Sporttherapie gegen Angststörungen: Mut-Camps zeigen Erfolg bei Jugendlichen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 06:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regionale Initiativen nutzen verstärkt Bewegungs- und Sporttherapie, um die persönlichen Ressourcen von Betroffenen zu aktivieren und die psychische Resilienz gezielt zu fördern. Aktuelle Programme und wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die wachsende Bedeutung körperlicher Aktivität als integralen Bestandteil therapeutischer Konzepte für unterschiedliche Alters- und Patientengruppen.
Gezielte Interventionen für Jugendliche und junge Erwachsene
Im Bereich der Jugendpsychiatrie gewinnen spezialisierte Bewegungsformate an Bedeutung. Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich führt etwa in der letzten Sommerferienwoche ein fünftägiges stationäres „Mut-Camp“ durch. Das Angebot richtet sich an Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, die unter Angststörungen oder Schulabsentismus leiden.
Ein wesentlicher Bestandteil sind Expositionstrainings, wobei eine laufende Psychotherapie Voraussetzung für die Teilnahme bleibt. Ein Teilnehmer berichtete im Rahmen des Formats, dass er nach der Teilnahme wieder in der Lage gewesen sei, Vorträge zu halten.
Ähnliche Ansätze verfolgt der Social Surf Club Hamburg mit kostenlosen Surf-Camps in Ulfborg, Dänemark. Die durch Spenden finanzierten Reisen richten sich an Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen.
Für die 20 Teilnehmenden, die von zehn Fachkräften betreut werden, gelten strikte Regeln, darunter der Verzicht auf Mobiltelefone, Alkohol und Drogen. Ein Teilnehmer beschrieb den Aufenthalt als eine Form des persönlichen Neustarts. Im Sommer 2026 sind insgesamt vier solcher Reisen vorgesehen.
Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von Bewegung
Die Forschung stützt den Trend zu bewegungsorientierten Therapieformen. Eine im Jahr 2025 in der Fachzeitschrift „Clinical Psychology and Psychotherapy“ veröffentlichte Studie untersuchte die sogenannte „Walking Therapy“ bei 37 depressiven Männern.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Therapie im Gehen wirksamer sein kann als klassische Sitzungen im Raum. Bereits eine Fallstudie der Glasgow Caledonian University aus dem Jahr 2024 zeigte positive Effekte bei einer kleinen Gruppe von Patienten. Auch in Nizza bietet eine Therapeutin entsprechende Sitzungen im Gehen an.
Wissenschaftler aus Tübingen stellten mittels Nahinfrarotspektroskopie fest, dass schnelles Gehen auf einem Laufband die Aktivität im Broca-Areal des Gehirns erhöht. Ergänzende Erkenntnisse einer Universität in Taiwan legen nahe, dass Gehen die Ideenfindung und ein flüssigeres Sprechen fördern kann.
Parallel dazu hat die Organisation EULAR im August 2026 ihre Bewegungsempfehlungen für Patienten mit Arthritis und Arthrose aktualisiert. Die Richtlinien, die auf 54 systematischen Reviews und zahlreichen Studien basieren, fordern die Einbindung von regelmäßiger körperlicher Aktivität und die Reduktion von Sitzzeiten in die Regelversorgung. Erstmals wurden dabei auch digitale Anwendungen und verhaltensbezogene Strategien berücksichtigt.
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Inklusion und soziale Teilhabe durch Sport
Sport dient zudem als Werkzeug für soziale Inklusion. In Magdeburg fand im Juli 2026 die Premiere der „Herzensliga“ statt, an der neun Mannschaften teilnahmen.
Das Turnier wurde nach dem Schweizer Modell in vier Klassifizierungsrunden ausgetragen, wobei auf eine Wertung des Torverhältnisses verzichtet wurde. In der Gruppe B setzte sich der BSV Salzwedel im Elfmeterschießen durch. Besonderes Merkmal war der Einsatz von Inklusionsschiedsrichtern in Tandems.
International zeigen sich ähnliche Bestrebungen: In der Region Limone Piemonte startete ein Projekt zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen durch Sport. In Taiwan initiierte die Regierung des Landkreises Chiayi ein Programm für adaptierten Sport mit 68 kostenlosen Kursen, die rund 5000 Teilnahmen ermöglichen sollen. Das Angebot umfasst unter anderem adaptierte Fitness, Boden-Boccia und inklusives Badminton.
Prävention und Unterstützung im lokalen Umfeld
Auch auf kommunaler Ebene werden spezifische Trainings angeboten. In Welschen Ennest organisieren der Kreissportbund Olpe und der Caritasverband Südwestfalen für Dienstag, den 8. September, ein kostenfreies Rollator-Training.
In Kamp-Lintfort bietet die Katholische Bildungsakademie am Samstag, den 19. September, einen Workshop für Kinästhetik an. Dieses Angebot richtet sich an pflegende Angehörige und wird als Projekt zur gesundheitlichen Prävention nach §20a SGB V gefördert. Eine Referentin vermittelt dabei Techniken zur Unterstützung der Mobilität.
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Wie nachhaltig Sport im hohen Alter wirken kann, zeigt das Beispiel einer Teilnehmerin des KSB Gesundheitssport Dresden. Die Seniorin, die kurz vor ihrem 100. Geburtstag steht, nimmt seit 16 Jahren wöchentlich am Training teil. Ein Sporttherapeut bezeichnete ihr Engagement als vorbildhaft für die Trainingsgruppe, deren Mitglieder zwischen Mitte 60 und 91 Jahre alt sind.
Um die Aufmerksamkeit für psychische Erkrankungen zu erhöhen, findet zudem die „Mut-Tour 2026“ statt. Seit dem Start in Kassel am 30. Mai legt die Tour 4100 Kilometer in 13 Etappen zurück, bis sie am 12. September ihr Ziel in Bremen erreicht.
In Deutschland sind schätzungsweise 18 Millionen Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen, was mehr als einem Viertel der Erwachsenen entspricht. Im Rahmen der Tour sind über 50 Aktionstage geplant, darunter eine Veranstaltung in Neuruppin am 26. August mit Lesungen und Fachvorträgen.
