Speicherkrise: Smartphone- und PC-Kosten steigen um bis zu 40%
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 11:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die globalen Speicherhersteller haben eine strategische Priorisierung ihrer Produktionskapazitäten eingeleitet, die weitreichende Folgen für den gesamten Elektronikmarkt hat. Durch die verstärkte Konzentration auf High Bandwidth Memory (HBM) und DDR5-Speicher sinkt die Produktion von herkömmlichem Commodity-DRAM erheblich.
Marktanalysen zufolge werden die Produktionskosten für Smartphones und PCs im Jahr 2026 infolgedessen um 15 bis 40 Prozent ansteigen. Besonders deutlich zeigt sich der Preisdruck bei älteren Standards: Morgan Stanley prognostiziert für DDR4-Speicher einen Preisanstieg von 50 Prozent im dritten Quartal, gefolgt von weiteren Zunahmen von mehr als 10 Prozent im vierten Quartal.
Strategische Neuausrichtung belastet Endkundenmarkt
Die Verschiebung der Produktionsschwerpunkte wird durch den enormen Bedarf an spezialisierten Speichern für Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz getrieben.
Micron wies darauf hin, dass die Herstellung von HBM pro Gigabyte dreimal mehr Silizium erfordert als die Produktion von DDR5. Die technologische Entwicklung schreitet dabei schnell voran; HBM4 soll die Schnittstelle auf 2.048 I/Os verdoppeln und Übertragungsraten von mehr als 2,8 TB/s pro Stack ermöglichen. Bis Ende 2026 wird zudem erwartet, dass die Profitabilität pro Wafer bei DDR5 die Werte von HBM3E übertrifft.
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Für Hardware-Hersteller bedeutet diese Entwicklung eine massive Verschiebung ihrer Kostenstrukturen. HP-CFO Karen Parkhill kündigte aufgrund der steigenden Ausgaben für Speicher und Storage weitere Preiserhöhungen an. Während Speicherkomponenten früher etwa 15 bis 18 Prozent der Materialkosten ausmachten, sollen sie im Jahr 2026 rund 35 Prozent erreichen.
Trotz sinkender Stückzahlen um 16 Prozent im Quartal von Mai bis Juli konnte HP durch Preisanpassungen im Bereich Personal Systems einen Rekordumsatz von 11,8 Mrd. US-Dollar erzielen, was einem Anstieg von 18 Prozent im Jahresvergleich entspricht.
Massive Auswirkungen auf Smartphone-Absatz und PC-Herstellung
Der Smartphone-Markt steht vor historischen Herausforderungen. Laut IDC-Daten werden die weltweiten Auslieferungen im Jahr 2026 um 16,7 Prozent auf 1 Mrd. Einheiten fallen – der stärkste Rückgang in der Geschichte der Branche. Gleichzeitig steigt der durchschnittliche Verkaufspreis um 27,6 Prozent auf 581 US-Dollar.
Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung im Budget-Segment: Android-Geräte für unter 100 US-Dollar verschwinden nahezu vollständig vom Markt, nachdem dieses Segment bereits im zweiten Quartal um 60 Prozent eingebrochen ist.
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Während Android-Auslieferungen um 24,3 Prozent zurückgehen, zeigt sich das iOS-Segment mit einem Minus von 1,3 Prozent und einem Marktanteil von 23,6 Prozent deutlich stabiler. HarmonyOS kommt auf 51 Mio. Einheiten.
Ein kleiner Wachstumsbereich bleiben Foldables mit einem Plus von 12,6 Prozent auf 22,9 Mio. Einheiten, wobei für die zweite Jahreshälfte 2026 der Markteintritt von Apple in diesem Segment erwartet wird.
Rekordgewinne der Hersteller und drohende Kartellverfahren
Die Knappheit spiegelt sich in den Bilanzen der Chip-Produzenten wider. Für Samsung liegt der Konsens für den Betriebsgewinn 2026 bei 394,4 Billionen Won, was einem Plus von über 804 Prozent entspricht. SK Hynix erwartet einen Zuwachs um 464 Prozent auf 266,3 Billionen Won. Im HBM-Markt führt SK Hynix derzeit mit einem Anteil von etwa 58 Prozent, während Micron Samsung auf dem zweiten Platz abgelöst hat.
Die rasant steigenden Preise rufen jedoch auch Regulierungsbehörden auf den Plan. Der FTC-Vorsitzende Andrew Ferguson äußerte sich überrascht über die Preisentwicklung beim Arbeitsspeicher und erklärte, dass die Behörde Kartellverfahren gegen die großen Chip-Konzerne erwäge.
In diesem Zusammenhang wurde an frühere Verfahren erinnert, in denen sich Samsung und Hynix der Preisabsprache schuldig bekannten; Samsung zahlte damals eine Strafe von 300 Mio. US-Dollar.
Langfristige Engpässe im Server- und Cloud-Segment
Ein Ende der Preisspirale ist vorerst nicht in Sicht. SK-Hynix-CEO Kwak Noh-Jung geht davon aus, dass die Speicherchip-Knappheit bis Ende 2030 anhalten könnte. Das Risiko eines Überangebots stuft er als gering ein, da Speicherchips im KI-Zeitalter keine reinen Massengüter mehr seien.
Auch Nvidia-CFO Colette Kress erwartet, dass die Engpässe bis Anfang 2028 bestehen bleiben. Nvidia selbst hat seine Einkaufsverpflichtungen gegenüber Zulieferern bereits auf 279 Mrd. US-Dollar verdoppelt.
Besonders hart trifft es den Infrastruktur-Bereich. TrendForce berichtet, dass die Kosten für Server-DRAM bis Ende 2026 um 270 Prozent im Jahresvergleich steigen werden, während Enterprise-SSDs um 235 Prozent teurer werden. Cloud-Betreiber reagieren darauf mit massiven Investitionen: Deren Investitionsausgaben sollen 2026 um 98 Prozent steigen.
Auch Amazon reagierte bereits und kündigte Preiserhöhungen von 60 Prozent auf wichtige Hardware-Produkte an. Nvidia plan zudem Preisanpassungen von 15 Prozent für kommende Generationen wie Vera Rubin und Grace Blackwell sowie für KI-Server-Lösungen.
