SocGholish-Netzwerk zerschlagen: 106 Server und 14.971 Websites gesÀubert
19.06.2026 - 15:46:48 | boerse-global.de
Die Schadsoftware gilt als einer der gröĂten digitalen Einfallstore fĂŒr Ransomware-Angriffe weltweit.
Die Operation mit dem Namen "Endgame" brachte Ermittler aus den Niederlanden, Kanada, den USA und Deutschland zusammen. UnterstĂŒtzt wurden sie von Europol und Eurojust. Das Ziel: die Infrastruktur einer der gefĂ€hrlichsten Cyberkriminellen-Gruppen lahmlegen.
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106 Server stillgelegt, tausende Websites gesÀubert
Die Aktion am 18. Juni 2026 traf das SocGholish-Netzwerk mit voller Wucht. Die Behörden schalteten 106 Server und Domains ab, die als Kommandozentrale dienten. Besonders betroffen: WordPress-Seiten. Insgesamt konnten 14.971 kompromittierte Websites bereinigt werden â die meisten davon basierten auf dem populĂ€ren Content-Management-System.
Die Ermittler deckten auf, dass ĂŒber die Infrastruktur rund 1,4 Millionen Zugangsdaten abgeflossen waren. Ăber 154.000 E-Mail-Adressen und mehr als 500.000 Passwörter wurden identifiziert und an den Benachrichtigungsdienst Have I Been Pwned weitergegeben. Betroffene Nutzer können dort prĂŒfen, ob ihre Daten im Umlauf sind.
Kanadische Spezialtechnik befreit tausende Rechner
Bereits einen Tag spĂ€ter, am 19. Juni, meldeten die kanadischen Ermittler einen weiteren Erfolg: Die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) entwickelte eine spezielle Technik, um 2.488 infizierte Computer direkt zu desinfizieren. Die betroffenen GerĂ€te waren zuvor ĂŒber die manipulierten Websites mit der Schadsoftware infiziert worden.
SocGholish â auch bekannt als FakeUpdates â ist ein JavaScript-basierter SchĂ€dling, der seit 2017 aktiv ist. Seine Funktion: Er verschafft sich Zugang zu Unternehmensnetzwerken und verkauft diesen Zugang dann an andere Kriminelle weiter. Experten bezeichnen solche Programme als Initial Access Broker (IAB) â die digitale Eintrittskarte fĂŒr Erpressungstrojaner.
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Jeder zweite Cloud-Kunde war betroffen
Die Sicherheitsfirma Infoblox schĂ€tzt das AusmaĂ der Bedrohung als enorm ein. Demnach waren 55 Prozent aller Cloud-Kunden des Unternehmens im Jahr 2026 mindestens einmal mit SocGholish konfrontiert. Dr. RenĂ©e Burton von Infoblox betont: âDas war keine Nischenbedrohung, sondern ein massives, alltĂ€gliches Risiko."
Verbindungen zur russischen Evil-Corp-Gruppe
Die Ermittler sehen klare Verbindungen zwischen der SocGholish-Operation â von Sicherheitsforschern als TA569 gefĂŒhrt â und der russischen Cyberkriminellen-Gruppe Evil Corp. Das Botnetz diente immer wieder als Zustellmechanismus fĂŒr berĂŒchtigte Ransomware-Varianten wie DoppelPaymer, LockBit und RansomHub. Auch die Schadsoftwarefamilien WastedLocker und Hades wurden ĂŒber diesen Kanal verbreitet.
Die Sicherheitsfirma Proofpoint geht davon aus, dass die Zerschlagung der Infrastruktur die Gruppe empfindlich treffen wird. Das AusmaĂ der Server-Beschlagnahmungen und Website-Bereinigungen werde die FĂ€higkeit von TA569, Ransomware-Angriffe durchzufĂŒhren, zumindest kurzfristig massiv einschrĂ€nken.
WordPress-Betreiber in der Pflicht
Die Behörden raten allen WordPress-Administratoren dringend, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu ĂŒberprĂŒfen. Systeme mĂŒssen auf dem neuesten Stand sein, um eine erneute Infektion zu verhindern. Besonders kritisch: veraltete Plugins und schwache Passwörter, die den Angreifern oft erst den Zugang ermöglichen.
