SMS-Phishing +146%: Betrüger attackieren Millionen Bankkunden
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 17:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verbraucherschützer warnen vor massiven Phishing-Angriffen auf Commerzbank- und Sparkassen-Kunden. Die Betrüger geben sich als Sicherheitsupdates aus und fordern zur Preisgabe von Zugangsdaten auf.
Manipulation per Zeitdruck
In den vergangenen Tagen häufen sich betrügerische E-Mails im Namen der Commerzbank. Die Täter verlangen eine angebliche Neuregistrierung der photoTAN – und bauen massiv Zeitdruck auf. Ein Link führt auf eine gefälschte Anmeldeseite, die die Zugangsdaten abgreift.
Parallel dazu läuft eine ähnliche Kampagne gegen Sparkassen-Kunden. Hier täuschen die Angreifer ein Sicherheitsupdate vor und drohen mit sofortiger Kontosperrung. Die Mails stammen laut Analysen von der Domain „ashoj.com“. Die Links leiten auf manipulierte Seiten weiter, die das chipTAN-Verfahren imitieren.
Auch Kunden der ING, der easybank sowie der Deutschen Rentenversicherung und der AOK sind betroffen. Die Betrüger erschleichen sich nicht nur Login-Daten, sondern auch Bestätigungen für Terminüberweisungen.
Explosionsartiger Anstieg der Cyberkriminalität
Die aktuellen Angriffe sind Teil einer besorgniserregenden Entwicklung. Im ersten Halbjahr 2026 stieg SMS-Phishing um 146 Prozent, Online-Betrug um 134 Prozent. Angriffe mit Fernzugriffstrojanern legten um 69 Prozent zu. Allein im zweiten Quartal erreichte das weltweite Phishing-Volumen rund 7,6 Milliarden Nachrichten. Jede dritte unerwünschte E-Mail hat inzwischen einen Phishing-Hintergrund.
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Ermittlungsbehörden konnten immerhin einen Erfolg verbuchen. Im Juli zerschlugen BKA und FBI die kriminelle Plattform „Kratos“. Über das Netzwerk mit rund 200 Servern liefen monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen für rund 1.800 Abonnenten. In Indonesien nahmen die Ermittler einen mutmaßlichen Entwickler fest.
Täter werden professioneller
Die Bedrohungslage verschärft sich durch KI-gestützte Tools und fortschrittliche Schadsoftware. Experten identifizierten den Trojaner „Dolphin X“ mit über 329 Funktionen – er extrahiert Daten aus mehr als 300 Apps und 160 Krypto-Wallets. Echtzeit-Phishing-Kits wie „InsureOTP“ fangen Einmalpasswörter in weniger als 90 Sekunden ab.
Das Kit „CryptoChameleon“ setzt zusätzlich auf Sprachanrufe, um Vertrauen aufzubauen. Betroffen sind Kryptowährungsbörsen und US-Bundesbehörden. In Europa kompromittierten russische Angreifer WLAN-Router in Hotels, um Microsoft-365-Zugangsdaten abzugreifen.
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EZB fordert Aktionspläne
Die Schadenssummen steigen – ein Opfer verlor durch Social Engineering rund 35.000 Euro. Die Europäische Zentralbank hat Banken aufgefordert, bis Oktober umfassende Aktionspläne gegen die Betrugsmaschen vorzulegen.
Sicherheitsexperten raten: Bei E-Mails mit dringendem Handlungsbedarf grundsätzlich misstrauisch sein. Niemals Links folgen, sondern die offizielle Website oder App manuell aufrufen. Wirksamen Schutz bieten passwortlose Login-Verfahren wie Passkeys auf Basis des FIDO2-Standards. Große deutsche E-Mail-Provider wie GMX und Web.de bieten diese bereits für ihre Nutzer in der D-A-CH-Region an.
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