal Verhaltensmuster analysieren. So will der Konzern Betrugsversuche bei Banktransaktionen oder Support-Anrufen frühzeitig erkennen.

Parallel warnen Verbraucherschützer und das Landeskriminalamt vor überteuerten Drittanbieter-Websites für Post-Nachsendeaufträge. Die verlangen oft über 100 Euro – offiziell kostet der Service knapp 32 Euro. Rund 350.000 solcher Aufträge laufen jährlich über inoffizielle Kanäle.

Auch vor angeblichen „Sommer-Klimabeihilfen“ der Bundesregierung wird gewarnt. Die E-Mails dienen nur dem Datendiebstahl. Die Sparkassen-Finanzgruppe warnt zudem vor einer „250-Euro-Falle“: Mit kleinen Einstiegssummen locken Betrüger in kriminelle Krypto-Anlagen.

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