SS7 und Diameter: Mobilfunklücken ermöglichen Tracking und Identitätsdiebstahl
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 19:06 Uhr | Redaktion boerse-global.deSchwachstellen in zentralen Signalisierungsprotokollen des weltweiten Mobilfunks ermöglichen Angreifern weitreichende Überwachungsmaßnahmen, ohne dass dafür ein physischer oder digitaler Zugriff auf das Endgerät erforderlich ist.
Wie Sicherheitsforscher des Citizen Lab in aktuellen Berichten darlegen, erlauben Sicherheitslücken in den Protokollen SS7 für 2G- und 3G-Netze sowie Diameter für moderne 4G- und 5G-Infrastrukturen das unbemerkte Auslesen von Mobilfunk-Identifikationsnummern (IMSI).
Akteure mit Zugang zum globalen Signalisierungsnetz seien dadurch in der Lage, Standorte in Echtzeit zu verfolgen, Telefonate und SMS umzuleiten sowie betroffene Teilnehmer digital zu imitieren.
Kommerzielle Kampagnen nutzen Netzbetreiber als Transitpunkte
Die Untersuchungen von Citizen Lab dokumentieren unter anderem eine Überwachungsaktivität unter der Bezeichnung STA1, bei der elf Betreiber-Identitäten in neun Ländern rotierend eingesetzt wurden. Zudem verzeichneten die Experten zwei kommerzielle Überwachungskampagnen, in deren Rahmen Tausende Angriffe in Dutzenden Ländern stattfanden.
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Bei der ersten Kampagne nutzten die Akteure gezielt Zugänge zu drei Telekommunikationsanbietern als Einstiegs- und Transitpunkte: 019Mobile aus Israel, Tango Networks U.K. aus Großbritannien sowie Airtel Jersey.
Im Rahmen der zweiten Kampagne kamen spezielle SMS-Nachrichten zum Einsatz, welche das jeweilige Zieltelefon ohne jegliche für den Nutzer sichtbare Spur in ein Ortungsgerät verwandelten. Den Forschern von Citizen Lab zufolge stellen die bisher dokumentierten Funde lediglich die Spitze des Eisbergs dar; weltweit sei von Millionen derartigen Angriffen auszugehen.
Strukturelle Schwächen und Vertrauensvorschuss im Mobilfunknetz
Auch der Sicherheitsanbieter Cape weist auf die gravierenden Gefahren durch die veralteten sowie aktuellen Signalisierungssysteme hin. Demnach ermöglichen die Schwachstellen in SS7 und Diameter neben der Standortverfolgung auch das Abfangen von SMS-Verifizierungscodes und Sprachanrufen sowie vollständigen Identitätsdiebstahl, ohne dass das Mobiltelefon selbst kompromittiert werden muss. Die Angriffe machten sich vor allem das blinde Vertrauen zunutze, das Netzbetreiber untereinander etabliert haben.
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Bereits in einer Studie auf der Wireless Security Conference 2025 stellte Cape fest, dass Diameter-Aktualisierungen aus besuchten Netzen teilweise nur im Abstand von 2 bis 10 Stunden erfolgen. Für Abonnenten aus Deutschland und den USA seien zudem über 250 Netze innerhalb von einer Stunde Reisezeit erreichbar, was Angreifern weitreichende Manipulationsspielräume eröffne.
Zur Risikominimierung empfiehlt Cape Schutzmaßnahmen wie eine tägliche IMSI-Rotation, den vollständigen Verzicht auf das SS7-Protokoll, sogenannte Network Locks sowie regelmäßige Penetrationstests.
