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Soziale Medien: EU-Kommission kündigt Gesetzentwurf für September an

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 02:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Ein EU-Gremium empfiehlt ein Stufenmodell für den Zugang Minderjähriger zu sozialen Netzwerken. Die Kommission plant einen Gesetzentwurf für September 2026.

EU-Experten fordern verbindliche Altersgrenzen für soziale Medien
Eine Silhouette eines jungen Menschen, der in einem dunklen Raum auf ein leuchtendes Smartphone blickt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Zentrum: verbindliche Altersgrenzen, technische Hürden bei der Altersverifikation und mehr Verantwortung für Tech-Konzerne.

Stufenkonzept für den Zugang

Die Experten plädieren für ein differenziertes Modell. Kinder unter 13 Jahren sollen soziale Medien nicht eigenständig nutzen dürfen – ein Zugang wäre nur unter Aufsicht möglich. Für Kleinkinder unter drei Jahren empfehlen die Fachleute sogar einen vollständigen Verzicht auf Bildschirmzeit.

Ab 13 Jahren sieht das Modell einen schrittweisen Zugang vor. Für 13- bis 17-Jährige sind zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen und altersgerechte Dienste geplant. Die konkreten Anforderungen variieren je nach Plattform und deren Sicherheitsstandard.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte gestern an: Die Kommission will nach der Sommerpause, voraussichtlich im September 2026, einen Gesetzentwurf vorlegen. Ihre Botschaft an die Tech-Konzerne ist deutlich: „Soziale Medien sind kein Spielzeug.“ Die Unternehmen müssten eine ähnliche Fürsorgepflicht übernehmen wie Automobilhersteller.

Was die Forschung sagt

Die Forderungen nach strengeren Regeln werden durch psychologische Studien gestützt. Forschende des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) warnen: Exzessive Nutzung sozialer Medien beeinträchtigt Schlaf, Selbstwertgefühl und die psychische Verfassung. Besonders vorpubertäre Kinder gelten als anfällig für Ängste oder Depressionen durch frühen Smartphone-Besitz.

Die aktuellen Zahlen sind alarmierend: Jugendliche verbringen täglich vier bis sechs Stunden vor Bildschirmen. Fast 60 Prozent der jüngeren Kinder gaben an, online bereits emotionale oder psychosoziale Probleme erlebt zu haben.

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Entscheidend ist laut Experten aber nicht allein die Nutzungsdauer, sondern die individuellen Muster. Eine australische Studie mit über 100.000 Teilnehmenden zeigt: Moderate Nutzung – bei älteren Jugendlichen bis zu 12,5 Stunden pro Woche – kann mit höherem Wohlbefinden einhergehen als komplette Abstinenz. Warnsignale sind Kontrollverlust, Stimmungsverschlechterungen bei Nichtbenutzung und die Vernachlässigung von Hobbys.

Plattformen in der Beweispflicht

Ein Kernpunkt der geplanten Neuregelungen: Die Beweislast wird umgekehrt. Plattformbetreiber wie TikTok, Instagram oder Facebook müssen künftig nachweisen, dass ihre Dienste für Jugendliche unbedenklich sind.

Die EU-Kommission untersucht bereits, ob Funktionen wie unendliches Scrollen, Autoplay oder personalisierte Empfehlungen zwanghaftes Nutzungsverhalten fördern. Bei Verstößen gegen den Digital Services Act (DSA) drohen Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Zur Durchsetzung der Altersgrenzen ist eine spezielle EU-App zur Altersverifikation geplant. Das soll die bisherige Problematik lösen, dass bestehende Beschränkungen leicht umgangen werden können.

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Internationaler Trend zu schärferen Regeln

Die EU ist nicht allein mit ihren Plänen. Weltweit zeichnet sich ein klarer Trend ab:

  • Australien führte bereits im Dezember 2025 ein generelles Verbot für unter 16-Jährige ein.
  • Großbritannien verbot soziale Netzwerke für unter 16-Jährige – wirksam seit dem 15. Juni 2026.
  • Deutschland plant eigene Verschärfungen. Der Deutsche Ethikrat lehnte zwar am 11. Juni 2026 ein pauschales Verbot ab, empfahl aber ein risikobasiertes Schutzkonzept. Bundesfamilienministerin Prien strebt einen Gesetzentwurf bis Ende 2026 an.

Während die EU die Durchsetzung gegenüber den großen Plattformen übernimmt, planen zahlreiche Mitgliedstaaten – darunter Frankreich, Spanien und Österreich – bereits eigene nationale Verschärfungen. Der Schutz Minderjähriger im Internet wird zum europäischen Großprojekt.

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