SMS, Death

SMS of Death: 8-Byte-Nachricht kann Android-Anrufe unterbrechen

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 19:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Google stuft den Fehler als Nicht-Sicherheitsproblem ein und plant keine Korrektur; mögliche Datenbankfolgen sind noch nicht unabhängig bestätigt.
Ein großer, silhouettierter Mobilfunkmast vor einem Dämmerungshimmel bei Abendlicht. Illustration mit AI erstellt.

Der Sicherheitsforscher Mark Blaszczyk hat technische Details und einen Machbarkeitsnachweis für eine DoS-Schwachstelle in Android publiziert, die unter der Bezeichnung „SMS of Death“ bekannt geworden ist. Über eine speziell manipulierte WAP-Push-Nachricht lässt sich der zentrale Telefonieprozess des Betriebssystems ohne jede Nutzerinteraktion zum Absturz bringen.

Wie Berichte vom 29. Oktober 2026 zeigen, werden dadurch laufende Telefongespräche inklusive Notrufen unmittelbar unterbrochen. Für einen Angriff ist lediglich die Telefonnummer des Zielgeräts erforderlich.

Fehlerhafte Längenprüfung im Telefonie-Stack

Die Schwachstelle beruht auf einem Verarbeitungsfehler innerhalb der AOSP-Komponente frameworks/opt/telephony in der Funktion WapPushOverSms.decodeWapPdu. Bei der Verarbeitung eingehender Daten liest das System die Länge des WSP-Headers als vorzeichenlosen Integer-Wert aus. Diese Angabe wird anschließend ohne vorherige Bereichsprüfung in einen vorzeichenbehafteten 32-Bit-Integer konvertiert.

Wird ein vorbereiteter 5-Byte-Header mit dem Wert 88 80 80 80 00 übermittelt, dekodiert dieser zu 0x80000000, was dem Wert -2147483648 entspricht. Bei dem anschließenden Versuch, ein Byte-Array mit dieser negativen Größe zu initialisieren, löst das System eine NegativeArraySizeException aus. Dies führt zum sofortigen Absturz des zentralen Telefonieprozesses com.android.phone.

Der für den Angriff genutzte Daten-Payload ist lediglich 8 Byte groß und wird als Daten-SMS gezielt an den WAP-Push-Port 2948 gesendet. Da es sich um eine Datenübertragung handelt, erscheint die Nachricht nicht im regulären Posteingang des Nutzers, und auch die Absendernummer bleibt für das Opfer unsichtbar.

Folgen für die Erreichbarkeit und Notrufe

Ein einzelner Prozessabsturz führt zu einem Ausfall der Telefoniefunktion von 1–2 Sekunden, wobei laufende Gespräche mit dem Trennungsgrund CS_DEATH abbrechen. Da Mobilfunknetzbetreiber unbestätigte Nachrichten typischerweise wiederholt zustellen, können diese automatischen Zustellversuche über einen Zeitraum von bis zu einer Woche intermittierende Störungen nach sich ziehen.

Laut den Analysen von Blaszczyk genügen rund 20 Nachrichten, um ein Telefon für längere Zeit unbrauchbar zu machen. Werden rund 20–30 Nachrichten in sehr kurzer Abfolge gesendet, führe dies über eine Race Condition zur Korruption der internen SQLite-SMS-Datenbank. In der Folge stürzt der Telefonieprozess bei jedem Systemstart erneut ab.

Eine unabhängige Verifikation dieser Datenbankbeschädigung steht nach Berichten vom 29. Oktober 2026 allerdings noch aus; zudem belegen die bisherigen Tests des Forschers nicht, wie viele Gerätemodelle konkret betroffen sind.

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Die Störung von Notrufen besitzt besondere Brisanz: Australische Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, Geräte ohne funktionierenden Zugang zur Notrufnummer Triple Zero zu identifizieren und binnen 28 Tagen zu sperren; Telstra blockiert entsprechende Telefone bereits. Das Betriebssystem Android 17 bietet zwar Schutzmechanismen gegen 2G-Downgrades und SMS-Blaster, der zugrundeliegende Parsing-Fehler im System wird davon jedoch nicht erfasst.

Einstufung durch Google und Gegenmaßnahmen

Blaszczyk hat den Quellcode für den Exploit unter der Apache-2.0-Lizenz auf GitHub bereitgestellt und gibt die Gültigkeit für Android 11 und neuere Versionen an. Er hielt die technischen Details nach eigenen Angaben deutlich länger als die übliche 90-Tage-Frist des Programms zur Offenlegung von Schwachstellen zurück. In den zwölf Monaten zuvor hatte er rund 85 Schwachstellenberichte an die Sicherheitsinitiativen von Android und Google eingereicht.

Google stufte die Meldung nach Berichten vom 29. Oktober 2026 endgültig als Nicht-Sicherheits-Problem ein und verzichtete auf eine Behebung sowie auf die Vergabe einer Kennung, da der Fall die internen Schwellenwerte für den Schweregrad nicht erreiche. Dabei hatte Google denselben Absturz in der Komponente WapPushOverSms bereits im Jahr 2013 als DoS-Problem behandelt.

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Eine Behebung auf betroffenen Geräten gestaltet sich schwierig: Ein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen hilft nur vorübergehend, da Netzbetreiber ausstehende Nachrichten erneut ausliefern.

Als Notlösung empfiehlt sich das Einlegen einer physischen SIM-Karte in ein Nicht-Android-Gerät wie ein iPhone, um dort die Nachrichten abzuarbeiten, oder das manuelle Löschen per Entwicklerschnittstelle ADB. Bei Geräten mit fest verbauter eSIM ist eine solche Wiederherstellung kaum durchführbar.

Die Bezeichnung „SMS of Death“ knüpft an eine historische Sicherheitsanalyse an: Der Begriff geht auf einen Vortrag von Collin Mulliner und Nico Golde auf dem Sicherheitskongress 27C3 aus dem Jahr 2010 zurück.

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