Sozialportal live: Deutschland zentralisiert Leistungen ab sofort
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 17:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hat ihr digitales Sozialportal zu einer umfassenden nationalen Plattform für Sozialleistungen ausgebaut. Seit dem 18. Juli 2026 fungiert das Portal als zentrale Anlaufstelle für alle Sozialleistungen und integriert verschiedene Systeme zur digitalen Identifikation und zum Datenaustausch – darunter NOOTS, BundID und die künftige EUDI-Wallet.
Ein Expertengremium, das die Entwicklung dieses digitalen Ökosystems begleitet, soll seine Arbeit bis Ende 2027 fortsetzen. Der Schritt ist Teil einer breiter angelegten Regierungsstrategie, Antragsverfahren für Bürger zu zentralisieren und die Interaktion mit Sozialleistungsträgern zu vereinfachen.
Digitalisierung des Arbeitslosengeldes
Parallel zum Portalausbau hat der Bundestag am 17. Juli 2026 einen Gesetzentwurf zur Digitalisierung des Arbeitslosengeldes I verabschiedet. Das Gesetz führt einen Digital-First-Grundsatz für Anmeldung, Korrespondenz und Videoberatung ein. Auch die Kurzarbeitergeld-Anträge für Arbeitgeber werden digitalisiert.
Die Regelung soll bis Ende November 2026 in Kraft treten. Beamte wiesen jedoch darauf hin, dass die Neuerungen vorerst nicht für die Grundsicherung gelten.
IT-Infrastruktur und KI-Integration
Die Bundesagentur für Arbeit hat ihr Digitalisierungsbudget deutlich aufgestockt. Für 2026 stehen rund 992 Millionen Euro für IT bereit – ein Plus von etwa 100 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.
Ein Großteil der Mittel fließt in die Cloud-Infrastruktur: 130,3 Millionen Euro sind für Cloud-Leasing vorgesehen, darunter der Umstieg auf eine SAP-Private-Cloud. Die Behörde hat bereits 32 KI-Anwendungen im Einsatz, die Dokumentenprozesse automatisieren – etwa bei der Kindergeldverwaltung und in Jobcentern.
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Die Deutschland-App und automatische Leistungen
Die Regierung treibt zudem die Entwicklung der „Deutschland-App" voran. Der Prototypen-Auftrag ging an Telekom und SAP. Bereits Anfang Juli gab es Kritik an möglichen Überschneidungen mit dem bestehenden Sozialportal des Sozialministeriums. Kleinere Technologie-Startups fühlten sich bei der Auftragsvergabe übergangen.
Die Regierung plant, Kindergeldzahlungen bis 2027 vollständig zu automatisieren. Beobachter fragen sich, ob eine separate App für Leistungen nötig ist, die bald gar keinen manuellen Antrag mehr erfordern.
Übergang zur Neuen Grundsicherung
Die Digitalisierungswelle fällt mit tiefgreifenden Reformen im Sozialstaat zusammen. Seit dem 1. Juli 2026 ersetzt die „Neue Grundsicherung" das bisherige Bürgergeld unter der Regierung von Kanzler Friedrich Merz. Das neue System erlaubt strengere Sanktionen – bis hin zum vollständigen Leistungsentzug bei Arbeitsverweigerung.
Sozialverbände zeigen sich alarmiert. Eine Bertelsmann-Studie hatte ergeben, dass 45 Prozent der Langzeit-Leistungsempfänger an psychischen oder chronischen Erkrankungen leiden. Zwar hat der Bundestag am 10. Juli 2026 den Bundeszuschuss zur Krankenversicherung der Grundsicherungsempfänger um 750 Millionen Euro für 2027 erhöht. Der GKV-Spitzenverband wies jedoch darauf hin, dass diese Mittel in den allgemeinen Gesundheitsfonds fließen – nicht direkt an die Betroffenen.
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Bürokratieabbau: 600 Millionen Euro Einsparziel
Das Bundeskabinett beriet am 15. Juli 2026 über umfassende Bürokratieentlastungen. Ziel: rund 600 Millionen Euro jährlich einsparen. Digitalminister Karsten Wildberger sprach sich für gezielte digitale Modernisierung aus – statt radikaler Deregulierung.
Aktuelle Maßnahmen umfassen digitale Gesundheitsreformen sowie vereinfachte Meldepflichten für Verkehrs- und Landwirtschaftsbetriebe. Weitere Pläne: die mögliche Abschaffung der Belegpflicht, Steuerreformen und die Digitalisierung von Unternehmensgründungen. Die Maßnahmen bauen auf einem früheren Bürokratieentlastungsgesetz auf, das bereits Aufbewahrungsfristen verkürzt und den digitalen Zugang für Steuerzwecke erweitert hatte.
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