Smartwatch-Screening, Google-KI

Smartwatch-Screening: Google-KI erkennt Bluthochdruck ohne Manschette

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 15:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie an fĂŒnf US-Zentren untersuchte das passive Screening; die Forschenden betonen den experimentellen Charakter und die Grenzen.
Ein steriler, leerer medizinischer Untersuchungsraum mit moderner technischer Ausstattung. Illustration mit AI erstellt.

Google Research hat am 5. November 2026 gemeinsam mit dem Beth Israel Deaconess Medical Center und der Harvard Medical School eine neue Methode zur FrĂŒherkennung von Hypertonie im Fachjournal Nature vorgestellt. Das entwickelte System mit der Bezeichnung AI-PPG-ACC-HTN nutzt Photoplethysmographie- (PPG) und Beschleunigungssensoren handelsĂŒblicher Smartwatches. Es erkennt Anzeichen von Bluthochdruck rein passiv im Hintergrund, ohne dass dafĂŒr eine regelmĂ€ĂŸige Kalibrierung ĂŒber eine herkömmliche Blutdruckmanschette erforderlich ist.

Zweistufiges Verfahren auf Basis von Sensordaten

Vorgestellt wurde der Ansatz von den Forschern Paolo Di Achille und Ming-Zher Poh. Das System stĂŒtzt sich auf ein zweistufiges Verfahren: ZunĂ€chst wurde das Basismodell mittels kontrastivem, selbstĂŒberwachtem Lernen auf einem Datensatz von 492.347 Stunden ungelabelter Sensordaten trainiert, die von 2.109 Personen stammten.

Im laufenden Betrieb analysiert der Algorithmus die Sensorsignale in 15-Sekunden-Fenstern. Zusammen mit der KörpergrĂ¶ĂŸe der tragenden Person werden die Messungen ĂŒber mehrere Tage hinweg aggregiert. Über eine logistische Regression berechnet das System keine konkreten systolischen oder diastolischen Millimeter-QuecksilbersĂ€ule-Werte, sondern ermittelt eine Wahrscheinlichkeitsbewertung fĂŒr das Vorliegen von Bluthochdruck.

Klinische ÜberprĂŒfung im Vergleich zur Standarddiagnostik

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Die Validierung erfolgte in einer Studie an fĂŒnf US-Zentren mit 196 Erwachsenen, die weder an bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten noch blutdrucksenkende Medikamente einnahmen. Die Teilnehmenden trugen das GerĂ€t sieben Tage lang. Als klinische Referenz diente eine standardmĂ€ĂŸige 24-Stunden-Langzeitblutdruckmessung (ABPM).

Beim initialen Screening erreichte das KI-System eine SensitivitÀt von 65,8 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall: 54,0 bis 76,3 Prozent) und eine SpezifitÀt von 90,0 Prozent (83,2 bis 94,7 Prozent). Der positive Vorhersagewert lag bei 80,6 Prozent.

Zum Vergleich: Eine einzelne Messung in einer Arztpraxis wies bei der gleichen SpezifitÀt von 90,0 Prozent eine SensitivitÀt von 55,3 Prozent und einen Vorhersagewert von 77,8 Prozent auf, wobei der Unterschied zur Smartwatch statistisch nicht signifikant war.

Bei einer Teilgruppe von 48 Personen mit erhöhtem Erstwert in der Praxis erzielte die Smartwatch eine SensitivitÀt von 78,4 Prozent, eine SpezifitÀt von 90,9 Prozent und einen positiven Vorhersagewert von 96,7 Prozent.

Eine wiederholte Praxismessung kam in dieser Gruppe auf Werte von 67,6 Prozent SensitivitÀt, 63,6 Prozent SpezifitÀt und 86,2 Prozent Vorhersagewert, wÀhrend eine mehrtÀgige Heimmessung Werte von 89,2 Prozent, 81,8 Prozent beziehungsweise 94,3 Prozent erreichte.

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Trotz der Ergebnisse weisen die beteiligten Wissenschaftler auf wesentliche EinschrĂ€nkungen hin: Das System verfehlt rund ein Drittel der tatsĂ€chlichen FĂ€lle von Bluthochdruck. Erkenntnisse aus der Untersuchung flossen zwar in die Trendfunktion „Health Guardian“ der Google-Health-App ein, die Autoren betonen jedoch den rein explorativen Charakter der Arbeit.

Das Werkzeug diene als Machbarkeitsnachweis fĂŒr ein opportunistisches Screening und solle Personen im Verdachtsfall lediglich zu einer rechtzeitigen Ă€rztlichen Konsultation anregen. Es stelle weder eine eigenstĂ€ndige Diagnose dar noch ersetze es die medizinische Manschettenmessung.

Google Research unterstrich, dass es sich um reine Grundlagenforschung handle, fĂŒr die weder eine behördliche Zulassung noch eine konkrete kommerzielle GerĂ€tefunktion existiere oder geplant sei.

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