SpaceX startet 12. Juni: Vier-Billionen-Euro-IPO-Welle beginnt
26.05.2026 - 22:04:05 | boerse-global.deDie drei Unternehmen wollen gemeinsam eine Marktkapitalisierung von rund vier Billionen Euro erreichen. Damit endet eine Durststrecke für große Tech-Börsengänge, die seit 2022 angehalten hat. Den Auftakt macht SpaceX voraussichtlich im Juni, gefolgt von OpenAI im September und Anthropic im Oktober. Für Anleger stellt sich die Frage: Sind diese Bewertungen gerechtfertigt – oder zeichnet sich eine Blase ab?
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SpaceX: Rekord-IPO mit Milliardenverlusten
Elon Musks Raumfahrtunternehmen will am 12. Juni 2026 an die Nasdaq – unter dem Kürzel SPCX. Die angestrebte Bewertung liegt zwischen 1,5 und 2 Billionen Euro. Mit einem geplanten Emissionsvolumen von bis zu 80 Milliarden Euro wäre es einer der größten Börsengänge der Geschichte. 23 Bankhäuser begleiten den Schritt, darunter Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Deutsche-Bank-Konkurrenten J.P. Morgan und Barclays.
Doch die Zahlen zeigen ein zwiespältiges Bild. SpaceX erzielte 2025 einen Umsatz von rund 18,7 Milliarden Euro – ein Plus von 30 Prozent. Gleichzeitig stand ein Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro in den Büchern. Der Grund: massiv gestiegene Investitionen in Künstliche Intelligenz. Die KI-bezogenen Ausgaben schnellten von 463 Millionen Euro (2023) auf 12,7 Milliarden Euro (2025) hoch.
Die Rettung kommt vom Satellitengeschäft: Starlink zählt über 10,3 Millionen Abonnenten und erwirtschaftet einen operativen Gewinn von mehr als vier Milliarden Euro. Dennoch bleibt der Gesamtkonzern unter Druck – allein im ersten Quartal 2026 verzeichnete SpaceX einen Verlust von 4,3 Milliarden Euro bei 4,7 Milliarden Euro Umsatz.
Um möglichst viele Privatanleger zu ködern, plant SpaceX, bis zu 30 Prozent der Aktien an Kleinanleger zu vergeben. Üblich sind sonst fünf bis zehn Prozent.
OpenAI: Der KI-Primus auf dem PrĂĽfstand
Das Unternehmen hinter ChatGPT peilt für September 2026 eine Bewertung von über einer Billion Euro an. Geplant ist ein Emissionsvolumen von 60 Milliarden Euro – doppelt so viel wie Saudi Aramco 2019 einsammelte. Möglich wurde der Börsengang durch einen Gerichtssieg im Rechtsstreit mit Elon Musk.
Doch auch OpenAI kämpft mit enormen Verlusten. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen 5,7 Milliarden Euro Umsatz – bei einer operativen Marge von minus 122 Prozent. Das bedeutet: Für jeden verdienten Euro gibt OpenAI 2,22 Euro aus. Zudem schwächelt das Nutzerwachstum: ChatGPT erreichte rund 905 Millionen Nutzer und verfehlte damit das selbstgesteckte Ziel von einer Milliarde.
Branchenexperten rechnen damit, dass OpenAI bis 2030 Verluste anhäufen wird – Schätzungen zufolge könnten es bis zu 600 Milliarden Euro sein. Das frische Kapital ist daher überlebensnotwendig für Forschung und Infrastruktur.
Anthropic: Der effizientere Herausforderer
Das dritte Unternehmen im Bunde könnte im Oktober an die Börse kommen. Nach einer Finanzierungsrunde über 30 Milliarden Euro liegt die Bewertung zwischen 900 Milliarden und einer Billion Euro. Anthropic zeigt ein Deutlich gesünderes Zahlenbild: Der annualisierte Umsatz beträgt rund 45 Milliarden Euro. Für das zweite Quartal 2026 prognostiziert das Unternehmen elf Milliarden Euro Umsatz und 600 Millionen Euro operativen Gewinn.
Eine strategische Partnerschaft mit SpaceX – bewertet mit rund 1,25 Milliarden Euro monatlich – unterstreicht die wachsende Verflechtung von KI-Anbietern und der benötigten Infrastruktur.
Die Kehrseite des KI-Booms: Explodierende Energiekosten
Der Ausbau der KI-Infrastruktur fordert seinen Tribut. In den USA sind die Stromkosten in der Nähe von Rechenzentren um 267 Prozent seit 2020 gestiegen. Die geschätzten Ausgaben für Rechenzentren könnten 2026 bei 700 Milliarden Euro liegen – ein Fünffaches im Vergleich zu 2022. Davon profitieren vor allem Uran-Anbieter und die Atomkraftbranche, die als große Gewinner des KI-Booms gelten.
Marktrisiken und Machtkonzentration
Die geballte Marktmacht von vier Billionen Euro wirft Fragen auf. Würden alle drei Unternehmen gleichzeitig an die Börse gehen, entspräche ihr Wert rund sechs Prozent des gesamten S&P 500 (70 Billionen Euro). Während Großbanken wie J.P. Morgan keine massiven Kapitalabflüsse aus anderen Märkten erwarten, warnen andere Strategen vor einer Überhitzung.
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Besonders brisant: die Machtkonzentration bei SpaceX. Elon Musk hält 42 Prozent der Anteile und zwischen 79 und 85 Prozent der Stimmrechte. Um Kursschwankungen zu begrenzen, gelten gestaffelte Lock-up-Fristen: 20 Prozent der Aktien könnten nach dem zweiten Quartal freigegeben werden, weitere Tranchen folgen in Abständen von 70 bis 135 Tagen.
Ausblick: Volatilität bis 2027
Die eigentliche Bewährungsprobe kommt nach den Börsengängen. Wenn die Lock-up-Fristen auslaufen, droht erhebliche Kursvolatilität bis weit ins Jahr 2027. Der langfristige Erfolg der drei Unternehmen hängt davon ab, ob sie die explodierenden Infrastrukturkosten in den Griff bekommen und die Kluft zwischen Umsatz und Verlusten schließen.
Der Druck auf die neuen Börsenstars wird enorm sein: Quartalszahlen liefern und gleichzeitig Milliarden in Forschung stecken – das wird zum Stresstest für die KI-getriebene Marktexpansion. Entscheidend sind Energieversorgungsverträge und politische Zusagen für den Netzausbau. Ohne sie bleibt das Rechenzentrum der Zukunft ein Traum.
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