Sozialversicherung: 40 Millionen Franken Overzahlungen im Ausland
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 22:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während Städte wie Zürich mit Pilotprojekten die Barrierefreiheit verbessern, kämpfen andere Gemeinden mit den Schattenseiten der Digitalisierung.
Zürichs Kampf gegen die digitale Barriere
In der Stadt Zürich läuft ein ambitioniertes Projekt: Seit 2023 arbeitet die Verwaltung an einem digitalen Routenplaner für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Das Pilotprojekt im Kreis 1, das Hindernisse wie Treppen, hohe Bordsteine und fehlende Sitzgelegenheiten erfasst, wurde kürzlich ausgeweitet. Der digitale Stadtplan soll nicht nur Senioren helfen, sondern auch Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen.
Doch nicht jedes digitale Vorhaben erweist sich als Erfolg. Die Polizei in Zürich und Winterthur hat den Einsatz von sogenannten „Scan-Cars" zur automatisierten Parkraumüberwachung vorerst gestoppt. Der Grund: Die Technologie hat Probleme mit den in diesen Städten üblichen Längsparkplätzen. Die Kameras können Kennzeichen und Beschilderung oft nicht zuverlässig erfassen. Zum Vergleich: Ein ähnlicher Pilotversuch im deutschen Waldshut-Tiengen identifizierte rund 3.000 Parkverstöße – aber nur etwa 2.000 führten tatsächlich zu Bußgeldern.
Ein weiteres Problem: E-Scooter. In Wil kritisieren Vertreter der Sehbehinderten das wilde Abstellen der Leihfahrzeuge. Die Roller blockieren Gehwege und werden zur Gefahr. Der Anbieter Dott muss zwar innerhalb von drei Stunden auf Meldungen reagieren, doch lokale Interessenvertreter betonen: „Digitale Mobilitätslösungen dürfen die Sicherheit von Fußgängern mit Behinderungen nicht gefährden."
Sozialversicherung: Weniger Fehlzahlungen durch Digitalisierung
Die Digitalisierung der Verwaltung zeigt messbare Erfolge. Daten vom März 2026 zu den AHV- und IV-Zahlungen belegen: Rund 40 Millionen Franken wurden zu viel an Empfänger im Ausland überwiesen. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 2020, als die Überzahlungen noch bei 82 Millionen Franken lagen.
Die Behörden führen die Verbesserung auf den verbesserten Datenaustausch mit sieben EU-Mitgliedstaaten zurück. Dennoch bleiben Probleme bestehen: Verspätete Meldungen über Todesfälle oder Wohnsitzwechsel führen weiterhin zu Unstimmigkeiten. Rund 17 Millionen Franken an offenen Forderungen werden derzeit bearbeitet. Insgesamt wickeln die Schweizer Behörden jährlich etwa eine Million Rentenzahlungen ins Ausland ab – mit einem Gesamtvolumen von rund acht Milliarden Franken.
Die 40 Millionen Franken Overzahlungen zeigen: Auch mit verbessertem Datenaustausch bleiben Risiken. Unser Leitfaden hilft Ihnen, Fehlzahlungen zu vermeiden und offene Forderungen zu klären. Leitfaden zur Rentenkorrektheit anfordern
Mobilität im Alter: Der ZVV-ActionPass kommt zurück
Gute Nachrichten für ältere Menschen im Großraum Zürich: Der ZVV-ActionPass ist zurück. Das Angebot richtet sich an alle, die 1966 oder früher geboren wurden. Für 110 Franken erhalten sie einen Monat lang unbegrenzte Fahrten im gesamten ZVV-Netz – wählbar zwischen August und Oktober. Hinzu kommen zahlreiche Freieintritte und Ermäßigungen bei regionalen Ausflugszielen.
Europa hinkt hinterher: Die digitale Schere öffnet sich
Die Herausforderungen in der Schweiz sind kein Einzelfall. In Italien besaßen 2025 nur 27,4 Prozent der 65- bis 74-Jährigen grundlegende digitale Fähigkeiten – weit entfernt vom EU-Ziel von 80 Prozent bis 2030. Projekte wie die MyNino-App, unterstützt von Google.org, sollen in Regionen wie der Lombardei und Kampanien Abhilfe schaffen. Die App bietet Chatbot-Assistenz und Werkzeuge zur Nachrichtenüberprüfung.
Auch Großbritannien kämpft mit den Folgen der Digitalisierung. Laut einer Umfrage von 2026 fanden 54,3 Prozent der Patienten den digitalen Kontakt zu ihrem Hausarzt einfach – ein Anstieg von 49 Prozent im Jahr 2025. Doch Gesundheitsexperten warnen: „Digital-First"-Strategien könnten ältere Patienten ausschließen, die keine entsprechenden Geräte oder Kenntnisse besitzen.
Lokale Hilfe und traditionelle Netzwerke
Verspätete Meldungen über Todesfälle oder Wohnsitzwechsel kosten jährlich Millionen. Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung optimieren Sie den Datenaustausch mit der EU und senken Ihr Fehlerrisiko. Datenaustausch optimieren – Leitfaden sichern
Um diese Risiken zu mindern, sind lokale Unterstützungsprogramme gefragt. In Deutschland bietet das Projekt „Digital Angels" Einzelberatungen für Senioren an – zu Themen wie Smartphone-Sicherheit und App-Nutzung. Termine sind für Ende Juli 2026 in Neukirchen geplant.
In der Schweiz setzt man auch auf traditionelle Wege der sozialen Integration. Die Gruppe „Musizieren 60 Plus" in Wil ist ein Beispiel dafür. Seit 2016 proben dort rund 20 Senioren wöchentlich gemeinsam. Das Ensemble zeigt: Neben allen digitalen Fortschritten bleiben persönliche Begegnungen und traditionelle Netzwerke ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens im Alter.
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