Smartwatch-Studie, Kalorienverbrauch

Smartwatch-Studie: Kalorienverbrauch wird um bis zu 25% überschätzt

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine FIU-Studie zeigt deutliche Messfehler bei Smartwatches, während neue Sensoren und Langzeitdaten zusätzliche Gesundheitsanalysen ermöglichen.

Wearables im Check: Smartwatches überschätzen Kalorienverbrauch
Ein modernes, minimalistisches sportwissenschaftliches Labor mit professionellen Diagnosegeräten und einem Laufband. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen werfen ein kritisches Licht auf die Verlässlichkeit von Fitnessdaten, die durch marktgängige Wearables erhoben werden.

Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlichte Studie der Florida International University (FIU) belegt, dass Smartwatches den Kalorienverbrauch ihrer Nutzer systematisch überschätzen. Die Analyse der Daten zeigt signifikante Abweichungen, die je nach Hersteller und physiologischen Voraussetzungen der Nutzer variieren.

Erhebliche Differenzen bei gängigen Modellen

In der FIU-Studie wurden 58 hispanische Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren untersucht. Im Fokus standen vier verbreitete Modelle: die Apple Watch Series 8, die Fitbit Sense 2, die Samsung Galaxy Watch 5 sowie die Garmin Forerunner 955. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Geräte den Energieverbrauch im Median um 15 bis 25 Prozent zu hoch ansetzten.

Im direkten Vergleich mit Laborwerten lieferte die Garmin-Watch eine durchschnittliche Überschätzung von 69 Kilokalorien. Bei der Samsung Galaxy Watch 5 lag dieser Wert bei 57 Kilokalorien, während die Apple Watch mit einer Abweichung von 22 Kilokalorien die präzisesten Ergebnisse innerhalb der Testgruppe lieferte.

Besonders auffällig zeigten sich die Messfehler bei der Fitbit Sense 2; hier dokumentierten die Forscher bei sieben einzelnen Messungen Abweichungen von über 450 Prozent gegenüber dem Referenzwert. Marktexperten beobachten bereits seit längerem, dass Fehlerquoten beim Kalorienverbrauch häufig die Marke von 30 Prozent überschreiten.

Einfluss physiologischer Faktoren auf die Datenqualität

Die Präzision der Messergebnisse scheint zudem stark von der körperlichen Konstitution der Probanden abzuhängen. Die Forscher der FIU stellten fest, dass die Messungen ungenauer wurden, sobald der Körperfettanteil der Testpersonen anstieg. Trotz dieser Einflüsse wurde die Apple Watch insgesamt als das genaueste Gerät im Testfeld bewertet.

Auch andere Hersteller kämpfen mit technischen Limitierungen bei der Erfassung von Vitaldaten. So zeigen Tests der Xiaomi Watch S5, dass die Pulsmessung bei hoher körperlicher Belastung Abweichungen von bis zu 40 Schlägen pro Minute aufweisen kann.

Branchenexperten raten daher dazu, insbesondere die Werte zur Sauerstoffsättigung (SpO2) und den geschätzten Kalorienverbrauch mit Vorsicht zu interpretieren, während Trends bei der Herzfrequenzvariabilität (HRV) oder der Ruhepuls als aussagekräftiger gelten.

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Fortschritte bei Biomarkern und Blutdruckmessung

Parallel zur Kritik an der Kalorienmessung treiben Forschungseinrichtungen und Hersteller die Integration komplexerer Sensoren voran. Die Universität von Kalifornien in San Diego stellte Anfang September 2026 einen Prototyp des Smart Rings „CHARM“ vor. Das 5,1 Gramm schwere Gerät ist in der Lage, bis zu vier von sechs Biomarkern – darunter Glukose, Ketone, Vitamin C, Harnsäure, Laktat und Alkohol – kontinuierlich aus dem Fingerschweiß zu messen.

Bei der Glukosemessung erreichte das System eine mittlere absolute relative Abweichung von 13,72 Prozent, wobei die Genauigkeit bei gesunden Probanden mit 6,14 Prozent deutlich höher lag als bei Diabetikern mit 17,05 Prozent.

Im Bereich der Blutdruckmessung setzt Huawei mit der Watch D3 auf eine integrierte Manschette für eine 24-Stunden-Überwachung. Das Gerät verfügt über eine CE-Kennzeichnung und ermöglicht Messungen in Intervallen von 15 bis 30 Minuten. Damit bewegt sich die Branche weg von rein optischen Schätzverfahren hin zu medizinisch zertifizierten Hardware-Lösungen.

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Langzeitbeobachtung und biologisches Alter

Neben der punktuellen Genauigkeit rückt die Analyse langfristiger Datenmuster in den Fokus der Wissenschaft. Eine im September 2026 in Nature Communications veröffentlichte Harvard-Studie untersuchte die Daten von 2222 Fitnesstrackern. Die Analyse deutet darauf hin, dass ein stabiler Tag-Nacht-Rhythmus eng mit einem besseren biologischen Alter verknüpft ist.

Die Forscher stellten fest, dass eine späte Aktivitätsspitze am Tag mit einem um 22 Prozent erhöhten Risiko für ein beschleunigtes Altern einhergeht. Bei Frauen korrelierte ein stabiler Rhythmus mit einem um 15 Prozent reduzierten Risiko für Alterungsprozesse.

Obwohl die Studie keinen direkten Kausalnachweis liefert, unterstreicht sie das Potenzial von Wearables für die präventive Gesundheitsüberwachung, sofern die Nutzer die Grenzen der Messgenauigkeit berücksichtigen.

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