Spielerisches, Lernen

Spielerisches Lernen: Mathigon-Studie zeigt deutlich höhere Mathe-Endwerte

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 20:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen und Bildungsprojekte beleuchten, wie Spiele, digitale Lernmittel und frühe Förderung kognitive sowie sprachliche Fähigkeiten unterstützen.

Spielerisches Lernen: Studien zeigen Fortschritte bei Mathematik und Sprache
Ein heller, minimalistischer Lernraum mit hölzernen Bausteinen, Bechern und Sandbehältern auf Regalen in einer natürlichen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Der Ausbau von Wissensplattformen und haptischen Trainingsgeräten gewinnt bei der Förderung kognitiver Fähigkeiten zunehmend an Bedeutung. Ob über digitale Anwendungen, strukturierte Experimentierräume oder klassische Spielansätze: Bildungsinstitutionen und Entwickler setzen verstärkt auf spielerische Interaktion, um Problemlösungskompetenzen, Abstraktionsvermögen und sprachliche Fertigkeiten zu schärfen. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Bildungsprojekte verdeutlichen das Potenzial dieser kombinierten Ansätze.

Spielbasierte Konzepte im Praxiseinsatz

Klassische Gesellschaftsspiele rücken vermehrt als didaktisches Werkzeug in den Fokus. Am College for Social Sciences and Humanities in Essen findet am 21. Oktober 2026 die Fachkonferenz „Präludo – Brettspiele zum Kompetenzerwerb“ statt, die von Prof. Dr. Erwin Amann, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Professor für Mikroökonomik an der Universität Duisburg-Essen, mitorganisiert wird.

Die Tagung widmet sich spielbasierten Lernsettings zur Stärkung von Problemlösefähigkeit, Kommunikation, Kooperation und strategischem Denken. Der Teilnahmebeitrag von 5 Euro kommt der Initiative „Schule und Spiel“ zugute.

Dass exploratives Lernen bereits im Kleinkindalter ansetzt, zeigt die Kita Lindhof im kärntnerischen Wolfsberg mit der Eröffnung eines MINT-Hauses für unter Dreijährige, an der auch Landeshauptmann Daniel Fellner teilnahm. Wie Kita-Leiterin Gabriela Suppick darlegte, werden dort alltägliche Gegenstände wie Wasser, Sand, Schachteln und Becher zu Forschungsgegenständen, um Kindern Raum für eigenständige Entdeckungen zu geben.

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Empirische Belege für interaktive Lernmethoden

Die Wirksamkeit digitaler und spielerischer Werkzeuge belegen auch quantitative Untersuchungen. Eine an der Universitas Negeri Semarang veröffentlichte Studie untersuchte den Einsatz der digitalen Plattform Mathigon mit Liedbegleitung im Rahmen des Discovery Learnings bei Grundschulaufgaben zu Würfelnetzen und -skizzen.

Bei identischem Material, gleichen Zielen und gleicher Unterrichtsdauer zeigte ein Independent-Sample-t-Test einen signifikanten Unterschied (Sig. < 0,001; t = 14,876).

Die Versuchsklasse erzielte einen mittleren Endwert von 92,27 gegenüber 60,71 in der Kontrollklasse. Der normalisierte Lernzuwachs (N-Gain) lag in der Versuchsgruppe bei 0,8952, was einer Effektivität von 89,52 % entspricht, während die Kontrollgruppe einen mittleren Wert von 0,4411 (44,11 %) erreichte.

Ergänzend dazu stellt der Studienkreis, der über mehr als 900 Standorte verfügt, kostenlose Mathematikvideos der Nachhilfeexpertin Manuela Csikor bereit, die auf regelmäßiges Üben, Kopfrechnen, Mathespiele und das Erklären eigener Rechenwege setzen. Thomas Momotow vom Studienkreis verwies darauf, dass Kinder Mathematik häufig primär mit Noten sowie Richtig-Falsch-Kategorien verknüpfen.

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Sprachliche Voraussetzungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Neben mathematisch-logischen Fähigkeiten bildet die Sprachentwicklung ein zentrales Fundament für den kognitiver Erfolg. Eine in der Fachzeitschrift „Educational Research Review“ erschienene Meta-Analyse der Universität Paderborn und der Ludwig-Maximilians-Universität München wertete 35 Längsschnittstudien aus.

Die Ergebnisse belegen, dass Kinder mit einer stärker ausgeprägten morphologischen Bewusstheit später tendenziell bessere laut- und schriftsprachliche Fähigkeiten entwickeln, wobei ein besonders deutlicher Zusammenhang mit dem späteren Leseverständnis besteht. Als nächster Schritt ist die Entwicklung und Evaluation eines gezielten Förderkonzepts geplant.

Welchen Stellenwert frühzeitige Förderung in der Öffentlichkeit hat, dokumentiert das Ifo-Bildungsbarometer 2026 nach einer Befragung von mehr als 3000 Erwachsenen und knapp 1000 Eltern von Kindern zwischen null und sechs Jahren.

Demnach befürworten 72 % der Gesamtbevölkerung und 74 % der befragten Eltern ein verpflichtendes Vorschuljahr. Zudem sprechen sich 79 % für verbindliche, bundesweit einheitliche Lernziele in der frühkindlichen Bildung aus, während 89 % verpflichtende Sprachtests im Alter von viereinhalb Jahren unterstützen.

Gleichzeitig sehen 50 % der Befragten einen negativen und 35 % einen positiven Einfluss digitaler Medien auf die kindliche Entwicklung, was den Bedarf an didaktisch fundierten, interaktiven Konzepten unterstreicht.

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