Social-Media-Sucht: 1,5 Millionen Kinder in Deutschland betroffen
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Wahrnehmung gesellschaftlicher Krisen und die damit verbundene mediale Berichterstattung führen bei vielen Bürgern zu einer spürbaren psychischen Belastung. In einem Kommentar in den Stuttgarter Nachrichten vom 15. August 2026 thematisierte Jan Sellner die Bedeutung einer positiven Grundeinstellung.
Am Beispiel des Pächterpaars des Mineralbads Berg erläuterte er, dass es zielführender sei, symbolisch durch offene Fenster zu steigen, statt gegen geschlossene Türen anzurennen. Dieser Ansatz des aktiven Perspektivwechsels gewinnt angesichts aktueller Daten zur Nachrichtenmüdigkeit und psychischen Gesundheit zunehmend an Relevanz.
Zunahme der News-Deprivation und des Doomscrolling
Die psychischen Folgen einer dauerhaften Konfrontation mit Negativnachrichten spiegeln sich in aktuellen Untersuchungen wider. Eine Mitte August 2026 veröffentlichte Studie der Universität Zürich belegt, dass inzwischen 50 Prozent der Schweizer als „news-depriviert“ gelten.
Dieser Wert hat sich seit dem Jahr 2009 verdoppelt. Als wesentliche Gründe für diese Abkehr von klassischen Medien wurden die Dominanz von Negativnachrichten sowie der Einfluss sozialer Medien identifiziert.
Parallel dazu beobachten Psychologen das Phänomen des sogenannten „Doomscrolling“, also des zwanghaften Konsums negativer Meldungen im Internet. Laut Einschätzung der Psychologin Tina Horlitz gegenüber dem MDR ist hierfür ein evolutionär bedingter „Negativity Bias“ verantwortlich.
Besonders junge Menschen sind betroffen: Eine Erhebung der DAK zeigt, dass mehr als 25 Prozent der 10- bis 17-Jährigen eine riskante oder krankhafte Social-Media-Nutzung aufweisen. Konkret stuften die Experten 21,5 Prozent der Nutzung als riskant und 6,6 Prozent als pathologisch ein, was etwa 1,5 Millionen Kindern und Jugendlichen entspricht.
Psychische Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche
Die Belastung der jüngeren Generation wird durch Daten zur psychosozialen Versorgung untermauert. Wie der Spiegel unter Berufung auf aktuelle Zahlen berichtete, stieg die Zahl der Beratungen bei dem Angebot „Krisenchat“ von 3.672 im Jahr 2020 auf 21.499 im Jahr 2025. Zudem verzeichneten Kliniken in Bayern zwischen 2020 und 2024 eine Zunahme der Behandlungen aufgrund von Selbstverletzungen um 50 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern betrug dieser Anstieg sogar 169 Prozent.
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Ergänzend dazu wies das Deutsche Jugendinstitut (DJI) Mitte August 2026 darauf hin, dass rund 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit mindestens einem psychisch kranken Elternteil zusammenleben. Dies erhöhe das Risiko für eine eigene Erkrankung um das Drei- bis Siebenfache, wobei lediglich 8 Prozent der auffälligen Kinder tatsächlich eine Therapie erhielten.
Strategien zur Resilienz und Prävention
Fachleute empfehlen verschiedene Ansätze, um der psychischen Erschöpfung durch äußere Belastungsfaktoren entgegenzuwirken. In einer im Journal of Mental Health am 14. August 2026 veröffentlichten Studie mit 204.907 Erwachsenen aus 22 Ländern wurde die Zufriedenheit mit Freundschaften als universelle Säule der Gesundheit identifiziert.
Soziale Bindungen korrelierten dabei weltweit mit einem besseren Wohlbefinden, wobei Indonesien die höchsten und Japan die niedrigsten Werte verzeichnete.
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Die Bereitschaft dazu ist altersabhängig: Während bei den 16- bis 29-Jährigen nur 17 Prozent eine digitale Auszeit planen, sind es bei den über 65-Jährigen 32 Prozent.
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