Soziale Medien und Jugendliche: Vergleiche hängen stark mit Angst und Depression zusammen
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine norwegische Forschungsarbeit liefert detaillierte Einblicke in die Zusammenhänge zwischen spezifischen Nutzungsmustern digitaler Plattformen und der psychischen Gesundheit im Jugendalter.
Die Untersuchung, die am 17. Oktober 2026 im Fachjournal Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health erschien, analysierte Daten von ĂĽber 4.000 Jugendlichen mit einem Durchschnittsalter von 14 Jahren.
Im Fokus standen dabei nicht pauschale Nutzungszeiten, sondern fĂĽnf differenzierte Verhaltensweisen im digitalen Raum: soziale Vergleiche, erfahrene Anfeindungen durch andere, das AusĂĽben von Anfeindungen gegenĂĽber anderen, die Suche nach UnterstĂĽtzung sowie der bloĂźe Zeitvertreib.
Soziale Vergleiche als stärkster Prädiktor für psychische Symptome
Zur Erfassung der Nutzungsgewohnheiten setzten die Forschenden die sogenannte Social Media Use Scale ein. Untersucht wurden Zusammenhänge mit Symptomen mehrerer psychischer Erkrankungsbilder: generalisierte Angststörung, soziale Angststörung, Major Depression, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie oppositionelle Verhaltensstörung.
Die statistische Auswertung ergab, dass das Anstellen sozialer Vergleiche den mit Abstand stärksten Prädiktor darstellte. Dieses Verhalten erklärte 20–26 % der Varianz bei den Symptomen von generalisierter Angststörung, soziale Angststörung und Major Depression.
Auch bei Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten zeigte sich dieser Einflussfaktor messbar: Bei ADHS und oppositioneller Verhaltensstörung trugen soziale Vergleiche zu 6–9 % der beobachteten Varianz bei.
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Anfeindungen im Netz und die Wirkung von Zeitvertreib
Als zweitstärkster Faktor erwiesen sich im Rahmen der Untersuchung Anfeindungen, die Jugendliche durch andere Nutzer erfuhren. Diese negativen Interaktionen erklärten über alle fünf untersuchten Erkrankungsbilder hinweg jeweils 3–6 % der Varianz der Symptomausprägungen.
Ein anderes Bild zeigte sich hingegen bei der reinen Nutzung digitaler Medien zur Zerstreuung: Der bloße Zeitvertreib wies in den Daten keinen eigenständigen statistischen Zusammenhang mit den erfassten psychischen Symptomen auf.
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Diese Differenzierung verdeutlicht, dass primär die Art und Weise der Plattforminteraktion – insbesondere wertende Vergleiche und Konflikte – mit Belastungserleben einhergeht, während die passive oder rein funktionale Nutzung als Zeitvertreib für sich genommen keine vergleichbaren Auffälligkeiten zeigte.
Keine Kausalaussagen durch Querschnittsdaten
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonen Fachleute die methodischen Rahmenbedingungen der Erhebung. Da die norwegische Studie auf Querschnittsdaten basiert, lassen die Ergebnisse keine Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung zu. Es bleibt demnach offen, ob das verstärkte Anstellen sozialer Vergleiche psychische Symptome auslöst oder ob Jugendliche mit vorbestehenden depressiven Verstimmungen oder Ängsten eher zu vergleichendem Verhalten auf Plattformen neigen.
Auf diese methodische Einschränkung wies auch Peter Etchells von der Bath Spa University hin. Gegenüber dem Magazin Newsweek unterstrich der Forscher, dass aus den vorliegenden Querschnittsdaten keine Kausalität abgeleitet werden könne. Für belastbare Aussagen über Wirkungsrichtungen seien weiterführende Längsschnittstudien erforderlich.
